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Benitz-Brookhusen Denkmal oder Biotop

Von gest | 16.09.2011, 08:07 Uhr

Die Pläne sind gezeichnet, die Arbeiten sind festgelegt, Fördermittel stehen bereit.

Doch ob der Gutspark in Brookhusen tatsächlich saniert wird, steht derzeit in den Sternen. Ein Grund: Ein Streit zwischen Denkmalpflegern und Unterer Naturschutzbehörde.

Die denkmalpflegerische Genehmigung für das Vorhaben liegt vor - die naturschutzrechtliche noch nicht. Denn: Der Teich im Gutspark wird von den Naturschützern als Biotop betrachtet. Sie stellen sich daher gegen eine Komplett entschlammung und den damit einher gehenden Verlust der Schilfflächen. Die Denkmalpfleger wollen aber, dass der "Urzustand" des Teiches wieder hergestellt wird. "Wenn das kleine Gewässer nicht entschlammt wird, dann wird es in relativ kurzer Zeit verlanden", erklärte Landschaftsplaner Andreas Webersinke auf der Gemeindevertretersitzung. "Dann entsteht mitten im Gutspark sehr bald ein Erlenbruch." Ein für den Fachmann unvorstellbares Bild. "Es ist bemerkenswert, dass die Gemeinde das Zepter selbst in die Hand genommen und so schöne Tatsachen geschaffen hat." Denn im Gutspark Brookhusen sind schon etliche Arbeiten erledigt: Unterholz wurde entfernt, aufwachsende Bäume herausgenommen. Und auf der Streuobstwiese mit ihren alten Sorten wurden umgekippte Bäume nachgepflanzt.

Jetzt kommt die Gemeinde allein nicht mehr weiter, weil Facharbeiten nur von bestimmten Firmen ausgeführt werden können. Das betrifft beispielsweise die Anlage von so genanntem Schotterrasen für eine Feuerwehrzufahrt und den Festplatz mit seiner Feuerstelle.

Knackpunkt ist zur Zeit aber der Teich. Die Untere Naturschutzbehörde will nur eine Teilentschlammung zulassen und große Teile des Röhrichts sollen stehen bleiben. Damit wäre aber das Ziel, die Komplettsanierung des Gewässers, nicht erreicht. "Ob es dann noch Fördermittel gibt, steht in den Sternen", sagte der stellvertretende Bürgermeister Dieter Krauel. Er hält die Komplettentschlammung für unbedingt nötig. Die Schlammschicht ist stellenweise bis zu 1,20 Meter hoch. "Wir haben vor etwa zehn Jahren schon einmal mit der Entschlammung angefangen", berichtet Krauel. Damals hatte sich der Bagger dann aber festgefahren und kam nicht weiter. "Eine Genehmigung für die Arbeiten hatten wir." Die soll jetzt verweigert werden.

Dabei drängt die Zeit. Denn wenn die Fördermittel noch fließen sollen, muss der Baubeginn bis zum 30. November erfolgen. Geplant sind dann als erstes die Arbeiten am Teich. Im Frühjahr wird der Rest erledigt und bis zum Mai soll alles fertig sein.

Bis dahin ist aber noch so manches Detail zu klären. Beispielsweise die Löschwasserentnahmestelle für die Feuerwehr. Soll dafür ein Schacht gesetzt werden, der mit einem verrohrten Teichzulauf verbunden ist, oder soll die Feuerwehr ihren Saugschlauch direkt in den Teich legen? Diese Variante bevorzugt Bürgermeister und Wehrführer Rainer Mohsakowski. "Dann müssen wir aber zu jeder Zeit an den Teich herankommen - auch im Winter, oder wenn der Boden aufgeweicht ist." Die Nutzung eines Saugschachtes hält Mohsakowski auch für möglich. "Das treibt bei dem dort vorhandenen Baugrund aber die Kosten nach oben", sagte Planer Andreas Webersinke.

Die sind überhaupt ein grundsätzliches Thema. Gut 50 000 Euro stehen für die Gutsparksanierung zur Verfügung. Die Planer haben das von ihnen erarbeitete Projekt danach ausgerichtet. "Wir können beispielsweise nicht alle Wege wieder anlegen, dafür reichen die Mittel nicht", sagte Webersinke. "Aber wir können durch Mähen des Grases einen ehemaligen Weg durchaus andeuten." Doch selbst diese "Behelfsmaßnahmen" könnten nichts bringen. "Derzeit liegen die Preise fast doppelt so hoch wie vor zwei Jahren", weiß Andreas Webersinke zu berichten. "Was der Park genau kostet, wird erst das Ergebnis der Ausschreibung zeigen."

Zuvor jedoch müssen sich Denkmal- und Naturschutzbehörde erst einmal einigen, was der Gutspark Brookhusen ist: Denkmal oder Biotop.