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Laage Wertvolle Impulse für die Architektur

Von Redaktion svz.de | 02.05.2020, 05:00 Uhr

Der Laager Paul Korff (1875–1945), einstiger Stararchitekt Mecklenburgs, nahm sich heute vor 75 Jahren das Leben.

Die Liste der Bauten, die vom einstigen mecklenburgischen Stararchitekten Paul Johannes Adolf Korff errichtet wurden, ist lang. Außer in Ostpreußen und Sachsen stehen in ganz Mecklenburg-Vorpommern seine Wohnhäuser, Hotels, Gutshäuser, Villen, Krankenhäuser, Kirchen, Schlösser und Rathäuser, die deutsche Bekanntheit erlangten. Er sorgte mit Bauten wie dem Jagdschloss Wendorf, der Himmelfahrt-Kirche in Güstrow, dem Kaufhaus Zeeck in Rostock und dem Kurhotel Zippendorf für wertvolle architektonische Impulse und erreichte damit auch über seinen Tod hinaus bis heute eine große Nachwirkung. Aber nicht alle seine überlieferten Bauen erfuhren in den vergangenen Jahrzehnten die notwendige Fürsorge.


Eine der bekanntesten Laager PersönlichkeitenPaul Korff wurde am 25. Oktober 1875 in Laage geboren, das Ende des 19. Jahrhunderts einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte. Der Vater des Jungen hatte in Laage als Maurermeister eine kleine Baufirma, die vom örtlichen Baugeschehen profitierte. Sohn Paul besuchte zunächst die Schule in Güstrow und absolvierte dann das Technikum in Neustadt-Glewe. Nach dem Abschluss kam er 1897 in die Obhut des Oberhofbaurates Gotthilf Ludwig Möckel in Doberan, der ihn weiter prägte und erste selbstständige Aufgaben wie die Bauleitung über die Trinitatiskirche in Hainichen in Sachsen übertrug.

Von dort brachte Korff praktische Erfahrungen und eine Ehefrau mit, als er 1899 heimkehrte. Er gründete in Rostock mit Alfred Krause ein Architekturbüro, das mit dem Hotel „Stadt Waren“ in Waren an der Müritz und dem Krankenhaus in Laage erste Bekanntheit erlangte.


Korff hinterließ Spuren im ganzen NordenKorff ging um 1903 zurück in seine Vaterstadt, unterhielt hier ein Landhausbüro mit Baugeschäft und sorgte für Modernisierungen von Gebäuden und für Neubauten. Seine Baupalette reichte vom Schloss in Wendorf, jetzt ein Fünf-Sterne-Schloss-Hotel, der Korffschen Villa in Laage und der Villa Boddenwacht in Ahrenshoop über das Herrenhaus des Gutes Zarnekow bei Wismar bis zu den Herrenhäusern in Wichmannsdorf bei Kröpelin und Büttelkow in Biendorf. Parallel entstanden von seiner Hand auch die Villa Zeeck sowie das Kaufhaus Zeeck in Rostock, das Schloss Bellin und das Kurhotel Zippendorf.

Anfang des 20. Jahrhunderts wollte eine finanzkräftige Kurhaus-GmbH Zippendorf am Schweriner See zum Luftkurort entwickeln, ließ dafür 1909/10 Strandhotel sowie Kurhaus von Korff errichten, kam jedoch nach hoffnungsvollem Beginn durch ausufernde Konflikte mit der Stadt Schwerin in Schwierigkeiten. Ab dem Ersten Weltkrieg wechselten die Besitzer und das Niveau verflachte. Da hatte Korff bereits weitere Bauten geschaffen. Das reichte von den Herrenhäusern in Hasenwinkel bei Neukloster, in Lübzin, Groß Timkenberg, Mentin bei Parchim, Lehnenhof bei Neubukow und in Beckerwitz bis zum Textilkaufhaus Zeeck in Kolberg und dem Blücherdenkmal in seiner Vaterstadt Laage.

Sein Baubetrieb boomte. Während des Ersten Weltkrieges wurde Korff nach den Zerstörungen durch Russland in Ostpreußen für den dortigen Wiederaufbau verpflichtet. Parallel realisierte er mit seinem Baubetrieb noch weitere Wohn- und Geschäftsbauten in Rostock sowie in Güstrow.

Nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs gingen die Geschäfte in der jungen Weimarer Republik mit dem Währungsverfall allerdings wesentlich schlechter. Nach den Schlossbauten Vollrathsruhe, Plathe sowie Speck in Pommern ging es erst wieder 1923 mit dem neuen Verwaltungsgebäude der Neptunwerft in Rostock aufwärts. Es folgten der Wiederaufbau des Rathauses in Malchin, der Wasserturm in Laage und vor allem der Neubau der katholischen Kirche in Güstrow. Hier war die Zahl der Gläubigen mit katholischem Glauben gestiegen, die zunächst in einer Notkirche betreut wurden und dann auf einem Grundstück in der Grünen Straße durch Korff eine expressionistische Saalkirche mit einem unverkleideten Zollingerdach bekamen. Die Kirche wurde am 25. August 1929 durch Bischof Wilhelm Berning auf den Namen Maria Himmelfahrt geweiht.


Suizid aus Furcht vor der SowjetarmeeDas war Korffs letztes großes Projekt. Er ließ es anschließend ruhiger angehen, übergab die Geschäftsführung seinem Schwiegersohn Hermann Gätjen und lebte zuletzt überaus zurückge- zogen. Am 2. Mai 1945 schied er mit seiner Frau per Suizid aus Furcht vor der Roten Armee aus dem Leben. Er wurde 69 Jahre alt.

Das Ehepaar Korff fand seine letzte Ruhe auf dem Friedhof in Laage. An der Korffschen Villa erinnert eine Gedenktafel an den verdienstvollen Baumeister.