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Bützower Häftling starb an Überdosis : 117 Drogenfunde in Gefängnissen

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Häftling in Bützow an Überdosis synthetischen Rauschgifts gestorben. Höhere Sicherheitsauflagen können Schmuggel nicht verhindern

Drogen in den fünf Gefängnissen Mecklenburg-Vorpommerns. Gestern wurde bekannt, dass der 29-jährige Häftling, der bereits am 14. Januar dieses Jahres morgens tot in seiner Zelle in der Justizvollzugsanstalt Bützow gefunden wurde, an einer Überdosis synthetischer Droge gestorben ist. Das hätten gerichtsmedizinische Untersuchungen ergeben, sagte gestern der Sprecher des Justizministeriums , Tilo Stolpe. Die als „Spice“ bekannte Droge falle nicht unter das Betäubungsmittelgesetz, sei aber in jedem Gefängnis verboten. Der Verstorbene war wegen Raubes zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden. Für August war seine Entlassung vorgesehen.

„Die gerichtsmedizinischen Untersuchungen waren kompliziert und aufwändig gewesen, weil die synthetischen Mixe im Körper schwer nachweisbar sind“, begründete der Ministeriumssprecher die Dauer. Die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen zur Todesursache eingestellt. Wie der Gefangene an die Drogen kam, ist unbekannt.

Im vergangenen Jahr gab es in den Gefängnissen Mecklenburg-Vorpommerns 117 Drogenfunde. „Es handelte sich meist um Kleinstmengen weniger als zwei Gramm“, sagte Tilo Stolpe.

Mit scharfen Kontrollen lässt sich der Schmuggel in den Gefängnis zwar einschränken, aber nicht gänzlich unterbinden, sind sich Experten einig. Im Wesentlichen gibt es vier Wege, über die Drogen oder verbotene Gegenstände wie Handys in die Justizvollzugsanstalten gelangen: Durch Besuche, in Paketen und Briefen, durch Mauerwürfe sowie durch Versorgungs- oder Baufahrzeuge. Dabei kennt der Einfallsreichtum der Schmuggler keine Grenzen. Drogen in Tennisbällen über die Mauer zu werfen, gilt als Klassiker. Aber auch Besucher schleusen die Drogen etwa per Begrüßungsküsschen oder Handschlag ein. Sie werden zwar vor dem Besuch kontrolliert, der Körpervisite sind allerdings Grenzen gesetzt.

Erst im vergangenen Jahr sind die Sicherheitsauflagen in den Gefängnissen des Landes verschärft worden. So würden bei Besuchen, bei denen der Verdacht eines Schmuggels besteht, öfter Trennscheiben zum Einsatz kommen, hieß es aus dem Justizministerium.

Zur Untersuchung der Post gebe es Röntgengeräte. Zudem sollen Kameras verhindern, dass Drogen über die Mauer geworfen werden. Trotzdem wurden beispielsweise im Jahr 2014 mehr als 400 eingeschmuggelte Smartphones und Handys 2014 in den Gefängnissen Mecklenburg-Vorpommern sichergestellt.

Dem Ministerium gibt ein weiterer Todesfall Rätsel auf. Im Mai 2015 war in Neubrandenburg ein ebenfalls 29-Jähriger tot in seiner Haftzelle gefunden worden. Untersuchungen hätten inzwischen ergeben, dass der Mann, wenige Wochen vor seiner Entlassung, an einer Überdosis Tabletten gestorben sei. Hinweise auf einen Suizid habe es nicht gegeben, wie das Todesermittlungsverfahren erbracht habe. Dieser Tote stammte aus Neustrelitz und war vor seiner Verurteilung ohne festen Wohnsitz.

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erstellt am 12.Mai.2016 | 21:00 Uhr

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