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Bützow Wolken: 70 km/h bleiben erlaubt

Von JCHR | 12.12.2017, 05:00 Uhr

Landkreis sieht keine Notwendigkeit – Antrag auf Verschiebung der Ortstafel wurde abgelehnt. Enttäuschung bei Reinhard Sugge

Reinhard Sugge ist enttäuscht. Er wohnt in Wolken an der Schwaaner Straße, knapp 300 Meter außerhalb der Ortslage. Er bemängelte das hohe Risiko an der Straße, dass die Anwohner sowie Katzen in Gefahr seien und plädierte dafür, die Ortstafel zu verschieben, um die erlaubte Geschwindigkeit zu drosseln (SVZ berichtete). Er wandte sich an die Stadt, die wiederum an den Kreis herantrat, da die Straße eine Kreisstraße ist. Nach Wochen und Monaten der Prüfung steht nun fest: Die Ortstafel bleibt wo sie ist und es bleiben 70 km/h erlaubt.

Reinhard Sugge kann es nicht fassen. „Gibt es denn keine Möglichkeit, die Geschwindigkeit zu senken?“ Nach Ansicht des Landkreises nicht. Der empfiehlt der Stadt Bützow die Errichtung eines 250 Meter langen Gehweges, um für mehr Sicherheit zu sorgen. Dies birgt zwei Probleme. Zum einen ist damit den Katzen nicht geholfen. „Jedes Jahr sterben hier mindestens vier Katzen“, sagt Reinhard Sugge. Zum anderen würden die Anwohner die Kosten des Gehweges mit tragen müssen. Das würden die Anwohner, für die Sugge spricht, nicht wollen. Ihnen geht es allein um die Senkung der Geschwindigkeit. Da derzeit dort keine Kinder wohnen, halten die Anwohner nichts von einem teuren Gehweg, zumal dafür am Straßenrand gar kein Platz sei. Vielmehr gehe es um die Anwohner, die Wanderer, Pilzwanderer (laut Sugge gebe es dort eine bekannte Pilzstelle) und Familien, die im Winter zum Rodeln kommen. Reinhard Sugges bittere Erkenntnis: „Dann kann man wohl nichts machen. Für uns besteht offensichtlich keine effektive Möglichkeit, etwas zu ändern.“ Der Beirat überlege nun, die Senkung der Geschwindigkeit ohne Versetzung der Ortstafel zu beantragen.

Auf eine Nachfrage bei der Stadt, welche Kosten für einen Gehwegbau anfallen würden und wie sie zu dem Bau steht, wurde nicht eingegangen: „Der Ausbau eines Gehwegs wurden von dem Bürger nicht angedacht/angefragt.“

Der Wolkener ist nur erleichtert, dass mittlerweile keine Kinder mehr in den wenigen Häusern wohnen. Bis vor zwei Jahren habe sein Enkel noch dort gewohnt, der jeden Morgen an der Straße entlang bis nach Wolken hinein zu Fuß zum Schulbus gehen musste. Aber nun werde das Haus gegenüber frei und es sei möglich, dass wieder eine Familie mit Kindern einziehe, so Sugge.

Der Landkreis hält eine Verschiebung der Ortstafel für „nicht sinnvoll“. Eine als Ortseingang erkennbare, geschlossene Bebauung liege nicht vor. Zudem solle ein Ortseingangsschild nicht nur für 50 km/h sorgen. Es soll laut Kreissprecher Michael Fengler auch auf einen schützenswerten Bereich hinweisen, „in dem mit allen Eventualitäten einer Ortslage zu rechnen ist“. Und da zwischen den betroffenen Häusern und dem Ortseingangsschild Wald und Wiese ist, entspreche der Bereich nicht einer charakteristischen Ortslage.

Außerdem sehe der Landkreis keine Steigerung des allgemeinen Risikos an dieser Stelle. Dies sei nötig, um den fließenden Verkehr zu beschränken. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, wurden vom 30.  August bis zum 5. September Verkehrszählungen durchgeführt. Demnach fahren täglich im Schnitt 1700 Fahrzeuge dort entlang, deren Geschwindigkeiten der jetzigen Beschilderung entsprechen.

Kommentar von Christian Jäger: Sicherheit für Geld - oder gar nicht
Wer etwas will, der muss auch dafür zahlen. Am Ende läuft es leider in Wolken darauf hinaus. Allerdings will Reinhard Sugge nicht etwa einen goldenen Wasserhahn. Er will Sicherheit. Und dafür muss er zahlen – beziehungsweise er müsste es, wenn eine Verbesserung der Gefahrensituation herbeigeführt werden würde. Er hätte gern die Ortstafel verschieben lassen, damit Autofahrer 50 fahren müssen. Der Kreis sagt nein, dafür gebe es keine Notwendigkeit. Die Stadt soll einen Gehweg bauen, heißt es weiter. Damit ist der Kreis fein raus und die Stadt ist unter Zugzwang. Nun ja. Sie wäre es. Denn im Rathaus heißt es plump, von einem Gehweg war im ursprünglichen Anliegen von Reinhard Sugge ja gar nicht die Rede. Mit anderen Worten: Das Thema ist zu den Akten gewandert. Und der Wunsch nach mehr Sicherheit bei den Sugges bleibt ein Wunsch. Sollte die Stadt irgendwann über einen Gehweg nachdenken, kommen die Anwohner wieder ins Spiel, die nämlich an den Kosten beteiligt werden würden. Wer etwas will, der muss bezahlen. Scheinbar auch für Sicherheit. Da ist die Enttäuschung von Reinhard Sugge nur zu verstehen.