Schwaan : Alte Ziegelei wird umgebaut

Die alte Ziegelei in der Niendorfer Chaussee: Den Schwaanern ist die Industriebrache seit Jahren ein Dorn im Auge. Jetzt wird sie endlich umgebaut.<foto>Dirk Behm</foto>
Die alte Ziegelei in der Niendorfer Chaussee: Den Schwaanern ist die Industriebrache seit Jahren ein Dorn im Auge. Jetzt wird sie endlich umgebaut.Dirk Behm

Die Alte Ziegelei nahe Schwaan wird derart zurück- und umgebaut, dass der Ringofen, den verschiedene Fledermausarten als Winterquartier nutzen, bestehen bleibt. Das entschieden die Stadtvertreter am Mittwoch.

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29. Juni 2012, 10:59 Uhr

Schwaan | Die Alte Ziegelei nahe Schwaan wird derart zurück- und umgebaut, dass der Ringofen, den verschiedene Fledermausarten als Winterquartier nutzen, bestehen bleibt. Das entschieden die Stadtvertreter auf ihrer Sitzung am Mittwochabend.

Der Beschluss wurde dringend nötig. "Die Ziegelei ist in einem wirklich schlechten Zustand, man kann quasi alle zwei Wochen den weiteren Verfall dokumentieren", sagt Christian Fenske, Projektarchitekt. Er ist gemeinsam mit dem Projektplaner Andreas Hagenguth sowie Antje Seebens, Koordinatorin im Nabu Mittleres Mecklenburg, und die Quartierbetreuer Uwe Herrmanns und Dirk Seemann zur Stadtvertretersitzung angereist. Dort erläuterten sie noch einmal ihr Vorhaben.

Demnach ist geplant, den Brennofen wieder herzurichten, damit die Fledermäuse in den Wintermonaten dort weiterhin Quartier beziehen können. "Offene Stellen in der äußeren Wand des Ringofens müssen ausgebessert werden, damit im Winter keine Kälte eindringt", erklärt Projektplaner Andreas Hagenguth. Weiterhin werde der Ringofen mit einer Kalkschlemme überzogen, um das Bauwerk zu stabilisieren. An einigen Stellen der Innenwände werden auch noch Strukturen und Schlafplätze für die Fledermäuse geschaffen. Allerdings werden die Überdachung sowie die Stützpfeiler, die den Brennofen umgeben, entfernt.

Auf dem Ringofen solle dann ein Gründach angelegt werden, sagt Hagenguth. Die Steine beziehungsweise das mineralische Material, aus dem die Pfeiler einst gefertigt wurden, wird dann an der südlichen Seite des Ringofens abgelegt.

"Wir wollen damit ein Quartier für Amphibien und Reptilien wie Lurche oder Nattern schaffen", erläutert Christian Fenske. In den vergangenen Monaten hätten sich schon Schlangen oder Eidechsen in der Nähe des Gebäudekomplexes auf dem dort liegenden mineralischen Abbruchmaterial angesiedelt, erklärt Hagenguth.

Klaus Niemann, Vorsitzender des Bau-Ausschusses, hatte lange Zeit mit dieser Variante gehadert. "Wenn wir etwas abreißen wollen, dann müssen wir es auch selber entsorgen", sagt der Ausschuss-Vorsitzende. Zumal es sich noch um eine Fläche der Stadt handele, auf der die Steine gelagert werden, und zunächst nicht klar war, welches Material dort postiert werden sollte. Gegen die Sanierung an sich habe er nichts, nur die Entsorgungsfrage müsse geklärt werden, fügt er hinzu. "Die Stadt sollte das Projekt umsetzen, damit wir einen Klotz weniger am Bein haben", spricht sich Rüdiger Zöllig (Grüne) für das Projekt aus. Aus gutem Grund: Die marode Alte Ziegelei liegt an der Niendorfer Chaussee und bietet keinen schönen Anblick. Zudem geht von dem immer stärker zerfallenden Gebäude eine starke Gefahr für Neugierige aus. Weil die Stadt Schwaan allerdings ihre Verkehrssicherungspflicht wahrnimmt, ist das Gelände sicher abgeriegelt. Antje Seebens, Projektkoordinatorin vom Nabu, macht ebenfalls Druck. "Der Projektbeginn war bereits im Herbst 2010, und mittlerweile befinden wir uns in einer weit fortgeschrittenen Planungsphase", sagt sie. Weil die Verhandlungen mit der Stadt in der Vergangenheit sehr schleppend verliefen, werde es nun immer schwieriger, die Planungen beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg zu rechtfertigen. Im Laufe der Planungszeit haben sich die Kosten für die Maßnahme verändert. Beliefen sich erste Schätzungen auf 40 000 Euro, so liegt der Betrag inzwischen bei 150 000 Euro. Die Maßnahme wird zu 100 Prozent gefördert, 75 Prozent von der EU, 25 Prozent vom Land. Schwaan muss nur Geld für den Abbruch und die Entsorgung angelagerter Gebäudeteile aufbringen. Die Arbeiten sollen noch in diesem Jahr beginnen. Im Brennofen der Alten Ziegelei überwintern von Oktober bis April über 100 Fledermäuse. Dazu gehören so seltene Arten wie das Braune Langohr oder das Große Maus ohr.

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