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Bützower Zeitung

26. September 2017 | 11:18 Uhr

Baumgarten : Am Mühlenberg wird gedrechselt

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Uwe Facklam gab seine Drechselwerkstatt nun in die Hände seines Enkelsohnes Benjamin Facklam

Von den landesweit rund 20 200 Handwerksbetrieben stehen 3500 vor einem Generationswechsel - ihre Eigentümer sind älter als 55 Jahre. Gerade in traditionellen kleinen Familienbetrieben ist die Unternehmensnachfolge nicht immer einfach. In Baumgarten gelang jetzt der Generationswechsel.

Ein kleiner Landweg führt vor dem Ortseingangsschild von Baumgarten auf den Hof der Familie Facklam. Gleich neben dem Wohnhaus steht ein kleines Gebäude. Es war vor vielen Jahrzehnten ein Schweinestall. Uwe Facklam hat daraus eine Werkstatt gemacht. Und so stehen auch heute noch Drechselmaschinen, viele Werkzeuge und ein Bollerofen darin.

Von 1987 bis 2013 arbeitete der heute 73-Jährige gelernte Drechsler dort Tag für Tag. Das war sein Arbeitsplatz. Hier fühlte er sich wohl. Drechselte von Hand zum Beispiel Treppengeländer, Kerzen- und Blumenständer, alles das, was seine Kunden sich wünschten.

Doch in den letzten Jahren wurde es etwas ruhiger in der Werkstatt. Lange stand nicht fest, wie es weitergeht. Doch Ende des vergangenen Jahres legte der Senior den kleinen Ein-Mann-Betrieb in die Hände seines Enkelsohnes Benjamin Facklam. Auch der 27-Jährige hat das Drechslerhandwerk von 2006 bis 2009 von der Pieke auf gelernt. Mit Meißel und Röhre formt er nun genauso Holz wie einst sein Großvater. ,,Ich verarbeite in der Hauptsache Eschen, Eichen und Kiefern“, sagt Benjamin Facklam. „Buchenholz ist sehr hart und lässt sich sehr schwer verarbeiten.“

Natürlich war er als Schüler sehr oft bei seinem Großvater in der Werkstatt und hat sich dort so allerlei Kniffe und Tricks abgeschaut. Und dann reifte auch sein Berufswunsch: ,,Ich werde Drechsler.“

So ganz kann sich aber Großvater Uwe nicht aus der Werkstatt verabschieden. Täglich öffnet er die Tür und schaut dem Enkel über die Schulter. Der Geruch von Holz lasse ihn noch nicht los, sagt er.

Neben seiner dreijährigen Ausbildung als Drechsler hat Benjamin Facklam noch eine Ausbildung zum Trockenbauer gemacht. ,,Wenn die Drechselarbeiten mal nicht so gefragt sind, baue ich zum Beispiel auch Fenster und Türen in Häuser ein“, sagt der 27-Jährige. Die seien ja meistens auch aus Holz.

Und ganz zum Schluss verrät Großvater Uwe Facklam, warum der Hof Am Mühlenberg 1 heißt: „Dort auf der kleinen Anhöhe stand einst eine Windmühle. Dort hat mein Großvater noch Korn gemahlen. Aber das ist lange her.“



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