Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

2o Fragen an Er ist ein wahres Christkind

Von raba | 23.12.2017, 05:00 Uhr

Michael Constien wurde am 24. Dezember geboren / Er ist sein Leben lang Landwirt, Christ und engagiert sich in vielen Ehrenämtern

Er ist Landwirt, Hotelier, Gemeindevertreter, Vorstandsvorsitzender des Wasser- und Bodenverbandes Warnow-Beke sowie des Landesverbandes MV der Wasser- und Bodenverbände sowie Vizepräsident des Landesjagdverbandes. Das alles verkörpert Michael Constien. Man kann getrost den alten Spruch heranziehen: Er ist bekannt wie ein bunter Hund.

Michael Constien kann aber von sich auch behaupten, was nur wenige von sich sagen können. Er ist ein wahres Christkind. Denn er erblickte am 24. Dezember 1953 als Sohn eines Pastors in Jördenstorf das Licht der Welt. Die Liebe zur Landwirtschaft, zum dörflichen Leben und seine christliche Erziehung haben ihn sein ganzes Leben geprägt. Das Studium zum Arzt wurde ihm als Pastorensohn verweigert. Also suchte er sich selbst einen anderen Ausbildungsweg, wie Michael Constien erzählt. In Rostock wurde er Veterinäringenieur. Mit diesem Abschluss kam er 1974 nach Jürgenshagen. „Eigentlich sollte ich in die Milchviehanlage nach Steinhagen. Doch die war noch nicht fertig. So kam ich in die Jungrinderaufzuchtanlage nach Jürgenshagen“, erzählt der noch 63-Jährige. Vier Jahre später wurde er LPG-Vorsitzender und führte den Betrieb nach der politischen Wende in die Marktwirtschaft. Eine seiner größten Bewährungsproben. Michael Constien: „Die LPG in der Struktur und der Größenordnung war unter marktwirtschaftlichen Bedingungen nicht zu halten. Wir pachteten 2000 Hektar Land und verhandelten mit den Enkeln der ehemaligen Gutsbesitzer und bemühten uns für die Beschäftigten, von denen wir uns trennen mussten, sozial verträgliche Lösungen zu finden.“ Am 15. Mai 1991 erfolgte die Gründung der Agrargenossenschaft. Bis Anfang dieses Jahres war Michael Constien deren Geschäftsführer, legte dann die Verantwortung in jüngere Hände.

SVZ-Redakteur Ralf Badenschier stellt dem dreifachen Familienvater und fünffachen Opa die 20 Fragen zum Wochenende.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Beim Abendansitz im Reinstorfer Torfmoor, wenn gegen 16.30 Uhr die Beleuchtung der Neukirchener Kirche über das Bekenland erstrahlt und die vielfältige Vogelwelt ihren Abendstrich beginnt.
Was würden Sie als Bürgermeister in Ihrem Wohnort sofort ändern?
Elfriede Schmidt als unsere Bürgermeisterin hat über Jahrzehnte segensreich in unserer Gemeinde gewirkt. Gemeinsam wollen wir im nächsten Jahr die Sanierung der Straßenkreuzung in der Dorfmitte und den Bau einer Umgehungsstraße südlich um Jürgenshagen in Angriff nehmen. Außerdem denke ich über eine Begegnungsstätte für Jugendliche und Vereine nach. Die ehemalige Dorfgaststätte, der „Lindenkrug“ fehlt.

Wo kann man Sie am ehesten treffen?

Zu Hause in „Kamerun“ morgens um 6 Uhr. Danach wird‘s schwierig.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Dat möt ick up platt vertelln: Biet Tüffelplanten mit mien Großvadder Otto Schwarz. Ick wier elben Johr. Großvadder hätt dat Pierd an Kopp führt und ick mit den‘n Einscharplauch achteran. De Reigen wiern n bätten scheif, äwer Tüffel wassen ok in krümme Reigen.

Wofür haben Sie es ausgegeben?

In Anglerladen in Tätrow heck mi n Senknetz köfft und Krutschen fischt. An nächsten Abend geewt denn Krutschen mit Maibodder ut de Pann.
Was würden Sie gerne können?
Wie heißt es so schön: Lieber ein Onkel, der ne dicke Wurst mitbringt, als ne Tante, die Klavier spielen kann. Trotzdem würde ich lieber Klavier spielen können.

