Hitzigrat rausgeschmissen : Bürgermeister droht Keller-Rauswurf

Ein Heizungskeller als Bürgermeisterbüro? Ein Schornsteinfeger sagt Nein. Oldörp
Ein Heizungskeller als Bürgermeisterbüro? Ein Schornsteinfeger sagt Nein. Oldörp

Erst musste Bürgermeister Detlef Hitzigrat sein Büro räumen und in den Heizungskeller des Gemeinde-hauses ziehen, nun muss er dort raus. Grund laut Schornsteinfeger: Die Gefahr einer Abgasvergiftung sei zu groß.

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23. November 2010, 09:30 Uhr

Nordwestmecklenburg | Die über die Landkreisgrenzen hinaus bekannte Provinzposse in Selmsdorf geht weiter. Erst musste Bürgermeister Detlef Hitzigrat (parteilos) sein Büro räumen, ist mit seinen sieben Sachen in den Heizungskeller des Gemeindehauses gezogen. Nun muss er auch dort raus. Diesmal liegt es am Schornsteinfeger. Der ist offenbar kein Glücksbringer für den 58-jährigen Bürgermeister. Der "schwarze Mann" hat aus der Zeitung erfahren, was in Selmsdorf los ist. Jetzt will er den Bürgermeister aus dem Heizungskeller fegen, hat ihm eine Frist gesetzt. Bis zum 19. Dezember muss Hitzigrat dort raus. Begründung: Der Aufenthalt im Heizungskeller ist zu gefährlich. Es könnte sein, dass ein Heizungsrohr platzt. Noch wahrscheinlicher aber ist: "Es könnten Abgase wie Kohlenmonoxid oder Kohlendioxid in den Raum gelangen, wenn es zu einem Rückstau von Abgasen kommt", erklärt der Schornsteinfeger. Und dann könnte der Sauerstoff im Heizungskeller knapp werden. "Gesundheitsfördernd soll das nicht sein. Also damit ist wirklich nicht zu spaßen", mahnt der Schornsteinfeger. Seinen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen. Er ist wie Bürgermeister Hitzigrat parteilos. "Nicht dass uns noch vorgeworfen wird, die Parteilosen halten zusammen. Dem ist nämlich nicht so. Ich will mit dem Streit zwischen Bürgermeister und Gemeindevertreter nichts zu tun haben, mache nur meine Arbeit."

Wo Bürgermeister Hitzigrat seinen Schreibtisch, Stuhl und Computer jetzt hinbringt, ist unklar. "Ich weiß es nicht", zuckt Hitzigrat mit den Schultern. "Wahrscheinlich muss ich alles auf meinen Dachboden bringen. Aber das ist doch wohl ein Unding", klopft Selmsdorfs Bürgermeister seinen rechten Zeigefinger gegen die Stirn.

Inzwischen hat sich das Amt Schönberger Land eingeschaltet. Es weist die Gemeindevertreter in einem Schreiben darauf hin, dass ein Heizungsraum nicht geeignet ist für den Aufenthalt von Personen. Allerdings wisse das Amt auch nicht, warum der Bürgermeister den Heizungskeller als Büro nutze. Denn einen Beschluss der Gemeindevertreter, der den Bürgermeister zwingt in den Heizungskeller zu ziehen, gebe es nicht, heißt es in dem Schreiben weiter. "Wenn sich der Bürgermeister da hineinsetzt, ist das allein seine Verantwortung", sagt eine Mitarbeiterin des Amtes auf Nachfrage. Sie könne den Bürgermeister nicht verstehen, dass er zu den Sprechstunden dienstags ins sechs Kilometer entfernte Schönberg fahre. Denn dem Bürgermeister stünden in Selmsdorf eigentlich genügend Räume zur Verfügung, in denen er seine Sprechstunden halten kann." Platz dafür sei zum Beispiel in der Sporthalle, in der Aula der Schule oder bei der Feuerwehr. Sein altes Büro musste Hitzigrat räumen, weil dort eine Bibliothek einziehen soll. Für 40 000 Euro.

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