Brand von 1716 : Als Bützow einst in Flammen stand

Historische Alarmgeräte und Löscheimer  Fotos: heimatmuseum
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Historische Alarmgeräte und Löscheimer Fotos: heimatmuseum

In diesen Tagen jährt sich der Brand, der die Stadt im Jahre 1716 weitgehend verwüstete, zum 300. Mal

In den nächsten Tagen jährt sich ein Ereignis zum 300. Mal, welches die Stadt Bützow zu einem Großteil in Schutt und Asche legte. In der Nacht vom 9. auf den 10. August 1716 wälzte sich eine Feuersbrunst durch die Straßen und vernichtete in nur fünf Stunden über 130 Häuser.

In einem Schreiben aus dieser Zeit ist zu lesen: „Der Brand ist entstanden nahe bei der Apotheken aus des Bürgers Gildemeisters Stall und hat sogleich an beider Seiten bis zum Wolker Tor die Häuser ergriffen. Von da hat es der Wind getrieben und bis ans Rostocker Tor und am Markt beider Seiten alles verbrannt, wodurch die Kirche in große Gefahr gesetzet und auch die Schule in die Flammen gebracht wurde. Aber durch des Höchsten Erbarmung blieb endlich die Kirche doch unbeschädigt“.

Eine Brandvorbeugung, wie es sie heute gibt, war damals unbekannt. Jedoch waren begünstigende Umstände zum Ausbruch eines Feuers überall in den Städten zu finden. So waren die Häuser dicht an dicht gebaut, häufig in Fachwerkbauweise, und mit Stroh gedeckt. Schornsteine endeten zumeist am Dachfirst und offenes Feuer zum Kochen, Heizen und zur Beleuchtung war an der Tagesordnung.

Nachdem nun in Bützow ein Großteil der Häuser den Flammen zum Opfer gefallen war, litten viele Einwohner arge Not. Deshalb wurden Bittbriefe zur Bereitstellung kostenlosen Baumaterials an den Herzog Carl Leopold in Schwerin geschrieben, da die Bürger Bützows sich außer Stande sahen ihre Stadt ohne Unterstützung wieder aufzubauen. Glücklicherweise trafen diese Briefe auf offene Ohren, waren aber mit entsprechenden Vorschriften zum Neubau verbunden, damit ein eventuell erneut ausbrechendes Feuer nicht so leichtes Spiel hat.

Also verfügte der Herzog, dass die neu zu bauenden Häuser die Dächer quer zur Straße haben müssen, sie sollen zwei Stock hochgebaut, dürfen nicht mit Stroh eingedeckt und sollen in einer Linie angeordnet werden. Zwischen den Häusern müssen Lücken, sogenannte Tüschen, belassen werden (heute noch sehr gut in der Langestraße zu sehen).

In den Bützowschen Ruhestunden von 1765 finden wir dazu unter der Überschrift „Etwas zur Geschichte der Stadt Bützow aus der Zeit des unglücklichen Brandes 1716“, interessante Details, wie zum Beispiel: „Alle Häuser sollen gleich hoch; die untersten Gemächer 10 und die öbersten 9 Fuß hoch, beydes im Lichte seyn, nach der Gassen zu und sollen keine Giebel-Häuser, sondern Qveer-Dächer seyn; auch alle Dächer mit Steinen gedeckt werden... Innerhalb dem Wolker Thor, soll der Platz, da der Scharfrichter gewohnet und des Müllers Heller Haus gestanden, nicht wieder gebauet werden, sondern zum künftigen Vestungs-Bau bleiben und denen Leuten andere Plätze angewiesen werden; Den Commissariis wird ernstlich angewiesen, alle Feuerstätten zu visitiren, und wenn sie gefährliche Stellen finden, denen Eigenthümern bey 10, 20 und mehr Thalern Strafe anzeigen, daß sie solche ändern sollen; auch denen übrigen Leuten anzudeuten, daß sie ihre noch stehenden Häuser, welche es ertragen können, mit Steinen decken sollen, wozu ihnen einige Hülfe aus denen Fürstlichen Ziegeleien soll geleistet werden...“

Die geschädigten Bürger gingen mit Tatkraft an den Wiederaufbau der Stadt und auf einem Balken am Haus Gödenstraße 15, welcher sich noch heute im Magazin des Heimatmuseums befindet, ist zu lesen: „Was Anno 1716 den 10. August durch den großen Brand ist weggeraubet, steht hier schon wieder. Durch Gottes und Fürstengnad gebauet.“

Aber natürlich ging es beim Wiederaufbau auch damals nicht ganz ohne Probleme ab. So gab es heftige Proteste von einigen Bürgern, weil sie für Neubau und Verbreiterung der Straßen Teile ihrer Grundstücke abgeben sollten. Auch die Anordnung zum Entfernen der sogenannten Weichdächer wurde erst nach vielen Jahren erfüllt. Ansonsten verlief der Wiederaufbau aber recht zügig.

In gewisser Weise lassen sich zwischen diesem Ereignis und dem am 5. Mai 2015 auf Bützow treffenden Tornado, welcher ebenfalls große Teile der historischen Innenstadt verwüstete und an etlichen Häusern erhebliche Schäden anrichtete, gewisse Parallelen ziehen. Auch hier fanden sich nach dem Unglück viele Freiwillige, die sich am Wiederaufbau beteiligten und durch ihre Spendenbereitschaft halfen, dass die größten Schäden schnell behoben werden konnten.

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