Stiftkirche Bützow : Auf Bützow warten goldene Zeiten

Die fertige Sonnenuhr, noch ohne Schattenstab, mit vergoldeten und versilberten Details.
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Die fertige Sonnenuhr, noch ohne Schattenstab, mit vergoldeten und versilberten Details.

Sonnenuhr fast fertig: Exakt neu berechneter Schattenstab zeigt bald die Wahre Ortszeit von Bützow an

svz.de von
27. August 2016, 05:00 Uhr

Nun ist es bald soweit: die vertikale Lüderssche Mittags-Sonnenuhr aus dem 18. Jahrhundert erfährt in voller Farbpracht ihre „Wiedergeburt“. Seit zehn Jahren kümmern sich Bützower Heimatfreunde und der Förderverein der Stiftskirche darum, dem lautlosen Zeitmesser an der Bützower Kirche wieder „Leben einzuhauchen“. Zum „Tag des Offenen Denkmals“ am 11. September wird in Regie des Fördervereines der Stiftskirche um 13 Uhr (MESZ) die originalgetreue Nachbildung der Lüdersschen Sonnenuhr von 1765 mit der Registriernummer DGC 16931 der Öffentlichkeit übergeben.


Geflügeltes Herz ziert oberes Ende


Dieser Tage sind die Restauratoren dabei, die schwarz grundierte Sonnenuhr mit Edelmetall für die Ziffern, Stunden- und Halbstundenlinien und einige barocke Verzierungen gestalterisch zu verfeinern. So ist unter anderem der Restaurator Wolfram Vormelker dabei, Gold aufzutragen. Am oberen Ende der gotländischen Kalksteinplatte ist ein „geflügeltes Herz“ mit einem kleinen Goldkreuz zu sehen. Dieses Herz gilt als Sinnbild der Andacht. Innerhalb des Herzens sind die Namen: Jehovah und Jeschuah in Hebräisch und der Name Jesus Christus in Griechisch zu sehen. Unterhalb des Herzens ist der religiöse Kommentar zu lesen: „Wenn in des Herzens Grunde / Dein Nahm und Creutz allein, Funkelt allzeit und Stunde, So kan ich frölich seyn.“
Hierbei steht die römische Jahreszahl MDCLXV für 1765.

Während die farblichen Verzierungen dem Ende entgegen gehen, wird jetzt am metallenen Schattenstab (Gnomon) gewerkelt. Wohl gemerkt: Der originale Schattenstab der DGC 5031 (Die originale Sonnenuhr hängt im Innern des Gotteshauses hinter dem Altar.) ist seit knapp 200 Jahren verloren.

Für die engagierten Bützower Sonnenuhrenfreunde ist der Nestor der Potsdamer Astronom und Gnomonist Arnold Zenkert (1923 bis 2013) bereitwillig angetreten, um die gnomonischen Werte für den Schattenstab zu berechnen. Nach seinem Tod wurden Neuberechnungen erforderlich. Der mit den Bützowern ebenfalls seit Jahren bekannte Peter Lindner, Vorsitzender des Astronomischen Vereines Hoyerswerda, half bei der erneuten Berechnung, die jetzt die Grundlage für den neuen Schattenstab ist.

Mit einem Austrittswinkel von 36,15 Grad ragt der Gnomon aus der Kalksteinplatte heraus. Dieser Winkel entspricht übrigens dem Neigungswinkel der Erdachse, die parallel zum Schattenstab verläuft.

Nachdem der Schattenstab in der Metall Bützow GmbH vom dortigen Geschäftsführer Carsten Rauhut gefertigt wurde, wird dieser nachträglich von Restaurator Vormelker vergoldet. „Goldige Zeiten“ kommen also auf Bützow zu. Zumindest, was die Wahre Bützower Ortszeit (WOZ) anbelangt.


Miniaturstadt verfügt über kleine Kopie


Nicht unerwähnt lassen möchte ich an dieser Stelle, dass es bereits 2005 eine Nachbildung en miniature der Lüdersschen Mittags-Sonnenuhr gab. An der in der Miniaturstadt im Mai 2005 eingeweihten Kirche im Maßstab 1:10 fertigte Sigrid Stark von der Miniaturwerkstatt eine kleine Sonnenuhr-Nachbildung. Peter Lindner vom Astronomischen Verein Hoyerswerda schickte nach einem Besuch in der Miniaturstadt ein Foto an die Deutschen Gesellschaft für Chronometrie und seitdem bekam diese Miniatur-Sonnenuhr die deutschlandweite Registriernummer DGC 13926. Diese Nachbildung verfügt wie das Original ebenfalls über keinen Schattenstab. Zum einen wurde die gesamte Miniaturstadt seit Anbeginn im Stadtbild von 1900 – zu dieser Zeit gab es keinen Schattenstab – gebaut und obendrein steht die Miniaturkirche nicht in der Ausrichtung Ost-West, was den Schattenstab dringlich in die Südausrichtung bringt. Mit anderen Worten: In der Miniaturstadt lässt sich nachträglich kein Gnomon fertigen.


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