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Investor und Experten stellen Pläne vor Biogasanlage: Proteste werden leiser

Von Ralf Badenschier | 15.10.2011, 10:41 Uhr

„Ich bin der Schuldige", sagt Peter Dethloff. Der Chef der Bützower Wärme GmbH steht dazu. Von ihm stamme die Idee, im Gewerbegebiet eine Biogasanlage bauen zu lassen.

"Ich bin der Schuldige", sagt Peter Dethloff. Der Chef der Bützower Wärme GmbH steht dazu. Von ihm stamme die Idee, im Gewerbegebiet eine Biogasanlage bauen zu lassen, die neben Strom auch Wärme erzeugt. Mit letzterer sollen rund 50 Prozent aller Wohnungen in der Carl-Moltmann-Straße beheizt werden. Das erklärte Dethloff am Donnerstagabend auf der zweiten Informationsrunde zu dem geplanten Bauvorhaben.

Hatte vor 14 Tagen die Bürgerinitiative "Bützower Land" - die gegen das Bauvorhaben ist - dazu eingeladen, war diesmal die GB Biogas GmbH Bützow mit ihrem Geschäftsführer Georg Behnke der Gastgeber. Der hatte, wie angekündigt, eine Hand voll Experten mitgebracht. Erklärtes Ziel sei es, für die Investition Akzeptanz zu erzielen und die Menschen umfassend zu informieren, um so auch Sorgen und Ängste abzubauen.

Geruchsbelästigung, Gefahr für das Trinkwasserschutzgebiet, übermäßige Transporte - das sind die Ängste, die von den Gegnern mit der geplanten Biogasanlage ins Feld geführt werden. Christian Eilert von der EnviTec AG aus Saerbeck erläuterte die Funktionsweise der geplanten Anlage. Die AG habe viel Erfahrung im Bau solcher Anlagen (rund 400), machte Eilert deutlich und versichert, das es zu keiner Geruchsbelästigung kommt. Die geplante Anlage sei identisch mit den vier, die die Bützower Wärme GmbH bereits in der Kühlungsborner Straße betreibt.

Güstrower Gerüche stinkt Bützow

Mehrere der zehn Diskussionsgäste wollen diesen Beteuerungen nicht glauben, verwiesen immer wieder auf die Großanlage vor den Toren der Stadt Güstrow. Peter Dethloff kennt diese Diskussionen. Er und auch Hans-Erich Tannhäuser, der als Planer das Bützower Projekt begleitet, räumen ein, dass die Großanlage dem Image von Biogasanlagen schadet. Es gehe dabei nicht nur um Geruchsbelästigungen, sondern auch um die vielen Transporte, die auch in Bützow für viel Verärgerung sorgen.

Geschäftsführer Georg Behnke hat Verständnis für die Ängste. Jedoch sei die Bützower Anlage mit der Güstrower überhaupt nicht zu vergleichen. Weder in der Größe noch in der Technologie.

Seine Investitionsphilosophie beruhe auf kleinere Anlagen, bei denen die Kooperationspartner wie z.B. Landwirte ebenfalls aus der Region kommen. Das in Bützow bereits ansässige Unternehmen plane nicht nur den Bau einer Biogasanlage, sondern auch eines Schulungszentrums. Betreiber und Mitarbeiter anderer Biogasanlagen sollen in Bützow geschult und mit der neuesten Technik vertraut gemacht werden. Angestrebt werde eine Zusammenarbeit mit der Uni Rostock, Studenten sollen auf der Anlage Betriebspraktikas absolvieren können, Schulklassen auch aus Bützow erfahren, wie Biogasanlagen funktionieren. Eine Werkstatt und ein Labor und nicht zuletzt der Firmensitz sind für Bützow vorgesehen.

Investitionen, die einige Arbeitsplätze schaffen, vor allem aber auch vorhandene z.B. in der Landwirtschaft sichern, so Bürgermeister Sebastian Constien. Er machte klar, dass das Gewerbegebiet nicht erweitert wird, die Anlage innerhalb des bereits bestätigten Bebauungsplans liegen werde.

Natürlich unter der Prämisse, dass es für die Anlage grünes Licht von den Behörden gibt, Geschäftsführer Behnke. Dieses Planungs- und Genehmigungsverfahren sei ein sehr umfangreiches, bei dem sowohl umwelt- als auch technologische Aspekte einer strengen Prüfung unterzogen werden. Das Verfahren erläuterten Experten des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Rostock und vom TÜV Nord.

Georg Behnke erklärte, man stehe ganz am Anfang, werde aber auch weiterhin die Öffentlichkeit in diesen Prozess mit einbinden. Ein Bau 2012 sei möglich. "Doch entschieden ist bisher noch gar nichts."

Enrico Grossmann von der Bürgerinitiative zum Abschluss: "Ich danke für die Offenheit. Jetzt hat die Biogasanlage ein Gesicht, ihre Gesichter. Doch muss es wirklich im Nebeltal sein?"