Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

rostock Wertvolles Speicher-Ensemble verfällt

Von Maria Pistor | 18.02.2010, 01:57 Uhr

Von seiner Wohnung aus kann Architekt Michael Bräuer genau auf das Dach des Hornschen Hofs sehen.

Dieser Anblick ist für den Rostocker Ortskurator der Stiftung Deutsche Denkmalpflege bedauerlich. Das Dach des 1611 erbauten Gebäudes bekommt ständig mehr Löcher, Ziegel brechen heraus. Die Fensterläden verrotten, andere fehlen. Der Zustand des zweiteiligen Ensembles ist äußerst kritisch. Witterung und Reparaturstau begünstigen den Verfall.

Michael Bräuer kommt aus aktuellem Anlass auf dieses markante Ensemble in der gleichnamigen Straße zu sprechen, das nach seinem damaligen Erbauer

benannt worden ist. In diesem Jahr wird die Deutsche Stiftung Denkmalschutz

25 Jahre alt. Und im Gegensatz zu dem genannten traurigen Denkmal-Kapitel gibt es an anderer Stelle deutlich mehr Erfolge. In dieser Zeit ist es gelungen, bundesweit 3400 Baudenkmäler zu retten. Mehr als 180 000 Förderer geben der Stiftung Geld.

Auch in Rostock ist einiges auf den Weg gebracht worden. In der Marienkirche finden sich Beispiele, bei denen die Stiftung mit Spenden half. 2,3 Millionen Euro sind an Bauvorhaben in dieses Gotteshaus geflossen, so in den Turmausbau, die Obergaden-Fenster über dem Ostchor oder die neu beschriftete hölzerne Scheibe für die Astronomische Uhr. Letztere wurde von Restaurator Marcus Mannewitz nach den Vorlagen des Uhrkenners Prof. Manfred Schukowski für den Zeitraum 2018 bis 2150 neu beschrieben. 2018 wird die neue Scheibe vor die vorhandene aufgebracht. St. Marien sei ein Beispiel für den verantwortungsvollen Umgang mit Stiftungsgeldern.

Um das sicherzustellen, gibt es die

ehrenamtlich tätigen Ortskuratorien. Sie bestehen aus Fachleuten, die gemeinsam mit der Leitung der Stiftung beraten, wo die Gelder eingesetzt werden sollen. Am Hornschen Hof kann die Stiftung noch nicht aktiv werden. Ungeklärte Eigentumsverhältnisse und die Nachwirkungen eines Insolvenzverfahrens zögern die Rettung hinaus und bringen alle

Ideen und Vorhaben zum Stocken. Dabei gab es bereits 2003 Pläne eines Investors mit einem Herz für die Denkmalpflege. Er wollte das Gebäude unter diesen Gesichtspunkten retten und dort Wohnungen errichten. Das Vorhaben ist geplatzt. Außerdem gibt es in der Stadt den Wunsch, dass am Hornschen Hof die Tourismuszentrale einziehen könnte - ein Vorhaben, das das Wirtschaftsministerium finanziell fördern würde.

Michael Bräuer ist auch aus einem anderen Grund betroffen, wenn er an den Hornschen Hof denkt. "Wir haben das Ensemble retten können, als das Gebiet 1978 zwischen Fischer- und Wokrenter Straße abgerissen worden ist", sagt der Rostocker Architekt. Auf diesem Areal sollte in Plattenbauweise die Nördliche Altstadt erbaut werden, deren Giebel

eine historisierende Form hatten. "Es ist nicht zu akzeptieren, dass wir es damals gerettet haben und es in der heutigen Zeit, in der wir ganz andere Möglichkeiten haben, verlieren", sagt er. Bereits nach 1611 stand der Rohbau des Hornschen Hofes lange leer, bis er 1670 eine Innenausstattung erhielt. Denkmalpfleger schließen nicht aus, dass das mit dem Dreißigjährigen Krieg, der Pest von 1624 sowie der Besetzung durch Wallensteins Truppen zusammenhängt.