Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

Wiendorf Blauröcke mit Zukunftsängsten

Von JCHR | 22.03.2018, 12:00 Uhr

Freiwillige Feuerwehr Wiendorf zählt 14 aktive Kameraden - Zuwachs ist nicht in Sicht. Frank Heidelk ruft Politik in die Pflicht.

Es gibt auf dem Land keine Feuerwehr, die nicht über Mitgliedermangel klagt. So auch in Wiendorf. Die Anzahl der Kameraden stagniert bei 14. „So um den Dreh war es eigentlich immer“, sagt Wehrführer Frank Heidelk. Mit Hartmuth Hallier wurde 2017 ein verdienter Blaurock in die Ehrenabteilung verabschiedet, mit Steffen Synwoldt dafür ein neuer in die aktiven Reihen aufgenommen. Aber von weiterem Zuwachs ist keine Spur.

„Wir werben schon ewig“, berichtet Frank Heidelk, „aber es will einfach keiner mitmachen. „Wir haben Leute angesprochen, gemacht und getan. Aber es finden sich keine neuen Mitglieder.“ Ratlosigkeit klingt durch. Die Konsequenz: Tagsüber ist Wiendorf nicht einsatzfähig, da zu viele Kameraden auswärts arbeiten. Der Wehrführer, parallel auch Bürgermeister, ruft indes auch die Gemeindevertreter in die Pflicht. Auch sie müssten Menschen ansprechen und werben, schließlich sei die Feuerwehr eine Pflichtaufgabe der Gemeinde, die zudem mit 20 000 Euro im Haushalt auch ein nicht zu verachtender Posten ist.

Frank Heidelk weiß nicht weiter, die Feuerwehr ist mit ihrem Latein am Ende. Er plädiert dafür, Anreize zu setzen. Beim Fußball sei es anders, man spiele und fahre nach Hause. „Bei uns ist nur der Eintritt freiwillig, alles andere ist Pflicht. Das schreckt viele ab. Aber Feuerwehrleute müssen ja gut ausgebildet sein, man kann nicht jeden einfach losjagen“, weiß der Wehrführer. „Die Politik muss sich etwas einfallen lassen.“ Bei der Jahreshauptversammlung des Kreisfeuerwehrverbands war dies ebenfalls Thema, Kreisbrandmeister Myk Tessin brachte dabei Rentenpunkte ins Spiel. Auch Frank Heidelk ist dem nicht abgeneigt.

Mitmachen will keiner, profitieren tun jedoch alle von den Wiendorfer Kameraden. Und damit ist gar nicht das Sicherheitsgefühl gemeint. Denn die Feuerwehr ist auch der wichtigste Kulturträger in der Gemeinde. „Das Dorfleben ohne die Feuerwehr kann ich mir nicht vorstellen, denn zu jeder Veranstaltung ist sie dabei“, sagt der Bürgermeister und Wehrführer in Personalunion. Und genau deswegen wurde am Gerätehaus nun auch Hand angelegt. Allen voran Manuel Ahrens verschönerte das Gelände und schuf eine Feuerstelle für die künftigen Feste. „Der Platz ist super geworden“, schwärmt Frank Heidelk.

Eine Feier wird in diesem Jahr möglicherweise noch etwas größer. Denn die Freiwillige Feuerwehr Wiendorf wird 80 Jahre alt. Doch die Planungen dafür sind längst noch nicht abgeschlossen. „Wir wollen etwas machen, das steht fest“, sagt der Wehrleiter. „Aber ob wir ein gemütliches Beisammensein oder ein Fest veranstalten, das steht noch nicht fest.“ Zudem ist noch in diesem Jahr geplant, einen Förderverein ins Leben zu rufen. Außerdem haben die Wiendorfer geplant, wieder am Amtsausscheid teilzunehmen. 2017 sagten sie ihre Teilnahme ab, da gefeiert wurde. Frank Heidelk wurde 50 Jahre und alle Kameraden waren eingeladen.

Zu einer Jahreshauptversammlung gehören natürlich auch Ehrungen. Und davon gab es in Wiendorf angesichts der geringen Mitgliederzahl erstaunlicherweise viele. Für 25 Jahre in der Wehr wurden Wolfgang Goll, Hartmuth Hallier und Siegfried Bergmann geehrt. Wehrführer Frank Heidelk wurde für 30 Jahre in der Wehr gedankt – 25 davon ist er bereits Wehrführer. Manuel Ahrens erhielt einen Dank für 20 Jahre Mitgliedschaft. Krankheitsbedingt nicht anwesend waren die Brüder Willi und Joachim Ahrens. Die beiden Ehrenmitglieder sind der Feuerwehr seit nunmehr 50 Jahren treu. Eine entsprechende Ehrung erhalten die beiden noch, wenn das nächste Mal ein passender Rahmen für solch eine Auszeichnung besteht.