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Bützower Zeitung

24. November 2017 | 14:01 Uhr

Bützow : Abschied nach 42 Jahren

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Die Schulleiterin der Regionalen Schule, Gudrun Radziwolek, geht in den Ruhestand

von
erstellt am 22.Jul.2017 | 18:00 Uhr

Gudrun Radziwolek kann auf ein bewegtes Berufsleben zurückblicken. 42 Jahre lang hat sie in Bützow als Lehrerin gearbeitet, 30 davon war sie Schulleiterin. Mit dem Ende dieses Schuljahres verabschiedet sie sich nun in den Ruhestand.

Ein Schritt, der bei ihr ambivalente Gefühle auslöst. „Wenn man insgesamt 59 Jahre lang zur Schule geht, ist das natürlich ungewohnt, wenn es auf einmal nicht mehr so ist. Ich weiß noch nicht, wie sich das anfühlen wird. Andererseits gewinne ich eine andere Form von Freiheit, das ist schon etwas Reizvolles“, sagt Gudrun Radziwolek, die es nach ihrem Studium in Berlin eher aus pragmatischen Gründen nach Bützow verschlagen hat. „Meinen Mann und mich hat es in Richtung Ostsee gezogen. Da man nicht so einfach in Rostock Arbeit und Wohnung fand, haben wir einfach geschaut, wo die letzte D-Zug-Station vor Rostock war“, erzählt sie lachend.

Ihre Laufbahn als Lehrerin begann Gudrun Radziwolek in der damaligen Oberschule 1, später Käthe-Kollwitz-Schule, in der Pfaffenstraße, dort, wo heute die Freie Schule ist. Später ging es für sie an die ehemalige Kopernikusschule. „Dort war ich von 1991 bis 2006“, erzählt Gudrun Radziwolek. Eine Zeit, die sie fachlich besonders geprägt hat, wie sie erzählt: „Mit Hauptschülern und Kindern mit besonderen Defiziten mussten wir verstärkt den Blick auf Erziehung richten. Das haben wir besonders in der Zeit nach der Wende ganz neu denken gelernt.“ Schon damals erkannte Gudrun Radziwolek die Notwendigkeit von Schulsozialarbeit. „Ich war die erste im Altkreis Bützow, die mit einer Sozialpädagogin zusammengearbeitet hat. Ich bin dafür zum Jugendamt und habe deutlich gemacht, dass wir sie jeden Tag brauchen. Sie sollte im Erziehungskontext für die Kinder da sein.“ Nachdem in den 1990er-Jahren kaum jemand etwas damit anfangen konnte, begrüße sie es, dass Schulsozialarbeit mittlerweile Standard sei.

Seit 2006 ist Gudrun Radziwolek die Schulleiterin der Regionalen Schule, die aus der Fusion der Käthe-Kollwitz-Schule, der Warnowschule und der Kopernikusschule heraus entstand. Der Zusammenschluss sei nicht einfach gewesen, es habe lange gedauert, bis alle Kollegen die gleiche Sprache gesprochen hätten, erzählt Gurdrun Radziwolek, die neben ihren Aufgaben als Schulleiterin auch Deutsch und Geschichte unterrichtete.

Zu den größten Meilensteinen ihres Berufslebens zählt Gudrun Radziwolek die Entwicklung des speziellen Schulkonzeptes an der Regionalschule. Denn als eine der wenigen Einrichtungen im Schulamtsbereich bietet sie 40-minütige Unterrichtsstunden an. Die klassische Dreiviertelstunde wurde zugunsten von Kompetenzunterricht gekürzt. „Für mich war es immer wichtig, zu schauen, was brauchen unsere Schüler. Training im sozialen, im kommunikativen Bereich zum Beispiel. Der gängige 45-Minuten-Unterricht bietet dafür keinen Raum. Also haben wir uns eine Zeitreserve geschaffen“, erklärt Gudrun Radziwolek. Generell habe sie sich immer darauf konzentriert, nicht nur die Gegenwart, sondern auch die zukünftige Entwicklung der Schüler und der Schule als Ganzes im Blick zu haben.

Dass sich die Arbeit mit und im Sinne von Schülern im Laufe ihres Arbeitslebens erschwert habe, könne sie nicht behaupten, sagt Gudrun Radziwolek. „Ich bekomme oft gesagt, dass es furchtbar schwierig sein muss, heutzutage Lehrer zu sein. Das empfinde ich nicht so. Es ist einfach anders geworden.“ So habe sie sich zum Beispiel vor 42 Jahren noch nicht mit Mobbing via Whats App auseinandersetzen müssen. „Früher kam ein Schüler und sagte, ihm wurde die Nase blutig gehauen. Das konnte als Konflikt vergleichsweise schnell gelöst werden. Heute brauchen die Kinder lange, um sich an die Lehrer zu wenden. Wir müssen ganz genau beobachten, ob sich das Verhalten ändert, ein Kind vielleicht viel ruhiger ist als früher. Erst ganz spät erfahren wir, wenn ein Schüler über die sozialen Medien gemobbt wird und es nicht mehr aushält.“

Herausforderungen wie dieser stellte sich Gudrun Radziwolek stets mit viel Energie, die sich aus der Begeisterung für ihren Beruf speiste. Eine Eigenschaft, die sie sich bis heute bewahrt hat. „Wenn man mich fragen würde, ob ich wieder Lehrer werden würde, würde ich sofort ,Ja‘ sagen. Aber vielleicht ohne die ersten fünf Jahre. Das ist die härteste Zeit, in der man erst einmal herausfinden muss, wie man als Lehrer sein möchte, und viel Lehrgeld bezahlt.“

Das Berufsleben hinter sich zu lassen, ist für Gudrun Radziwolek eine emotionale Hürde. Schon am Mittwoch lud sie zahlreiche Wegbegleiter, Kollegen, Eltern, Freunde, in die Vierburg ein, um sich offiziell zu verabschieden. Die Gäste brachten viele gute Wünsche und Geschenke mit, angesichts derer die nun ehemalige Schulleiterin mit den Tränen kämpfte. Doch trotz der Traurigkeit auf der einen Seite freut sich die frischgebackene Rentnerin auch auf die kommende Zeit, in der sie einige Reisen unternehmen möchte und sich weiterhin ihrer Tätigkeit im lokalen Bündnis „Eine Blume für Bützow“ widmen möchte. „Außerdem werde ich es endlich wieder schaffen, zu lesen. Es gibt einiges, das im Bücherregal auf mich wartet.“

Gestern war für die langjährige Schulleiterin der letzte Arbeitstag. Diesen nutzte sie, um sich von den Schülern zu verabschieden. Ihr Kollegium der Regionalen Schule gab ihr in einer intimen Runde am Nachmittag die besten Glückwünsche mit auf den Weg.

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