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Schwaan Finnische Kunst zu Gast

Von Lennart Stahlberg | 31.03.2018, 09:00 Uhr

Die Kunstmühle in Warnow präsentiert für zwei Monate Gemälde der Künstlerkolonie Önningeby von den Ålandinseln

Über 6700 Inseln und weitestgehend unberührte Natur, das bot der Künstlerkolonie Önningeby, „Önningebü ausgesprochen“, unbegrenzte Inspiration für ihre Werke. „Der beste Platz auf der ganzen Welt zum Malen“, so beschrieb Victor Westerholm, der Gründer der Kolonie, die finnischen Ålandinseln. Sie liegen auf der nördlichen Ostsee in der Mitte zwischen Schweden und Finnland. Amtssprache ist Schwedisch. Schon vor über 100 Jahren waren die dortigen Künstler von der Reinheit der Landschaft überwältigt. In der Kunstmühle in Schwaan werden nun erstmals in Norddeutschland 70 Arbeiten in einer Ausstellung zu sehen sein.

„Wir wollen die ganze Vielseitigkeit der Künstler zeigen“, sagt Museumsleiter Heiko Brunner. Auch wenn der Platz begrenzt war, auf keines der Werke wollten sie verzichten. Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit der Gemäldegalerie Dachau, die ebenso wie die Kunstmühle Mitglied der „EuroArt“, der europäischen Vereinigung der Künstlerkolonien ist.

Die Laudatio zur Ausstellungseröffnung hielt der Leiter des Museums Önningeby Kjell Ekström auf Schwedisch. Er hatte die Werke, eine Mischung aus Porträts und Landschaftsmalerei, zur Verfügung gestellt. „Wir haben hart dafür gearbeitet, dass die Künstler der Kolonie Önningeby bekannt werden“, betont er. Ihre Arbeiten seien aufgrund der Verwüstungen im Ersten Weltkrieg zwischenzeitlich in Vergessenheit geraten. „Als wir 1992 begannen, nach den Bildern zu suchen, hatten sie nur geringen Wert. Önningeby war niemandem ein Begriff. Es gab auch keine mündlichen Überlieferungen. Wir haben damals mit nur einem Porträt von Victor Westerholm begonnen. Mittlerweile sind es über 200 Werke. Manche davon haben wir ersteigert. Viele davon sind aber auch persönliche Spenden“, erklärt Kjell Ekström.

Die Maler der Künstlerkolonien in Önningeby und Schwaan malten zur selben Epoche, darum würden sich die Werke auch ähneln. „Wahrscheinlich haben sie sich auch untereinander mal getroffen“, vermutet Kjell Ekström. Doch das Besondere: Mehr als die Hälfte der Künstler in Önningeby waren Frauen. Diese zeichneten bevorzugt figürliche Motive. Aus heutiger Sicht erscheinen ihre Arbeiten mutiger und moderner als die ihrer männlichen Kollegen.

Zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens wurde außerdem der schwedische Maler Johan Axel Gustaf Acke. Von 1886 bis 1892 kam er nach Önningeby und prägte die lebhafteste Phase der Künstlerkolonie. Wie viele andere auch, löste diese sich mit Beginn des Ersten Weltkrieges auf.

„Im Vergleich zu Schwaan ist Önningeby ein noch kleineres Dörfchen“, sagt Kjell Ekström. Darum sei es für ihn auch eine Besonderheit, die Werke in der Franz-Bunke-Stadt zeigen zu können. Interessierte können diese Sonderausstellung noch bis zum 27. Mai in der Kunstmühle bestaunen.