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Bützow Bienen auf ihrem Reinigungsflug

Von flie | 23.03.2018, 20:30 Uhr

Der Imker Werner Grigull hat seine Schützlinge über die kalten Tage zu sich geholt. Verluste halten sich noch gering.

Die Bienen von Werner Grigull haben vergangenen Sonntag bereits den ersten Frühjahrsputz hinter sich gebracht – oder „Reinigungsflug“, wie es in der Imkersprache heißt. Nach den kalten Wintertagen haben die Tiere zum ersten Mal ihre Zellen wieder verlassen, um ihre Kotblasen zu entleeren. Alles in allem haben seine Nutzinsekten den Winter gut überstanden, sagt der Imker. Er rechne höchstens mit zehn Prozent Verlusten. „Das ist völlig normal“, sagt er.

Im Herbst 2016 hatte Werner Grigull beinahe seine halbe Bienenpopulation verloren. Die Gründe kennt er bis heute nicht. Mittlerweile hat er seinen alten Bestand aber wieder erreicht. Auch dieses Jahr züchtet er Königinnen für weitere Völker heran. „Indem ich Larven aus bestehenden Völkern entnehme und in größere Zellen einsetze, lasse ich neue Königinnen heranwachsen“, erklärt Werner Grigull. Die Bienenköniginnen bilden die Grundlage dafür, dass weitere Völker entstehen können. Diese siedelt der Imker, wenn es wieder wärmer wird, in Wäldern und an Feldern an.

Dass die kalten Temperaturen und der Frost in den vergangenen Tagen noch mal zurückkehrten, damit haben weder die Bienen noch der Imker gerechnet. „Wenigstens müssen sie jetzt nicht noch einmal nach draußen, um sich zu säubern. Aber so eine erneute Kältewelle ist trotzdem sehr schädlich für meine Bienenvölker“, erläutert Werner Grigull. „Das Problem sind die wechselhaften Temperaturen. Damit können die Bienen schlecht umgehen. Kontinuierlich kalte Temperaturen sind dagegen sogar ganz gut. Das tötet die Varroamilben ab“, erklärt der Imker. Diese Parasiten seien mittlerweile der „Bienenfeind Nummer 1“.

Früher hätten sich die Bienen noch stärker gegen die ungebetenen Untermieter wehren können. Mittlerweile habe aber ihre Abwehrkraft nachgelassen. „Das hat damit zu tun, dass die Pflanzenvielfalt und damit das Ernährungsangebot der Bienen immer weiter abnimmt. Dadurch sind sie nicht mehr so widerstandsfähig gegenüber Parasiten und Krankheiten“, erläutert der Bienenexperte. Und wenn es immer weniger Bienen gibt, würden noch mehr Pflanzen verschwinden, da diese nicht mehr von den Insekten bestäubt werden.

Ein anderes Problem sieht Werner Grigull zudem in den Pestiziden, die auf den Äckern gesprüht werden. Diese schaden auch den Bienen. „Eine Lösung wäre, nicht am Tage, sondern nachts zu sprühen. Da sind einerseits keine Bienen in der Luft, andererseits ist es windstiller, sodass sich das Gift schlechter verbreitet. Außerdem öffnen sich die Poren der Pflanzen weiter. So muss weniger gespritzt werden“, sagt er.

Mittlerweile stehe er in gutem Kontakt zum Bauernverband, sagt Werner Grigull. Dafür spricht auch, dass sowohl ein Vertreter des Bienengesundheitsdienstes als auch des Bützower Bauernverbandes zur morgigen Mitgliederversammlung des Imkervereins in die Raststätte Klähn in Steinhagen kommen werden. Los geht die Sitzung um 10 Uhr.