Was stört Sie an anderen?
Unpünktlich kommen und denn auch noch Notlügen erfinden. Das sind auch meine Schwächen, aber ich arbeite dran.

Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?

Dat möt ick wedder up platt vertelln: Letzten hämm wi unsen Enkel Arthur in Bröbberow besöcht. Wi hemm beid n Lied sungen. Dat güng ganz einfach. Arthur füng an mit: Oho – Opa auch. Ick hew antwurt: Oho. Hei wedder: Oho – Opa auch! Ick wedder: Oho. Dor hemm wi uns denn so rinsteigert, bett wi Trohnen lacht hemm. Kinner sünd de gröttste Sägen.
Was haben Sie zuletzt Unvernünftiges getan?
Ich habe mich zu wenig um meine liebe Frau gekümmert.

Wer ist Ihr persönlicher Held?
Meine Frau. Weil sie es mit mir 42 Jahre lang ausgehalten hat.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Im Moment lese ich drei Bücher: Ländliches Leben in Mecklenburg in letzten Hälfte des 20. Jahrhunderts;

„Wer erbt, muss auch gießen“ von Renate Bergmann
Und das evangelische Kirchengesangbuch. Das liegt bei mir auf dem Nachttisch. Darin lese und singe ich vorm Einschlafen am liebsten Paul Gerhards Choräle, die, jeder für sich gelesen und verinnerlicht, die Aussagekraft einer ganzen Predigt haben.
Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?

Wenn es die Zeit erlaubt das Nordmagazin.
Wo trifft man Sie eher: bei einer Karnevalsfeier oder bei einem Fußballspiel?
Im Fußball kenne ich mich nicht aus. Das überlasse ich meinen Enkeln Karl und Charlotte. 1986 hatten wir eine Ortsgruppe der VdgB (Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe), dessen Vorsitzender ich war. Wir gründeten im September 1986 den Karneval in Jürgenshagen. Auf der Eintrittskarte, die Maria Pieszek entworfen hatte, stand 1. VdgB-Karneval „Im Märchenland“ . Als ,,Rotkäppchen“ verteilte Lindenwirtin Renate Dose Doppelte an den 11er-Rat und Berliner von Bäcker Fritz Dopp an alle. Es war eine schöne Zeit. 99 Mal stand ich in der Bütt. Im Januar will ich die 100. vollmachen.

Wen würden Sie gerne mal treffen?

Joachim Gauck. Anfang der 1970er-Jahre leitete er konspirative Treffen mit ost- und westdeutschen Jugendlichen, die immer im Stefanusstift in Berlin Weissensee zum Tag der Republik am 7. Oktober stattfanden. Hier beschwor er uns, den Glauben an die Deutsche Einheit nicht aufzugeben. Er hat uns geprägt. Dafür wollte ich ihm einmal Danke sagen.

Wenn Sie selbst kochen: was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch, griechische, italienische, chinesische oder deutsche Gerichte?
Wildgulasch von Rot- und Schwarzwild im Gemisch mit viel Zwiebel und viel Schmand.

Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?
„Himbeereis zum Frühstück.“ Das spielte Horst Kubitzki immer für uns, wenn ich mit meiner Frau auf der Tanzfläche war.
An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne und von wem haben Sie es bekommen?

Ein Fotoapparat von meinen Eltern zum 10. Geburtstag. Morgens bekam ich die Schatulle als Vorfreude und abends den Apparat vom Weihnachtsmann.
Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Ich möchte mit meiner Frau und unseren sechs Kindern und fünf Enkelkindern eine Ostseereise machen.
Wie gestalten Sie Ihre Freizeit als Rentner?
Nach Möglichkeit ausgewogen verteilt. Wenn Sie mich nach der Reihenfolge fragen: 1. Die Familie, 2. Das Ehrenamt, 3. Die Jagd.

Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen und warum?
Meinen beiden Müttern. Sie haben ein Leben lang für viele Menschen gesorgt. Und als Kind kann ich sagen: Sie haben uns nicht nur unter ihrem Herzen getragen, sondern sorgen heute noch dafür, dass wir in ihrer Nestwärme wohlbehütet sind.