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Lübz/ Goldberg/ Plau Weihnachten im Wandel der Zeit

Von Wolfram Hennies | 23.12.2010, 10:08 Uhr

Weihnachten ist das Fest der Geburt Jesu.

Doch woher stammen eigentlich unsere mit diesem Fest verbundenen Brauchformen? Sie erscheinen uns heute als "fest", im Sinne von "schon immer so gewesen" bzw. von "unveränderlich". Doch das ist beileibe nicht so, das Weihnachtsfest erfuhr mannigfaltige Wandlungen, welche die Festtermine, die Art der Feierausgestaltung und der damit verbundenen brauchtümlichen Handlungen der agierenden sozialen Gruppen umfassen. Die ursprünglich mit dem Gottesdienst in der Kirche verbundenen Weihnachtslieder wurden für die häusliche Familienfeier übernommen. Ehemals evangelisches Brauchtum (Adventskranz, Turmblasen) vermischte sich mit dem katholischen Brauch der Weihnachtskrippe. Wie bei den Nazis wurde im Sozialismus das Fest seines christlichen Sinnes entkleidet und zum reinen Familienfest gemacht. Neben der Familisierung des Weihnachtsfestes steht seine Kommerzialisierung. Dem Verlust seiner religiösen Bedeutung steht die Konsumsteigerung gegenüber. Weihnachten ist zu einem Wirtschaftsfaktor geworden, denn das Schenken wird als das wichtigste weihnachtliche Ritual verstanden.

Aus den Erzählungen älterer Menschen ist zu entnehmen, dass vor 100 Jahren viele Feste anders als heute begangen wurden, viel Brauchtum ist unüblich geworden, andere, heute fest verwurzelte Gewohnheiten entstanden erst in diesem Jahrhundert. Ein gutes Beispiel für diesen Wandel - die Ausgestaltung der Feier und die damit verbundenen brauchtümlichen Handlungen - ist das Weihnachtsfest. Immer wieder tauchen in den Berichten der Gewährsleute der 1. und 2. Weltkrieg als Epochenereignisse und Bezugspunkte der Erinnerung auf, und man geht wohl nicht fehl in der Annahme, dass auch die "Wende" (1989/90) einmal einen ähnlichen Rang einnehmen wird. Weihnachten - dieses Wort von der "geweihten Nacht" hat 1170 der Minnesänger Spervogel erstmals in einem Gedicht verwendet - ist ein christliches Fest. Die Geburt Jesu, der "das Licht in die Welt bringt", wird vom gesamten christlichen Abendland in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember gefeiert (dieses Datum wurde aber erst 354 festgelegt). Die zweite Wurzel des Festes liegt in germanisch-heidnischen Glaubensvorstellungen - die Wintersonnenwende war in einer Jahreszeit der Dunkelheit, der Kälte und damit verbunden der Zeit vieler böser Geister ein Grund zum Feiern.

Auch beim Weihnachtsfest ist ein Trend weg von der Regionalisierung hin zur Internationalisierung unverkennbar, d.h. es gibt immer weniger lokale/regionale Sitten. Durch den Einfluss der Massenmedien, vor allem des Fernsehens, werden immer mehr Anregungen zur Festgestaltung aus anderen Gebieten aufgenommen. Das betrifft beispielsweise das Anbringen von Lichterketten an der Hausfassade und an Bäumen und Sträuchern des Vorgartens, das aus Amerika den Weg zu uns fand. Einen großen Brauchtumsschub brachten auch die Bevölkerungsverschiebungen durch die Umsiedler in der Folge des 2. Weltkrieges mit sich.

Das Thema des Weihnachtsfestes - die Geburt Christi - wurde in der Kunst auf Altargemälden und Fresken in Kirchen immer wieder festgehalten. Ein Beispiel ist der gotische Altare in Greven. Da es nicht jedem möglich und vergönnt war, selbst zum Ort des heiligen Geschehens - nach Bethlehem - zu pilgern, entstanden "Ersatzbräuche". Man baute ein Kästchen mit plastischen Figuren, welche die Geschehnisse der Heiligen Nacht bis zur Passion darstellten. Dafür bildete sich der Begriff "Krippe". Franz von Assisi feierte 1223 in einer Höhle bei Greccio das Weihnachtsfest. Er richtete eine Futterkrippe auf und stellte daneben einen lebendigen Ochsen und Esel. Vor dieser Höhle hielt Franziskus seine Weihnachtspredigt, "um den des Lesens nicht Mächtigen die Weihnachtsgeschichte verständlich zu machen" - die "Geburtsstunde" unserer heutigen Weihnachtskrippen.

Weihnachten und Krippe sind eng miteinander verknüpft, denn seit der Reformation verbindet man mit dem Christuskind einen Gabenbringer. Waren die Krippen zunächst entweder künstlerische Arbeiten oder kunstfertige Handarbeit des Familienvaters, wurden Weihnachtskrippen zum Ende des 19.Jahrhunderts in das Sortiment der Spielzeugindustrie übernommen. Nun entstanden eine Fülle von Krippenfiguren aus Gips, Ton und Pappmache. Diese industriell gefertigten und billigen Krippen konnte sich jede soziale Schicht leisten - zudem eine einmalige Ausgabe für viele Jahre. Die Krippe, die zumeist aus Seiffen im Erzgebirge stammt, hat ihren Platz im Weihnachtsbrauchtum bis heute behalten.