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Bützow Walter Plathe liest und erzählt

Von flie | 25.03.2018, 21:00 Uhr

140 Zuhörer im Gymnasium. Ein Abend mit dem Schauspieler bei Lampenlicht am Tisch auf der Bühne

Rund 140 Zuhörer kamen am Freitag zur Lesung Walter Plathes ins Geschwister-Scholl-Gymnasium in Bützow. Der 67-jährige Schauspieler kam mit Hut auf die Bühne und nahm ihn nicht ab – allenfalls hob er ihn als Dankeszeichen.

Der Mann, der unter anderem 16 Jahre lang den „Landarzt“ im Fernsehen spielte, zeigte sich von seiner humorvollen, aber auch von seiner melancholischen Seite. Auch wenn sein Buch „Ich habe nichts ausgelassen“ heißt, machte er klar, dass er das im Buch „natürlich schon“ praktiziert habe. Damit war klar, dass er nicht allzu Privates und auch Intimes an diesem Abend preisgeben würde. Das schien aber auch niemand im Publikum erwartet zu haben. Jürgen Hummel, früher Radiomoderator, zeigte sich gar nach der Pause erstaunt über das große Interesse, das Buch zu kaufen.

Zurück zur Lesung, die Walter Plathe nicht nach Schema F anzugehen scheint. Er beginnt zwar mit dem ersten Kapitel, das in humoriger Form seine Herkunft aufarbeitet. So trage er zwar den Nachnamen eines nur 1,50 Meter großen Kunstpfeifers, aber dieser „elende Mistkerl“ habe auch nichts anderes gekonnt und sei nicht sein leiblicher Vater. Dieser wiederum habe 1949 postwendend auf die Nachricht, Vater zu werden, so reagiert: Er habe Walters Mutter, die in Ostberlin lebte, sofort verlassen und sei zu seiner Frau in Westberlin zurückgekehrt. Also wuchs der Junge ohne Vater in Zilles Milieu auf. Als Walter Plathe diesen am Freitag zitiert, erhält er den ersten Applaus. Bis zur Pause geht es nun um das größte Ereignis für die meisten Jugendlichen in der DDR, um die Jugendweihe.

Klar, dass da Erinnerungen an die eigenen Erlebnisse hoch kommen, und offensichtlich hat damals jeder das Buch „Weltraum, Erde, Mensch“ geschenkt bekommen. Für das Jahr 2000 seien darin damals „blühende Landschaften und fliegende Autos“ avisiert worden. Plathes Kommentar: „Na, kann ja nicht alles wahr werden.“

Nach der Pause liest der Schauspieler immer weniger, erzählt dafür mehr. Mal verhaspelt er sich etwas, ein- zweimal verliert er etwas den Faden – dem Publikum scheint aber die kurzweilige Reise in die Vergangenheit zu gefallen.