Bützow : Abschied von seinem Lebenswerk

Hier hat er fast 40 Jahre gewirkt: Peter Dethloff wurde nach dem Bau des Heizwerkes zunächst Werkleiter und später Geschäftsführer der Bützower Wärme GmbH.
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Hier hat er fast 40 Jahre gewirkt: Peter Dethloff wurde nach dem Bau des Heizwerkes zunächst Werkleiter und später Geschäftsführer der Bützower Wärme GmbH.

Peter Dethloff, bisheriger Geschäftsführer der Bützower Wärme GmbH, geht nach fast 40 Jahren in den beruflichen Ruhestand

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02. Januar 2018, 09:00 Uhr

Noch einmal ist Peter Dethloff die rund 200 Sprossen hinauf auf den Schornstein des Heizhauses gestiegen, hat den Blick aus rund 65 Metern Höhe genossen. Der Geschäftsführer der Bützower Wärme GmbH hat heruntergeblickt auf die Stadt Bützow und auf sein Heizwerk mit den Biogasanlagen. Seit gestern jedoch ist alles anders. Peter Dethloff ist nun der Ex-Geschäftsführer, kann den wohlverdienten Ruhestand genießen.

„Es ist ein ganz komisches Gefühl. Ich glaube, ich habe es noch nicht ganz begriffen“, blickte Peter Dethloff kurz vor dem Jahreswechsel auf die letzten Tage im Berufsleben, als SVZ ihn noch einmal in seinem Büro in der Kühlungsborner Straße besuchte. Begonnen hatte alles vor fast vier Jahrzehnten. 1951 in Zepelin gebohren und aufgewachsen, verschlug es Peter Dethloff 1968 nach Rostock. Er heuerte bei der Deutschen Seerederei an, lernte dort und studierte, war zehn Jahre als Schiffsingenieur bei der Handelsmarine.

1978: In Bützow saß seine Frau mit dem erstgeboren Sohn. In Rostock hätten sie sieben Jahre lang auf eine Wohnung warten müssen. „Also habe ich mich in Bützow beworben“, blickt Peter Dethloff auf 1978 zurück. In der Warnowstadt wurde gerade das neue Heizwerk gebaut, Peter Dethloff wurde der Werkleiter. Es war jener Jahrhundertwinter 1978/79. „Wir haben wirklich alles mitgemacht. Es gab Stromabschaltung, keine Kohle, kein Wasser. Dennoch mussten die Wohnblöcke mit Wärme versorgt werden. Auch die Schule, heute das ,Wohnen im Klassenzimmer’ hing schon an der Fernwärmeversorgung“, erinnert sich Peter Dethloff an diesen Einstieg als Werkleiter.

Der zweifache Familienvater geht nun mit der Hoffnung, dass „das, was ich in den letzten Jahren noch modernisiert und dem Markt angepasst habe, dass das alles auch richtig war. Wir haben auch in der Vergangenheit viele Dinge gemacht und dann kam der Gesetzgeber um die Ecke und es war alles nicht mehr gültig.“

Und es gab einige Veränderungen in den fast vier Jahrzehnten. Die größte sicherlich im Jahr 1989. „Keiner wusste so richtig, wie es weitergehen sollte“, blickt der 66-Jährige auf die Wendezeit zurück. Plötzlich war nicht mehr das Innen-, sondern das Schweriner Justizministerium der Arbeitgeber. Doch das wollte das Heizwerk abgeben. 1991 ging es ins Eigentum der Stadt über. Peter Dethloff musste sich erneut als Werkleiter bewerben und bekam den Posten. Schnell sei ihm klar geworden, dass eine GmbH gegründet werden müsste. Vor allem als feststand, dass es zu keiner Gründung von Stadtwerken kommen würde. Das hätten zwar alle Parteien in ihren Wahlprogrammen verankert gehabt, jedoch alle hätten einen Rückzieher gemacht, so Peter Dethloff. Sollte sich das städtischen Unternehmen aber auf dem freien Markt gegenüber den anderen Anbietern im Bereich Strom, Gas und Oel behaupten, musste es handlungsfähiger werden. Und das sei nur möglich gewesen, durch die GmbH-Gründung, sodass der Geschäftsführer nicht bei jeder Einzelheit die Stadtvertreter befragen musste. „Zu denen hatte ich aber in all den Jahren immer ein gutes Verhältnis.“

Die erste wichtige Entscheidung neben dem Ausbau des Fernwärmenetzes war dann der Bau einer Kraftwärme-Kopplungsanlage 1996. Mittels Motoren wird Strom erzeugt, die Abwärme für die Fernwärmeversorgung genutzt. „Das ist energetisch besonders hochwertig bei der Ausnutzung des Primärenergieträgers Gas“, erklärt Peter Dethloff. Doch zwei Jahre später änderten sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen. „Wir musste plötzlich beim Strompreis mit Kohle- und Atomkraftwerken konkurrieren“, so der Bützower. Es kam zum Verkauf von Betriebsanteilen an die Wemag und die Eon Hansegas.

Vor mehr als zehn Jahren folgte dann der Bau der Biogasanlagen auf dem Gelände des Heizwerkes. Betreiber ist eine eigenständige Firma. Die Wärme Bützow GmbH unterhält die Anlagen als Dienstleister und nutzt die Abwärme.

Hatte die GmbH bei ihrer Gründung etwa 600 Wohnungseinheiten mit Fernwärme versorgt, seien es jetzt um die 3000, sagt Peter Dethloff. Hinzu kommen Schulen, Kindertagesstätten, die Warnow-Klinik, das Rathaus, die Musikschule. Da die GmbH im Stadtgebiet weitere Heizungszentralen installiert hat, komme sie insgesamt auf eine Gebäudeabdeckung mit Fernwärme von rund 80 Prozent, schätzt der Ex-Geschäftsführer ein.

Und was ihn besonders stolz macht am Ende seiner beruflichen Karriere: Das Unternehmen ist nicht nur ein guter Steuerzahler, sondern habe auch immer Anteile von Betriebsgewinnen abgeführt. Zudem unterstützt es Sportvereine, den Behindertenverband, die Volkssolidarität bei der Betreuung von Kindern und die Bützower Tafel. Auch darin hat Peter Dethloff in all den Jahren seine Verantwortung als städtisches Unternehmen gesehen.

Das alles lässt Peter Dethloff nun hinter sich. Mehr Zeit bleibt jetzt für die Familie und den Sport, sowohl aktiv beim Radfahren, Fußball oder Schwimmen als auch als Zuschauer beim Handball- und Fußball.

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