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Bützower Zeitung

21. November 2017 | 20:39 Uhr

Schwaan : 1400 Stunden in Rufbereitschaft

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Die „First Responder“ in Schwaan unterstützen seit einem dreiviertel Jahr den Rettungsdienst im Amt

von
erstellt am 09.Apr.2016 | 05:00 Uhr

In jeder Minute, die vergeht bis Ersthelfer eintreffen, sinkt die Überlebenschance eines Menschen, der einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitten hat, um zehn Prozent. Die Minuten zwischen Alarmierung und Eintreffen der Rettungskräfte sind also kritisch. Seit 13. Juli rücken bei der Schwaaner Feuerwehr First Responder aus, wenn der Rettungswagen bereits in einem anderen Einsatz ist, um diese kostbaren Minuten zu überbrücken.

Es ist die erste Gruppe ihrer Art im Landkreis und auch die erste im Land, die konzeptionell arbeitet, um eine mögliche Lücke in der Rettungskette zu vermeiden, berichtet Koordinator Thomas Kulow-Krehl. In einem Plan ist unter anderem konkret festgehalten, wer wann alarmiert wird. Für die Wehr sei das Projekt ein Erfolg. Anfängliche Bedenken hätten sich zerstreut. „Das Konzept sieht vor, dass wir nur ausrücken, wenn der Schwaaner Rettungswagen nicht verfügbar ist“, erklärt der Koordinator. Alarmiert wird in diesem Fall gleichzeitig der Satower Einsatzwagen – der aber bis zu 20 Minuten braucht, bis er am Einsatzort eintrifft. Die First Responder, eine Art Retter-Vorauskommando, minimieren also den therapiefreien Zeitraum. Inzwischen wurde der Dienst von der Stadt auf das gesamte Amt Schwaan erweitert.


Ersthelfer absolvieren 80 Stunden Ausbildung


1400 Stunden im Monat sind drei Kameraden auf Abruf. „Das ist natürlich schon beachtlich“, so Kulow-Krehl. Zwischen 18 und 6 Uhr sind in der Woche ständig drei Kameraden in Bereitschaft, den Rest des Tages ist das ganze Team gefragt. Am Wochenende sind alle durchgängig in Rufbereitschaft. Derzeit bestehen die First Responder aus 14 aktiven Feuerwehrmitgliedern, die auf eine solide medizinische Basis bauen können. Neun von ihnen sind ausgebildete Ersthelfer. Die Truppe besteht zudem aus zwei Krankenpflegern, einem Altenpfleger, einem Rettungssanitäter und einem Rettungsassistenten. Darüber hinaus befindet sich ein Mitglied in der Berufsausbildung zum Notfallsanitärer. Die Feuerwehrleute hatten im Vorfeld eine spezielle 80-stündige Ausbildung durchlaufen.

Finanziert wurden die First Responder zunächst von der Stadt Schwaan, die 7000 Euro für Material und Ausrüstung bereitstellte. Der Feuerwehr-Förderverein unterstützte mit weiteren 3000 Euro, die unter anderem für die Ausbildung eingesetzt wurden. Doch nun ist die Truppe auf Spenden angewiesen, um sich weiter zu finanzieren. „Es gehört nicht zur den Pflichtaufgaben einer Feuerwehr“, erklärt Kulow-Krehl. Damit könnten die Ersthelfer nicht auf die Gelder zurückgreifen, die der Feuerwehr zugewiesen werden.

2015 absolvierten die Ersthelfer elf Notfalleinsätze, „die von Reanimation bis hin zur Tragehilfe alles umfasst haben“, berichtet Thomas Kulow-Krehl. In diesem Jahr rückten sie schon zu sechs Einsätzen aus. Dabei waren sie durchschnittlich sieben Minuten nach Alarmierung am Einsatzort – und das meist mit vier Kameraden, berichtet Kulow-Krehl. „Da kann man schon recht stolz drauf sein“, fügt er an.

Der vierte Helfer wird häufig gebraucht, um die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes zu minimieren. Dieser kommt aus Kessin mit dem Helikopter – der nur selten einfach vor der Haustür landen kann. „Ein Fahrer holt ihn dann ab.“ In drei Fällen sind die First Responder machtlos gewesen, konnten die Betroffenen nicht mehr retten.

„Wir wissen aber auch, es hätte bei anderen Einsätzen anders ausgehen können, wenn wir nicht da gewesen wären“, denkt der Teamkoordinator.

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