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Langensee Rolli-Fahrer wird seit sechs Jahren vertröstet

Von Katja Müller | 19.02.2014, 15:38 Uhr

40 000 Euro-Technik ist fast nie einsatzbereit. Der Hersteller windet sich. Daniel Busacker soll nun selbst zahlen.

Bützow Es ist schon alles an sich traurig genug. Denn  als Kind war Daniel Busacker ein fröhlicher Mensch. Kein Baum war zu hoch, kein Berg zu steil. Und schon damals interessierte sich der Junge aus Langensee für Technik. Dann passierte das Unglück: ein Autounfall. Der damals 17-Jährige  saß als Beifahrer im Wagen, er brach sich den Halswirbel. Seitdem ist er querschnittsgelähmt. Doch den Lebensmut hat er nie verloren. Er hatte eine Lehre als Landwirt begonnen und ist der Natur seiner Heimat sehr verbunden. Auch heute interessiert sich der 26-Jährige noch für die Landwirtschaft und würde gern auch den Kontakt zu seinen ehemaligen Kollegen pflegen. „Aber ich bin einfach nicht mobil genug und mag auch nicht ständig meine Familie bitten. Die können sich ja nicht 24 Stunden nur um mich kümmern“, erklärt er.

2007 hatte er dann die Lösung entdeckt. Einen geländetauglichen Rollstuhl. Den hatte die Firma Otto Bock frisch auf den Markt gebracht. Trotz eines Gewichts von 300 Kilo sollte das Hybrid-Modell auch Steigungen bis zu 40 Prozent ohne Mühe bewältigen, bis zu 20 Kilometer pro Stunde schnell sein und das bei 100 ccm Hubraum. Mit dem 16 Liter Tank soll er bis zu 200 Kilometer weit kommen. Doch das hat der Langenseeer bisher nicht ein einziges Mal geschafft. Denn schon bei den ersten Runden streikte das Modell. Daniel Busacker war einer der ersten Besitzer. Selbst das TV-Magazin Auto-Motor-Sport war auf den jungen Mann aus Mecklenburg aufmerksam geworden. „Die haben damals einen Werbefilm mit mir gedreht. Schon da gab es Komplikationen mit den Akkus. Und alles was ich damals gesagt habe, ist leider nie eingetreten. Ich habe mir so viel vom Hybrid-Modell versprochen. Doch ich wurde nur enttäuscht“, sagt er traurig. Denn immerhin war der moderne Rollstuhl mit 40 000 Euro kein Schnäppchen für den jungen Mann. Doch das war ihm die versprochene Eigenständigkeit wert. „Ich konnte endlich wieder auf die Wiesen, auch mal längere Strecken fahren. Doch ganz schnell war der Traum wieder zerplatzt“, erinnert er sich. Denn immer wieder fuhr der Rollstuhl in eine andere Richtung, blieb einfach stehen oder sprang gar nicht erst an.

Seit über sechs Jahren kämpft Daniel Busacker für jede Reparatur. „Ich scheine ein Montags-Modell zu haben. Es gab nicht einen Sommer, in dem ich das Gerät nutzen konnte. Denn die Reparaturen dauerten stets ewig. Immer dieses Warten“, sagt der 26-Jährige und erzählt von unzähligen Telefonaten mit der Herstellerfirma, nicht zuständigen Vertretern und immer wieder wechselnden Ansprechpartnern. Auch die Eltern von Daniel Busacker sind mittlerweile verzweifelt. Denn seit dem vergangenen Sommer steht das teure Hybrid-Mobil in der Garage der Busackers. Kaputt, wie immer. „Jetzt war das Rostocker Sanitätshaus OTB unser Ansprechpartner. Dort habe ich mehrmals angerufen, nichts passierte. Deshalb haben wir jetzt die Zeitung eingeschaltet, wir fühlen uns verschaukelt und abgehakt“, ärgert sich Torsten Jenderny, der Lebensgefährte von Daniels Mutter.

Vor einigen Wochen kam dann die Transportbox bei den Busackers an. „Das war ein Hoffnungsschimmer. Wir dachten, es geht endlich los, doch nichts passierte. Das Mobil ist seit knapp zwei Wochen verpackt, wird aber nicht abgeholt. Die von OTB wollten es weitergeben“, sagt Busacker und zuckt mit den Schultern. Auf Nachfrage der Redaktion, lag bislang kein Hinweis für einen Abtransport vor. „In dieser Sache gibt es gar keinen Vermerk“, erklärte eine Mitarbeiterin.  Sie  versprach, sich umgehend zu kümmern. Aber bis gestern Abend hatte sich niemand bei Daniel Busacker gemeldet. Und so wartet er weiter. Zudem habe eine der letzten Sanitätshaus-Vertreter ihm erklärt, dass die nächsten Reparaturen an seinem Hybrid-Rollstuhl auf seine Kosten gemacht werden...  „Das Gerät hat doch nie funktioniert.  Das ist Abzocke!“, so der junge Mann wütend.