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Tarnow Keine Höhen gescheut

Von Lennart Stahlberg | 11.12.2017, 12:00 Uhr

Ausbildungsserie der Bützower Zeitung – Teil 3 / Heute: Dachdecker

Im September hat Marco Kwidzinskis erstes Lehrjahr als Dach-, Wand- und Abdichtungstechniker – im Volksmund Dachdecker genannt – beim Meisterbetrieb Dachdecker Pahl begonnen. Nachdem der 18-jährige Bützower zunächst zwei Wochen Probe gearbeitet hat, schreckten ihn weder die handwerkliche Arbeit noch die luftigen Höhen auf den Dächern ab. Wie er selbst sagt, sei er schon als Kind viel auf Bäumen herumgeklettert. „Trotzdem war es dann nochmal etwas ganz anderes, zum ersten Mal auf einem Dach zu stehen“, erklärt Marco Kwidzinski.

Bevor es im Morgengrauen auf die Dächer der Häuser geht, finden sich morgens erstmal alle Mitarbeiter zusammen, um die Aufgaben für den Tag zu besprechen und vorzubereiten. „Auch schon im Betrieb gibt es einiges zu tun“, so der junge Bützower. Er helfe etwa beim Zurechtlegen der Abdeckungen und beim Einladen der Werkzeuge.

Auf der Baustelle selbst müssen der Auszubildende und seine Kollegen dann abschätzen, welches Werkzeug sich überhaupt lohnt, nach oben gebracht zu werden. „Je mehr Erfahrung man hat, desto schneller kann man planen, was man braucht und was nicht“, sagt sein Ansprechpartner, Dachdeckermeister Alexander Delph. Jedoch ergänzt er, dass man selbst nach einer Ausbildung nie auslerne. Besonders am Anfang bringe er den Auszubildenden jedoch bei, regelrecht „mit den Augen zu klauen“. „Zu Beginn sollte man sich so viel wie möglich abschauen und genau beobachten, mit welchen Handgriffen was gemacht wird.“ Aber auch das Ausprobieren sollte nicht zu kurz kommen, meint der Dachdeckermeister. „Wer keine Fehler macht, macht nichts.“

Wichtig sei es zudem, sich bei einem Praktikum oder Probearbeiten ein Bild vom Beruf zu machen. „Nicht wenige sind schon aufs Dach gestiegen, nur um dann komplett zu verkrampfen. Wer dauerhaft Höhenangst hat, bringt sowohl sich als auch seine Kollegen in Gefahr“, warnt Alexander Delph. Marco Kwidzinski machen die Höhen nichts aus. Außerdem bringt er auch die nötige Lust zu der Arbeit mit, auf die seine Ausbilder ebenso viel Wert legen.

Den Umgang mit den Maschinen sowie weitere Grundlagen in der Materialverarbeitung lernt der Auszubildende bei überbetrieblichen Lehrgängen beim Berufsbildungsverein des Dachdeckerhandwerks in Lübeck. Typische Maschinen, mit denen er später zutun haben wird, sind Ketten- und Handkreissägen, Winkelmesser und Bohrmaschinen. Immer weniger werde zu Hammer und Nagel gegriffen, doch auch der Umgang mit einem Tacker will gelernt sein. „So ein Ding kann wie eine Pistole funktionieren. Das bringt eine gewisse Gefahr mit sich, der man sich bewusst sein muss“, sagt Alexander Delph.

Den anderen Teil seiner Ausbildung absolviert Marco Kwidzinski an der Beruflichen Schule der Hansestadt Rostock im Fachbereich Technik. Dort lernt er ergänzend, wie man Dachziegel und herstellt und Dachflächen abdichtet. Dabei ist er abwechselnd je vier Wochen im Betrieb und zwei Wochen in der Schule. Jetzt im Winter endet sein Arbeitstag bereits um 16 Uhr, da es sonst zu dunkel ist. Dafür muss er als Dachdecker aber bei eisigen Temperaturen im Winter und bei Hitzewellen im Sommer auf dem Dach stehen.

„Außerdem habe ich bei meiner Arbeit immer den besten Ausblick auf alles“, lacht Marco Kwidzinski.