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Zweckverband Kühlung überarbeitet Regenwasserkonzept Mit Konzept gegen Hochwasser

Von Gert Steinhagen | 15.09.2011, 08:05 Uhr

Völlig überflutete Straßen und Gärteneigentümer, die "Land unter" meldeten - in diesem Jahr haben die außergewöhnlichen Regenfälle so manche Schwachstelle in Kanalisationen und Vorflutern deutlich gemacht.

Eine völlig überforderte Regenentwässerung, überflutete Straße und Gärteneigentümer, die "Land unter" meldeten - in diesem Jahr haben die außergewöhnlichen Regenfälle so manche Schwachstelle in Kanalisationen und Vorflutern deutlich gemacht. Dagegen will der Zweckverband Kühlung jetzt etwas unternehmen. "Wir wollen in den nächsten zwei bis drei Jahren ein umfassendes Konzept erarbeiten, wie das Problem angegangen werden kann", sagt Klaus Rhode, der Geschäftsführer des Zweckverbandes Kühlung. Dafür hat er sich gerade die Zustimmung der Verbandsversammlung geholt. Und er hat auch bereits mit Partnern gesprochen, die unbedingt mit ins Boot müssen. "Das sind die Wasser- und Bodenverbände, die untere Wasserbehörde und das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt sowie Landwirte und Grundstückseigentümer - aber vor allem auch die Gemeinden", zählt Rhode auf. Denn bei denen liegt die Ausbaupflicht der Gewässer.

Und darum geht es: Mit dem Konzept sollen Schwachstellen im System der Regenwasserentsorgung aufgezeigt werden, und es soll Möglichkeiten ihrer Beseitigung darlegen. "Das Ganze ist sehr komplex", sagt Klaus Rhode. "Einige Schwachstellen kennen wir - andere sind in diesem Sommer erstmals zutage getreten."

Wenn dann ein Handlungsrahmen abgesteckt ist, soll es an die Verbesserung der Regenwasserentsorgung gehen. Wo müssen Rohre mit größerem Querschnitt verlegt werden, wo sind Gräben instand zu halten, wo müssen neue gebaut werden? Und mit welcher Priorität und in welchem Zeitraum muss das alles geschehen?

Außerdem müssen weitere Fragen geklärt werden: Was kostet das alles und wer soll es bezahlen? "Wir haben schon mal eine grobe Kalkulation angestellt", sagt Klaus Rhode. "Danach brauchen wir pro Einwohner etwa 1,06 Euro im Jahr." Geld, dass die Gemeinden aufbringen müssten - ob sie von Hochwasser betroffen sind oder nicht. Dazu gehören unter anderen Benitz, Bröbberow, Kassow, Rukieten, Schwaan, Vorbeck und Wiendorf. "Der Zweckverband ist eine Solidargemeinschaft, an der sich alle Mitglieder beteiligen müssen." Doch offenbar sieht das nicht jede Kommune so. In der Verbandsversammlung gab es zwar mit 48 Ja-Stimmen eine große Zustimmung zu den Überlegungen des Geschäftsführers. Aber es gab eben auch vier Gegenstimmen. "Wir halten diese 1,06 Euro aber für machbar. Doch es gibt eben auch Gemeinden, die finanziell nicht so gut dastehen. Da müssen wir dann Lösungen finden."

Peter Faix hat für Schwaan zugestimmt, auch wenn es nicht die Probleme gab, erklärte er am Mittwochabend auf der Stadtvertretersitzung. Die Stadt hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit der Stadtsanierung ihr Leitungssystem auf Vordermann gebracht.

Wie hoch die genauen Kosten sind, die auf die kommunalen Kassen zukommen, steht aber erst fest, wenn das Konzept vorliegt und wenn bekannt ist, welche Fördermittel es für die Umsetzung gibt.

Sicher ist auf jeden Fall: es wird noch Jahre dauern, bis alle Schwachstellen bei der Regenwasserbeseitigung verschwunden sind. Und: "Wir werden diese Probleme nicht völlig vom Tisch bekommen", sagt Klaus Rhode. "Selbst die ältesten Bewohner im Zweckverbandsgebiet können sich nicht erinnern, dass in einem Sommer so viel Regen gefallen ist, wie in diesem Jahr." Jetzt aber sämtliche Regenwasseranlagen so auszulegen, dass sie auch mit den außergewöhnlichsten Ereignissen klar kommen, wäre ökonomisch unsinnig und nicht zu vertreten. "Wir können solche Probleme nur eindämmen", sagt der Geschäftsführer. "Bei Extremniederschlägen sind wir machtlos."