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Ausbildung Ann-Marie hat den Durchblick

Von Lennart Stahlberg | 18.12.2017, 08:00 Uhr

Ihre Wahl für den Beruf entpuppte sich für die 19-Jährige als Glücksfall

Wie sich die Lichtstrahlen in den Gläsern brechen und wie das menschliche Auge in seiner feinen Anatomie darauf reagiert. Das ist die Leidenschaft von Ann-Marie Berger. Die 19-jährige Schwaanerin hat im September ihre Ausbildung zur Augenoptikerin in Bützow begonnen. Zu ihrer Berufswahl sei sie durch ein Schülerpraktikum gekommen.

Was eigentlich ihre zweite Option nach der Verwaltungsfachangestellten gewesen war, entpuppte sich dann als Glücksgriff. „Es ist einfach die tägliche Abwechslung aus Werkstatt, Büro und Kundenkontakt, die jeden Arbeitstag spannend macht“, erzählt sie. „Als ich dann gefragt wurde, ob ich auch eine Ausbildung machen wollte, konnte ich das nicht ablehnen.“ Im Anschluss habe sie dann nicht mal mehr Probe gearbeitet, sondern sei direkt eingestiegen.

„Jetzt am Anfang beobachte ich natürlich viel. Besonders im Kundengespräch kann ich noch nicht wirklich beraten. Das wird erst später mit der fachlichen Erfahrung kommen“, erklärt Ann-Marie Berger. Darum lerne sie jetzt erstmal in der Werkstatt Grundlagen, wie das Schleifen von Gläsern. Feilen und Löten würden dabei genauso dazugehören wie das Austauschen von Nasenpads. „Es ist allerdings nicht überall der Fall, dass man erstmal Zeit hat, in Ruhe das Fachliche zu lernen, bevor man auf die Kunden losgelassen wird“, so die angehende Augenoptikerin. Von anderen Auszubildenden habe sie schon gehört, dass diese vorschnell Kundengespräche führen müssen. „Ich würde mich dafür noch zu unsicher fühlen. Es gibt so vieles, das man beachten muss, bevor man jemanden eine Brille empfiehlt oder anfertigt“, sagt Ann-Marie Berger. Da spiele vieles eine Rolle. So etwa die Beschaffenheit der Augen, die man durch Sehtests oder Augendruckmessung feststelle, die Gesichtsform und auch die Persönlichkeit und der Alltag des Brillenträgers. „Ich kann einem häufigen Saunagänger nicht die selbe Brille verkaufen wie jemandem, der damit nur die Zeitung lesen möchte. Außerdem muss die Brille auch optisch zum Kunden passen. Wer beispielsweise einen auffälligen Charakter besitzt, der möchte auch häufig eine buntere Sehhilfe.“

Manchmal gehe es aber auch darum, den Menschen zu erklären, dass sie eine Brille brauchen. In ihrem Verwandtenkreis konnte Ann-Marie Berger bereits den ein oder anderen überreden, sich eine Brille zuzulegen oder auch die Stärke der Gläser neu anzupassen. Allgemein solle man beim Umgang mit Kunden ein entspanntes, freundliches Auftreten und eine gepflegte äußere Erscheinung mitbringen, sagt Ann-Marie Berger.

Für den schulischen Teil ihrer Ausbildung muss die 19-Jährige jede zweite Woche zur Augenoptikerschule nach Hankensbüttel in Niedersachsen. Dort stehen sowohl praktische Übungen als auch Fächer wie Anatomie und Physik auf dem Lehrplan. Bei ihrer Zwischen- und Abschlussprüfung muss sie für einen fiktiven Kunden eine individuelle Brille anpassen und anfertigen. „Für jeden Menschen“, so ihr Motto, „gibt es die passende Brille. Mittlerweile gehe ich anders durch die Welt. Mir fällt jede Brille, die ich im Alltag sehe, direkt auf und ich analysiere sie dann direkt.“

Wie es im Anschluss an die Ausbildung weitergehen wird, weiß Ann-Marie Berger noch nicht. „Natürlich würde ich auch gerne übernommen werden“. Aber auch ein Optik-Studium wäre für sie eine Möglichkeit.