Bützow : Auf der Spitze

Auf Teppich, um nicht auszurutschen: Paula Krischik soll auf Spitze eine Drehung einüben. Tanzlehrerin Sabine Rosenberg (links) hält sie zur Sicherheit an einer Hand fest.
Auf Teppich, um nicht auszurutschen: Paula Krischik soll auf Spitze eine Drehung einüben. Tanzlehrerin Sabine Rosenberg (links) hält sie zur Sicherheit an einer Hand fest.

Tanzlehrerin Sabine Rosenberg gibt in Bützow auch Ballettunterricht.

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22. Februar 2019, 12:00 Uhr

Nur ein paar Quadratmeter groß ist der Umkleideraum in der Förderschule Bützow, in den Sabine Rosenberg vier Mädchen lotst. Sie sollen einen Schritt mit einer ganzen Drehung machen. Auf Spitze. Auf dem Teppich, weil das Quartett erst seit Dezember die ersten Schritte auf diesen besonderen Ballettschuhen übt.

„Der Spitzentanz ist die Krönung des Balletts“, sagt Sabine Rosenberg. Die Fachlehrerin für Tanz und tänzerische Früherziehung weiß, dass die Tänzerinnen Glückshormone ausschütten, wenn sie gefühlsmäßig federleicht in die Höhe schweben. „Ist doch so, oder?“, fragt sie die elfjährigen Mädchen. Sie nicken.

„Ich wollte schon immer Spitze tanzen“, sagt Paula Krischik. Seit sie mit ihrer Mutter vor vielen Jahren im Theater das Ballett „Dornröschen“ gesehen hat. Früh hat die Elfjährige mit den ersten Tanzschritten begonnen. Da war sie drei Jahre alt, die Lebenshilfe-Kita empfahl den Eltern die spezielle Früherziehung. Erinnern kann sich Paula noch an den „Pferdchentanz“.

Paula Krischik, Larissa Kallenbach, Sally Stampe und Charlotte Villmow nehmen seit zwei Jahren Ballettunterricht bei Sabine Rosenberg – mit seiner klassischen Ästhetik. Seit Dezember liegt ein Schwerpunkt auf dem Spitzentanz.

Kann das jedes Mädchen? Prinzipiell ja, wenn es „gute Füße“ hat. Platt- oder Senkfuß? Geht nicht. Gut heißt: Der Fuß muss stark sein, also muskulös. Das Mädchen muss den Fuß sehr weit strecken und Balance halten können. Und es muss die verlangten Bewegungen erst einmal überhaupt hinbekommen. Sabine Rosenberg lehrt als Mitglied eines Berufsverbands Spitzentanz nur Mädchen ab dem elften Lebensjahr. „Sie brauchen geistige und körperliche Reife“, erklärt sie. Spitzentanz sei Yoga auf höchster Ebene, weil enorm viel Kraft bei gleichzeitiger Entspannung des Oberkörpers nötig ist.

Sie spricht grundsätzlich mit den Eltern, bevor sie ein Mädchen im Spitzentanz unterrichtet. Die Erwachsenen können selbst einen Ballettschuh anprobieren, um selbst zu merken, was dieser Schuh für den Fuß bedeutet. „Mit dem richtigen Schuh tut das nicht weh. Aber er muss absolut passen“, erläutert die Tanzlehrerin. Ein Mädchen in der aktuellen Gruppe soll nicht auf Spitze tanzen. Kein Problem für Sabine Rosenberg: Sie gehört dazu, absolviert das selbe Training eben auf dem ganzen Fuß. Die Tanzlehrerin fuhr mit den Mädels nach Berlin zu einem Fachgeschäft. Dort haben Paula, Larissa und Sally und jeweils bis zu sechs Paare anprobiert. Dazu kommen spezielle Einsätze, damit der Schuh nirgendwo drückt.

Die Mädchen machen sich warm, bevor es auf die Spitzen geht. Eine Stange, an der immer wieder die Grundpositionen des Balletts eingenommen und Übungen absolviert werden, gibt es in der Förderschule nicht. Aufeinander gestellte Tische sind ein Behelf. „Relevé“ bedeutet, dass sich die Tänzerin aus einer Kniebeuge heraus Schwung holt und auf die Spitze kommt. Diese ist nur etwa 2,5 mal 3,5 Zentimeter groß. Neben diesem „Hochsteigen“ gibt es zwei weitere Techniken, auf die Spitzen zu kommen: Hochspringen und Hochrollen. Dann zeigt Sabine Rosenberg Schritte, die die Vier auf dem Parkett nachmachen. Die Tanzlehrerin lobt viel, motiviert die Ballettschülerinnen immer wieder. Das gemeinsame Ziel: eine besondere Leichtigkeit.

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