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Friedrichsruhe: Widerstand in der Region wächst : Bürgerwille bremst Windanlagen aus

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"Wir haben 27 Windtürme vor Augen. Ich befürchte, dass wir bald von Windkraftanlagen eingekreist werden", so die besorgte Kita-Leiterin Heide Blank. Doch nun soll das Mitspracherecht der Gemeinden gestärkt werden.

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erstellt am 27.Jun.2013 | 05:06 Uhr

Friedrichsruhe | Täglich zieht es Heide Blank mit "ihren" Kindern hinaus auf den wunderschönen Naturspielplatz der gemeindeeigenen Einrichtung "Pfiffige Füchse". Da gibt es eine Menge zu erleben und am Horizont auch einiges zu sehen. "Wir haben 27 Windtürme vor Augen. Ich befürchte, dass wir womöglich bald von Windkraftanlagen eingekreist werden", so die besorgte Kita-Leiterin, die es sich am Mittwochabend nach dem stressigen Arbeitstag nicht nehmen ließ, an einer Bürgerinformationsveranstaltung im Gemeindezentrum teilzunehmen. Initiiert hat die Veranstaltung, an der mehr als 60 Einwohner u.a. aus Friedrichsruhe, Plau, Lübz, Grebbin, Zölkow, Parchim, Glaisin, Neuburg, Ludwigslust und Severin teilnahmen, der Kreistagsabgeordnete Andreas Sturm (Die Linke), der selbst im Ortsteil Goldenbow wohnt und im zeitweiligen Kreisausschuss "Windenergie" künftig mitarbeiten wird.

"Ich möchte eines Tages nicht vor den Kindern stehen und sagen, wir haben nicht gekämpft. Geld darf nicht alles sein", so Heide Blank, die dafür ungeteilte Zustimmung von den Anwesenden bekommt. Sie reagiert damit auf die eher nüchternen Informationen von Marko Saathoff, der als Vertreter des Regionalen Planungsverbandes Westmecklenburg den Teilnehmern das Procedere der Weiterentwicklung des Energiekonzeptes und vor allem der geplanten Ausweisung weiterer Windeignungsräume erläuterte. Das, was die Regierungskoalition vorgibt, muss bis 2016 umgesetzt werden. Fest steht, auf Grundlage neuer Kriterien werden mehr Plätze für Windenergieanlagen zwischen Schweriner und Plauer See ausgewiesen. Daran wird bereits intensiv gearbeitet. Längst kursieren wilde Gerüchte über Investoren, die massenhaft Vorverträge mit Landeigentümern schließen. Marko Saathoff stellt klar: "Noch ist nichts beschlossen". Ganz im Gegenteil, so der Raumentwicklungsexperte, die Gemeinden werden anders als in der Vergangenheit ein gewichtiges Wort mitzusprechen haben. "Wenn eine Gemeinde Nein sagt, wird keine neue Windanlage aufgebaut. Dies ist derzeit der mehrheitliche Wille der Mitglieder des Regionalen Planungsverbandes Westmecklenburg", bringt Saathoff die aktuelle Diskussion auf den Punkt.

Ist das die Wende im Streit um die Ausweisung neuer Windenergieeignungsräume? Ganz so einfach, und da sind sich Kommunalpolitiker und betroffene Bürger einig, dürfte es nicht werden. Der Friedrichsruher Bürgermeister Uwe Kröger (SPD) räumt unumwunden ein, dass der Riss in dieser Frage vielerorts mitten durch die Dörfer gehen. "Wir sind nicht gegen den Bau von Windenergieanlagen, aber es kommt auf den Standort und die Zahl an". Saathoff kündigt an, dass in einigen Wochen der Planungsverband an jede betroffene Gemeinde herantreten wird, um den gemeindlichen Willen abzufragen. Dann müssen die Gemeindevertreter Farbe bekennen. "Vier Wochen Zeit werden dafür aber nicht reichen. Uns ist das Votum unserer Bürger wichtig. Da gibt es viel Gesprächsbedarf", betont Kröger. Auch Andreas Sturm bleibt skeptisch: "Ich kann das ganze Verfahren nicht verstehen. Die Planer verhandeln seit zwei Jahren mit den Bauern und haben Verträge längst unter Dach und Fach. Was ist da die Meinung der Gemeindevertreter noch wert?" Für ihn steht fest: "Wir werden den Politikern auf die Füße treten." Bürgermeister Kröger greift den Ball auf: "Wir müssen miteinander reden und die heutige Veranstaltung kann nur der Anfang sein." Andreas Sturm will den gerade ins Leben gerufen Ausschuss nutzen, um den Dialog mit Betroffenen zu führen. Da wird es auch darum gehen, wie gesichert werden kann, dass Windkraftanlagen nicht nur Einzelnen nutzen, sondern die Wertschöpfung vor Ort die Gemeindekassen füllt.

Heide Blank kann dem Info-Abend vor allem eins abgewinnen: "Die Ängste der Bürger werden endlich ernst genommen."

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