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Schwaan Warnow- statt Donauwelle

Von JCHR | 01.02.2018, 12:00 Uhr

Schwaan möchte mehr Touristen anlocken. In einem Workshop wurde ein erstes Konzept entwickelt

Mit Tretbooten in Form von Schwänen über die Warnow fahren und im Anschluss am Flussufer ein Stück Warnowwelle oder ein Franz-Bunke-Toast genießen. Bei einem Workshop versammelten sich Schwaaner Größen aus Gastronomie und Politik, um Anregungen für ein neues Tourismuskonzept zu entwickeln.

Mit ganz einfachen Mitteln wie besserer Beschilderung und themenorientierten Angeboten sollen sowohl mehr Touristen angelockt werden, als auch ihre Aufenthaltsdauer erhöht werden. Denn wer länger bleibt, wird wahrscheinlich auch mehr Geld ausgeben, weil er Hunger bekommt oder sich ausgiebiger umschaut, so die Meinung von Jan Kobernuß. Er ist von der Freizeit- und Tourismusberatung aus Köln, die mit der Entwicklung des Tourismuskonzeptes beauftragt wurde. „Wichtig ist es, dass es ein generelles Tourismusbewusstsein gibt“, sagt der Experte. Daher müsse man seine Stärken und Schwächen kennen.

Auf Kunst, Wasser und Natur bauen

Reizpunkte bietet die Stadt zwischen Warnow und Beke für Touristen reichlich. Schwaan als ehemalige Künstlerkolonie, die Kunstmühle, der Wassertourismus und die Warnow-Schifffahrt, die günstige Lage zu Rostock und die einzigartige Natur locken ganzjährlich viele Besucher an. „Das gute ist, dass neben dem Thema Wasser und Natur, die Kunst auch im Winter als Attraktion funktioniert“, sagt Jan Kobernuß.

Allerdings gebe es noch viel Ausbaupotenzial. Zum Beispiel beim Radtourismus. Radwege müsse in einen besseren Zustand gebracht und besser ausgeschildert werden. Die Warnow sollte mit Stegen, Aussichtsplattformen und einem Tretbootverleih „erlebbarer“ gemacht werden. Wünschenswert wäre ein größeres Elektroboot für bis zu 50 Besucher pro Fahrt von Rostock nach Schwaan. Aufgrund der Trinkwasserschutzverordnung sei dies allerdings nicht so einfach, dämmt Bürgermeister Mathias Schauer (UWS) zu große Euphorie. Die Stadt ist dran, aber es bedarf noch vieler Behördengänge für die Umsetzung.

Im Außenbereich der Kunstmühle ließen sich zahlreiche Verbesserungen vornehmen. Im Gespräch sind ein Spielplatz, mehr Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten sowie eine Anlegestelle für Kajakfahrer.

Zu wenig Betten, keine Künstlerherberge

Besonders Kunstinteressierte würden von weiteren Unterkünften profitieren, erklärt Jan Kobernuß. „83 Prozent der Museumsbesucher sind Tagesgäste.“ Diese würden bei entsprechenden Angeboten auch länger bleiben und wären auch bereit, mehr Geld auszugeben. Ein weiterer Vorteil bei mehr Unterkünften: Der Campingplatz als Hauptanlaufstelle für Reisende würde entlastet werden. „Viele kommen einfach zu uns, weil es in der Stadt nicht genug Übernachtungsmöglichkeiten gibt“, sagt Betreiberin Beate Voigt. Kämen noch mehr Menschen zum Campingplatz , würde auch etwas von der natürlichen Atmosphäre verloren gehen.

Großer Kritikpunkt war neben zu geringem Angebot an Gastronomie und Unterkünften auch der Internetauftritt der Stadt Schwaan und des Kunstmuseums. „Da ist noch kein einheitlicher Auftritt in der Gestaltung zu erkennen“, sagt Jan Kobernuß. Zudem müsse es Touristen leichter gemacht werden, online zu buchen.

Was von den Konzeptideen umgesetzt wird und ob es die Warnowwelle wirklich ins Sortiment der Restaurants schafft, wird sich jedoch erst in den kommenden Wochen zeigen.