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Ausstellung eines Rechtsextremisten gestrichen Bützow: Absage an NPD-Künstler

Von gest | 06.09.2011, 10:15 Uhr

Die für heute Abend geplante Ausstellungseröffnung im „Krummen Haus“ in Bützow mit Werken von Hermann Grunert Freund hat Bürgermeister Sebastian Constien in letzter Minute abgesagt. Der Künstler ist Funktionär der NPD.

Die Einladungskarten sind lange gedruckt und versandt, die Bilder hängen bereits im „Krummen Haus“. Doch die für heute Abend vorgesehene Ausstellungseröffnung mit Werken von Hermann Grunert Freund hat Bürgermeister Sebastian Constien in letzter Minute abgesagt. „Es wird diese Exposition in Bützow nicht geben. Grunert ist ein Funktionär der NPD in Dresden.“

Hermann Grunert Freund, der nach seinem Ausweis nur Hermann Grunert heißt, hatte sich auf Empfehlung des Bützower Künstlers Wolfgang Severin Iben bei der Stadtverwaltung gemeldet und nachgefragt, ob er seine Werke ausstellen könne. „Wie immer haben wir recherchiert - aber unter dem Namen Grunert Freund“, sagt der Bürgermeister. „Gefunden haben wir nichts Negatives.“ Auch die von Grunert geforderte Vita ergab keine Veranlassung, misstrauisch zu werden. Doch nur unter „Grunert“ kam einiges zu Tage: Er war schon im Jahr 2000 Kreisvorsitzender der NPD in Dresden und ist für diese Partei auch stellvertretendes Mitglied des Ortsbeirates Cotta.

Der Bürgermeister hat daraufhin die Polizei gebeten, über den Verfassungsschutz zu erfragen, ob „Grunert“ und „Grunert Freund“ ein und dieselbe Person sind. Das wurde mit dem Hinweis auf den Datenschutz abgelehnt. Auch das Regionalzentrum für demokratische Kultur in Bad Doberan konnte nicht helfen.

Mitte vergangener Woche kam dann der deutliche Hinweis von Bürgern der Stadt Bützow: Hermann Grunert ist aktiv in der NPD Sachsens und Dresdens. In einer E-Mail an den Bürgermeister heißt es wörtlich: „Heute befürchten wir, dass, wenn die Ausstellung stattfindet, diese Tatsache gegen Bützow verwendet wird (Schlagzeile ,NPD-Aktivist stellt im Krummen Haus aus’).“

Gestern hat sich Sebastian Constien nun mit Grunert, Severin-Iben und den Bürgern zusammengesetzt. Er forderte den Künstler auf, sich klar von rechtsextremem Gedankengut zu distanzieren. „Das hat Grunert abgelehnt“, sagte der Bürgermeister. „Um Schaden von der Stadt abzuwenden, musste ich die Ausstellung damit absagen. Wir wollen keine Plattform für rechtes Gedankengut bieten.“

Am Montag besprach Constien das Problem auch mit der Politik. Im nicht öffentlichen Teil der Sitzungen des Sozial- und des Finanzauschusses holte er sich Rückendeckung, die Ausstellung abzusagen. Bürgervorsteher Mathias Wolschon begrüßte die Entscheidung: „Es war richtig, die Exposition nicht stattfinden zu lassen. Es hätte dem Image der Stadt geschadet.“ Möglicherweise wäre Bützow zum Anziehungspunkt für Rechtsextreme geworden. Wolschon sagte aber auch, dass solch eine Ausstellung durchaus zu machen sein könnte. „Dann muss das aber gut vorbereitet werden. In einer Diskussionsveranstaltung könnte man die gegenseitige Beeinflussung von Kunst und Gesinnung herausarbeiten.“

Obwohl der Dresdner Künstler versichert hatte, dass er unter dem Ausstellungstitel „Bildnisse und Landschaften der letzten Jahre“ nur Werke zeigen werde, die keinen politischen Hintergrund haben, lehnte der Bürgermeister die Exposition auch wegen der Motive ab. Die Einladungskarte für die Ausstellungseröffnung ziert beispielsweise ein Bild, das Hermann Grunert selbst ausgewählt hat. Es zeigt ein Mädchen mit zwei Handpuppen. „Eine davon kann durchaus als Adolf Hitler interpretiert werden“, so Constien. „Wenn wir so eine Darstellung im Krummen Haus nicht wollen, soll das keine Zensur der Kunst sein. Aber eine Verniedlichung eines solchen Verbrechers in einem öffentlichen Gebäude können wir nicht hinnehmen.“

Das betonte auch Stadtvertretervorsteher Mathias Wolschon. „Bei dem Image, das die Stadt schon hat, können wir so etwas nicht unterstützen.“ Wolschon spielt damit auf einen Vorfall mit rechtsextremem Hintergrund im Jahr 2007 an. Damals war eine Pizzeria überfallen worden.

Nach Informationen der SVZ hat Hermann Grunert bereits mehrfach versucht, seine Werke in Bützow auszustellen. Dabei war er von Wolfgang Severin Iben (eigentlicher Name Wolfgang Severin) unterstützt worden. Die Inhaber der Räume hatten es aber immer abgelehnt, dem Dresdner Künstler eine Plattform zu bieten.