Schwaan : Absage für Erholungswald

Um die Pflege des Lindenbruchs zu gewährleisten, beantragten die Grünen die Umwidmung zum Erholungswald. Nach jahrelangem Aufschub entschieden sich die Stadtvertreter nun dagegen.
Um die Pflege des Lindenbruchs zu gewährleisten, beantragten die Grünen die Umwidmung zum Erholungswald. Nach jahrelangem Aufschub entschieden sich die Stadtvertreter nun dagegen.

Stadtvertreter entscheiden sich gegen die offizielle Umwidmung des Schwaaner Lindenbruchs

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19. Dezember 2017, 09:00 Uhr

Der Wald gilt vielen als Rückzugsort vor Alltagsstress und Stadtlärm. Mit dem Lindenbruch haben die Schwaaner ein solches Refugium direkt vor der Haustür. Doch der teilweise heruntergekommene Zustand des Waldes schränkt den Erholungseffekt stark ein. Diese Ansicht vertritt die städtische Grünenfraktion bereits seit Jahren. Um Abhilfe zu schaffen, beantragte diese deshalb, eine Umwidmung des Lindenbruchs zum Erholungswald. Verfasst wurde der Antrag bereits 2013, nachdem er in der Stadtvertretung sowie den zuständigen Fachausschüssen immer wieder zurückgestellt wurde, fiel nun die endgültige Entscheidung zum Thema: Die Stadtvertreter lehnten den Antrag mehrheitlich ab.

Der Vorsitzende der Grünenfraktion, Rüdiger Zöllig, ist von der Entscheidung enttäuscht. Er sagt: „Ich hatte nicht hundertprozentig damit gerechnet, dass der Antrag angenommen wird, aber Hoffnungen habe ich mir natürlich schon gemacht.“ Dass das jahrelange Drängen auf eine Beschlussfassung nun vorbei ist, wertet Zöllig dagegen als positiv. „Es ist einfach nicht befriedigend, wenn das, was man sich vorgenommen hat, so lange nicht abgearbeitet wird. Insofern ist es gut, dass nun eine Entscheidung gefällt wurde.“

Der Zustand des Lindenbruchs macht dem Grünenpolitiker auch weiterhin Sorgen. „Zu DDR-Zeiten wurde er von vielen als Erholungswald genutzt. Nach der Wende hat die Stadt dann verstärkt versucht, Geld rauszuschlagen. Das ist legitim, aber die Forst ist unsensibel mit dem Wald umgegangen.“ Früher sei es noch möglich gewesen, mit dem Kinderwagen die Wege entlangzugehen, das sei heute kaum noch möglich.

Irgendwann stieß Zöllig auf die Möglichkeit der Umwidmung zum Erholungswald, die auf der Rechtsgrundlage des Landeswaldgesetzes eine verbindliche Regelung für die Pflege schaffen würde.

Das ist jetzt nun vom Tisch. Noch bevor die Entscheidung der Stadtvertreter feststand, sprach sich auch Bürgermeister Mathias Schauer (UWS) gegen die Umwidmung aus. Er betonte zunächst, dass diese beim Landkreis beantragt werden müsse und dass der Prozess „sehr aufwändig“ sei. Mit einem veränderten Status des Waldes kämen auf die Stadt aber auch erhöhte Kosten zu, so der Bürgermeister. Denn ist der Lindenbruch offiziell ein Erholungswald hat die Stadt auch eine erhöhte Verkehrssicherungspflicht. Das erfordert laut Schauer mehr Personal und bestimmte Technik, „die nicht billig ist“.

Nach der Entscheidung stellt sich die Frage, ob der Lindenbruch nicht auch ohne offizielle Umwidmung so gepflegt werden kann, dass bislang vernachlässigte Stellen wieder ordentlich zugänglich gemacht werden. Das Potenzial dazu ist da, sagt Rüdiger Zöllig. „Viele Dinge, die einen Erholungswald ausmachen, sind schon da. Es gibt Sitzgelegenheiten und Ruheplätze, einen Parkplatz und eine Gaststätte.“ Als Eigentümer könnte die Stadt den Wald auch herrichten, die Wegepflegung vorantreiben, solange es keine rechtlichen Schranken gibt.

Eine bessere Alternative ist die Umwidmung laut Zöllig aber dennoch. „Das ist verbindlich. Alles andere ist nicht Verpflichtendes und kann schnell wieder verworfen werden.“

Eines steht für den Grünenpolitiker fest: Wird nicht bald gehandelt, verwahrlost der Lindenbruch mehr und mehr. „Und das haben wir uns dann selbst zuzuschreiben.“

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