Bürger sollen Festumzug zahlen

Um den zum 850-jährigen Stadtjubiläum in 2010 geplanten Festumzug überhaupt noch finanzieren zu können, setzt die klamme Stadt jetzt auf Spenden von Bürgern und Firmen. Denn statt der ursprünglich veranschlagten 800 000 Euro für alle Geburtstagsfeiern im kommenden Jahr wird die Kommune wohl nur noch 50 000 Euro ausgeben.

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09. September 2009, 08:32 Uhr

Schwerin | Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke) will aus der Not eine Tugend machen: "Geburtstage werden auch im ärmsten Wohnzimmer gefeiert", sagt die Verwaltungschefin mit Blick auf die Feierlichkeiten zum 850-jährigen Stadtjubiläum in 2010. Bei solchen Festen gehe es vor allem um das Wir-Gefühl, erklärt Gramkow - und will das auch finanziell so verstanden wissen: "Auch bei einer privaten Party bringen die Gäste etwas zur Feier mit, wenn es der Gastgeber nicht so Dicke hat. So sollten wir auch beim Stadtjubiläum verfahren."

Im Klartext: Um angesichts der angespannten Haushaltslage zumindest noch einen Festjahr-Höhepunkt, den für den 5. Juni geplanten Festumzug, durchführen zu können, will die Stadt jetzt bei Bürgern und Firmen Spenden sammeln. Ein Drehbuch für den Umzug mit 44 Bildern aus der Stadtgeschichte - die Kosten dafür liegen bei 100 000 Euro - existiert bereits. "Aber bei der Umsetzung sind wir auf bürgerschaftliches Engagement und private Sponsoren angewiesen", so Gramkow.

Dabei hatte die Kommunalpolitik ursprünglich 800 000 Euro für die Feierlichkeiten im kommenden Jahr veranschlagt. Doch Innenminister Lorenz Caffier (CDU), der die Kommune kürzlich dazu verdonnert hatte, das für das laufende Haushaltsjahr geplante Defizit auf 15 Millionen Euro zu beschränken (SVZ berichtete), hat diese Wunschträume zerstört. Weil die Stadt nun vor der Aufgabe steht, bis Ende November rund elf Millionen Euro ein zusparen, werden immer kleinere Brötchen gebacken: Hatte Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke) bei den Fraktionen zunächst noch dafür geworben, die Kosten für das Jubiläum auf 400 000 Euro zu beschränken, sagt sie jetzt, dass mehr als 50 000 Euro nicht vertretbar seien.

Damit ist die Oberbürgermeisterin der Stadtpolitik einen großen Schritt entgegengekommen. Tatsächlich solle der finanzielle Anteil der Stadt auf maximal 50 000 Euro begrenzt werden, fordern zumindest SPD, Unabhängige Bürger (UB) und Bündnisgrüne. Gramkows zwischenzeitliche Forderung nach 400 000 Euro sei viel zu hoch gegriffen gewesen.

Kritik üben die drei Fraktionen aber am Vorbereitungsstand des Jubiläums: "Die bisherigen Aktivitäten haben nicht dazu geführt, dass wir nicht wirklich vorangekommen sind", so UB-Fraktionsvorsitzender Silvio Horn. Der Festumzug solle mit dem ohnehin in Schwerin stattfindenden MV-Tag verbunden werden, um die Kräfte des Landes und der Stadt zu bündeln. Das Jubiläumsjahr könne mit einem Festakt im Staatstheater beginnen, für dessen Umsetzung die Bühne auch verantwortlich sein sollte, so Horn.

SPD-Fraktionschef Daniel Meslien fordert, "die vielen Ehrenamtler aus Sport, Kultur und Kunst endlich einzubinden, um die Kosten zu senken" . Die Federführung für die Planungen sollte nicht länger in der Verwaltung, sondern bei der Stadtmarketing-Gesellschaft liegen.

Trotz finanzieller Engpässe werde Schwerinern und Touristen in 2010 viel geboten, sagt indes die Oberbürgermeisterin. So würden etwa alle traditionell in der Stadt stattfindenden Feste unter dem 850-Jahre-Logo firmieren. Und für den Festumzug hätten bereits mehr als 30 Betriebe, Vereine, Schulen und Kitas ihr Interesse zur kostenlosen Teilnahme bekundet. Spenden für den Festumzug können auf das Konto 311119000 bei der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin, Bankleitzahl 140 520 00, Kennwort "850 Jahre Schwerin", überwiesen werden.

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