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Bützower Zeitung

20. November 2017 | 06:55 Uhr

Trickbetrug : 68-Jährige übers Ohr gehauen

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Steinhagen: Frau wurde Opfer eines Betrügers. Immer wieder fallen arglose Mitmenschen auf den „Enkeltrick“ oder dessen Spielarten herein

von
erstellt am 19.Mai.2017 | 05:00 Uhr

Der „Polizeitrick“ – jetzt bauen Betrüger auf diese Masche offensichtlich auch im Raum Güstrow. Am Dienstag ist der Polizei erstmals solch ein Fall in der Barlachstadt bekannt geworden.

Eine 86-jährige Güstrowerin hatte da einen Anruf von einem Mann bekommen, der sich als Polizeibeamter ausgab. Er wolle, so sagte er in klarem Hochdeutsch, mit ihr eine Beschwerde besprechen, die sie angeblich an die Polizei gerichtet habe. Die Frau hatte sich aber gar nicht über irgendetwas oder -wen beschwert und war misstrauisch. Ihr Misstrauen wuchs, als der Mann es schaffte, im Verlauf des Gesprächs den Bogen zu Wertgegenständen in ihrem Hause zu schlagen, was schließlich in der Frage nach der Bankverbindung mündete. An dieser Stelle unterbrach die Güstrowerin das Gespräch und holte einen Nachbarn zu Rate. Als der falsche Polizist darauf hin aggressiver wurde, legte sie einfach auf.

„Völlig richtig gehandelt“, sagt Kristin Hartfil. Die Polizeihauptkommissarin kennt inzwischen die vielfältigsten Spielarten solcher dem „Enkeltrick“ ähnelnden Betrügereien. Sie möchte immer zu Vorsicht mahnen, wenn Menschen von Unbekannten in Gespräche über ihr persönliches Umfeld verwickelt werden. Der sogenannte Enkeltrick sollte ja hinlänglich bekannt sein. Und doch fallen immer wieder Menschen auf die Masche herein, wenn Trickbetrüger auf das Mitleid der Menschen setzen und sie auf diese Weise übertölpeln. Ähnlich gelagert seien „Anwälte“, die eine tolle Erbschaft in Aussicht stellen und zur angeblichen Umgehung von genauso angeblichen Zollschranken „Tricks“ auf Lager hätten, für die sie nur eine kleine Vorauszahlung benötigen würden. Wieder andere Täter biedern sich über Facebook an und beuten die „Freundschaft“ ihrer Sozialnetzbekannten aus. „Traue keinem Fremden!“ Im Zweifel helfe immer noch diese alte Weisheit, sagt Kristin Hartfil. Stets solle man erst überlegen, bevor gehandelt wird und man auf einen Trick hereinfällt und ärmer wird.

Besonders perfide, wenn die Täter auf ein fragiles Sicherheitsgefühl von zu Ängstlichkeit neigenden Menschen eingehen. So wurden Anfang der Woche allein in Parchim 14 Fälle registriert. Dabei hatte sich ein Anrufer als Kripomann ausgegeben und älteren Menschen eingeredet, dass in ihrer Wohngegend eingebrochen wird und sie das nächste Opfer auf der Täterliste wären. Tatsächlich gaben da Leute Wertgegenstände oder Geld heraus, angeblich zur Sicherstellung. Am Ende ist alles weg!

„Seien Sie nicht leichtgläubig. Haben Sie nicht nur das mögliche Geld, welches versprochen wird, im Blick, sondern hinterfragen den angeblichen Gewinn kritisch. Er sollte nicht an eine Vorauszahlung gekoppelt sein“, gibt die echte Polizeibeamtin aus Erfahrung geborenen Rat. Ebenso verhalte es sich bei Anfragen nach Schmuck, Wertgegenständen, Bargeld und den Abgleich von Kontonummern. Hartfil: „Legen Sie eine gesunde Grundskepsis an den Tag und beenden Sie das Telefonat einfach, wenn es Ihnen komisch vorkommt. Im Zweifelsfall verständigen Sie jederzeit die Polizei.“

Kristin Hartfil möchte den Bogen auch noch weiter spannen. Wenn etwa jemand auf Ebay ein teures Smartphone für viel weniger Geld angeboten sieht, sollte man stutzig werden und Zweifel anmelden, ob das ein seriöses Angebot sein kann. Hartfil: „Es schenkt einem keiner was.“

Die miesen Maschen der Trickbetrüger

  • 9. Mai: Ein 58-Jähriger bekommt ein Fax von einem Anwalt. Demnach solle er von einem reichen Mandaten Begünstigter von 7 Millionen Euro in einem Erbverfahren in Spanien sein. Er reagierte darauf nicht und informierte lieber umgehend die Polizei, die eine Anzeige wegen Betrugs aufgenommen hat.
  • 26. April: Die Geschädigte (64) aus Groß Wokern wurde angerufen, weil sie einen BMW gewonnen hätte. Da sie bei dem Glücksspiel „Bargeldgewinn“ angekreuzt hätte, belaufe sich ihr Gewinn auf 74  000 Euro. Um jedoch in den Genuss zu kommen, müsse sie Gutscheine im Wert von 600 Euro erwerben und die Gewinncodes an den Anrufer durchgeben. Das hat sie gemacht – und wartete auf die Sicherheitsfirma, die das Geld übergeben sollte. Da diese noch nicht kam, rief sie die Kontaktdaten an. Plötzlich sollte sie da den Gewinn versteuern und Geld überweisen. Da sie durch den Kauf der Gutscheine ihre Monatsrente fast aufgebraucht hatte, wandte sie sich diese Woche an ihre Bank – und erfuhr so, dass sie einem Betrug aufgesessen war.
  • 27. März: Über Facebook erhält eine Steinhagenerin (68) eine Freundschaftsanfrage von einem ihr unbekannten Mann. Der gab an, in der US-Armee zu sein, demnächst in Ruhestand zu gehen und er wolle nach Deutschland übersiedeln. Er verfüge über viel Bargeld, das er aber nicht mitführen könne – er wollte es schicken. Irgendwann erhielt sie eine Mail vom Zoll in London, in der sie aufgefordert wurde, Zollgebühren zu zahlen. So überwies sie 7200 Euro. Später schrieb der Mann, dass er wegen eines Unfalls nicht nach Deutschland kommen könne, der Zoll nun aber festgestellt habe, dass es sich bei dem Paketinhalt um Bargeld handele und sie müsse noch mal 25  000 Euro nachzahlen. Da sie so viel Geld nicht hatte, nahm die Frau bei der Bank einen Kredit auf und überwies die Summe. Da es bis dahin so gut funktionierte, kam nun das „FBI“ und wollte eine Strafe von 125  000 Euro haben. Das hat sie dann nicht mehr bezahlt und wandte sich gestern an die Polizei. Aber ob sie ihr Geld jemals wiedersieht?
     

 

 

 

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