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Inklusion in der Schule : „Alle Kinder sind besonders“

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Inklusion ist an der Käthe-Kollwitz-Schule Bützow alltägliche Praxis / Bützowerin lobt Engagement in der Regionalen Schule

von
erstellt am 07.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Ihr Sohn habe gerade eine Ausbildung zum Mediengestalter für Bild und Ton in Greifswald begonnen, erzählt Maren Wittenburg. Darüber ist die Bützowerin sehr glücklich. Denn ihr Sohn ist Autist. An der Bützower Käthe-Kollwitz-Schule haben die Wittenburgs erfahren, wie Inklusion funktioniert. Darüber ist die Mutter sehr froh. Für Schulleiterin Gudrun Radziwolek und ihr Pädagogenteam ist Inklusion alltägliche Arbeit. „Das ist unser Konzept.“


Pädagogen helfen, fördern und beraten


Bei ihrem Sohn sei im Alter von sechs Jahren der Asperger-Autismus diagnostiziert worden, erzählt Maren Wittenburg. Es sei früh aufgefallen, dass er „sehr geräuschempfindlich ist, immer wieder gleiche Handlungen, gleiche Bewegungen ausführt, sich nur mit eng begrenzten Themen, dafür aber sehr intensiv auseinandersetzt“, schildert die Bützowerin. Dennoch kommt ihr Sohn mit sieben Jahren in die Grundschule. Dort sei er schnell zum Außenseiter geworden, erzählt die Mutter. Denn das Handicap, mit dem ihr Sohn lebt, führte dazu, dass er Mitschüler nicht ansehen konnte, ihnen auswich. Auch die Interessen, wie zum Beispiel für das Malen von Ländern, für das Weltall oder die Titanic, entsprechen nicht unbedingt den Interessen Gleichaltriger. Dennoch habe ihr Sohn durch spezieller Förderung den Sprung aufs Gymnasium geschafft. „Lange hielten er und wir als Familie durch“, blickt Maren Wittenburg zurück. Doch irgendwann sei „der Leistungsdruck und das eingeengte System gymnasialer Ausbildung für unseren Sohn nicht mehr zu tragen gewesen“, so Maren Wittenburg.

Gemeinsam mit Lehrern und Sonderpädagogen suchten die Wittenburgs nach einer Lösung. Und die fanden sie gleich nebenan, in der Käthe-Kollwitz-Schule. Ob die Klassenlehrerinnen Kerstin Schröder und Andrea Tönnies, die Sonderpädagogin Karin Pannwitt, die den Sohn schon seit der Grundschule begleitet, oder die anderen Lehrer – sie hätte nicht erlebt, dass jemals einer zur Uhr geschaut hätte.


„Wir haben hier ein Netzwerk aufgebaut“


„Inklusion ist aber nicht der Verdienst von einzelnen“, sagt Karin Pannwitt, „sondern wir haben hier ein Netzwerk aufgebaut.“ Es funktioniert nur in enger Zusammenarbeit zwischen Schulleitung, Sonderpädagogen, Lehrern und Sozialarbeitern und nicht zuletzt durch den engen Kontakt zu den Eltern.

„Wir sprechen auch nicht gern von Menschen mit Behinderung, sondern jeder Mensch hat eine Besonderheit“, sagt Gudrun Radziwolek. So benötigen 51 der rund 320 Schüler der Klassen 5 bis 10 eine intensive Förderung, weitere 60 Schüler, die ebenfalls zusätzliche Unterstützung erfahren. Neben Karin Pannwitt stehen dafür die Sonderpädagogin Charlotte Schulz und Sozialarbeiterin Karin Schröder zur Verfügung.

Doch Inklusion sei ein Prozess, funktioniere nur im gesamten Team, bringe auch immer Reibungspunkte, so Pannwitt. „Ich hätte vor zehn, fünfzehn Jahren nicht gedacht, dass wir heute Inklusion so verwirklichen können.“


Bützowerin möchte Eltern Mut machen


Was die Regionale Schule an Förderung, Hilfe und Nachteilsausgleich leiste, das sei wirkliche Inklusion, so Maren Wittenburg. „So können mein Sohn und unsere Familie auf einen guten Schulabschluss blicken und unser Sohn kann eine Ausbildung absolvieren.“

Die Bützowerin möchte anderen Eltern Mut machen, sich frühzeitig Hilfe zu holen und offen mit dem Handicap ihrer Kinder umzugehen. Sie wisse, dass viele das zum Schulstart ihrer Kinder nicht tun. Das bestätigt Sonderpädagogin Karin Pannwitt. Das Andere, das Besondere – Kinder würden schnell stigmatisiert. Davor hätten die Eltern Angst. Das Beispiel der Familie Wittenburg sollte Mut machen.

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