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Lokales

16. August 2017 | 15:05 Uhr

Bühnenluft und Leidenschaft

vom

kröpeliner Tor Vorstadt | Fröhliches Kinderlachen, Klänge von Klarinette, Geige und Kontrabass - die stellenweise ziemlich schräg daherkommen - schweben neugierigen Gästen entgegen. Gestern hat das Rostocker Volkstheater wieder zum alljährlichen Tag der offenen Tür geladen.

Die Sänger des Opernchors, die Musiker der Philharmonie, das tanzende und schauspielernde Volkstheater-Ensemble, die Theatermaler und -pädagogen sorgten dafür, ließen die Besucher einen spannenden Blick hinter die Kulissen werfen - und mitmachen. Fridtjof Busse, Leiter des Malsaales, verteilt mit farbverschmiertem Kittel Sterne, Seepferdchen und Fische aus Spanholz an die Kinder. An einem großen Tisch lassen die Knirpse ihrer Fantasie mit Pinsel und Farbe freien Lauf: Sterne mit gelben Tupfen, Fische mit Zebrastreifen, die siebenjährige Klara verpasst ihrem Seepferdchen pinke Tupfen. "Ihre Kunstwerke dürfen die Kinder mit nach Hause nehmen", sagt Busse. Schon zupft ihn ein kleiner Junge am Kittel, der Theatermaler drückt ihm die geforderte grüne Farbe auf die Palette.

Nebenan geht der Leonid Markovych mit dem Kontrabass von Michael Brzoska auf Tuchfühlung. Vorsichtig lässt der Vierjährige den Bogen über die Seite gleiten. Und staunt nicht schlecht, als er dem Instrument ein tiefes Brummen entlockt. "Klingt wie eine Harley Davidson, oder?" fragt ihn der Musiker der Norddeutschen Philharmonie lachend. Beherzt streicht Leonid jetzt auch über die anderen Seiten. "Er hat ein Händchen dafür, das merkt man sofort", lobt ihn der Kontrabassist. Leonids Augen leuchten, er hat Feuer gefangen: "Ich würde gerne richtig Bass spielen lernen." Auch seine Mutter Olga ist begeistert. Sie findet es gut, dass sich die Kinder an richtigen Instrumenten ausprobieren dürfen. Die beiden sind zum ersten Mal im Volkstheater, "aber bestimmt nicht das letzte Mal", sagt sie. Während im Foyer die schrägen Töne regieren, geht es im Ballettsaal um den Spaß an der Bewegung. Natalie Brockmann vom Tanztheater zeigt einfache Schritte und kleine akrobatische Übungen. Sie legt sich auf den Rücken, streckt die Beine nach oben und lässt erst Chantal Kellermann (8), dann Angelique Novak (4) bäuchlings auf ihren Fußsohlen balancieren. "Ich würde auch gerne zum Theater", sagt Chantal nach ihrem Höhenflug.

Gelächter dringt aus einem kleinen Raum neben dem Ballettsaal. Dort gibt Jörg Schulze den szenischen Monolog "Die Auferstehung des Lazarus" von Dario Fo zum Besten. Das satirische Stück erzählt, wie das Wunder am Grab zum gesellschaftlichen Ereignis wird. Der Schauspieler schlüpft mit Körper und Sprache abwechselnd in verschiedene Rollen - er brüllt, winselt, fleht, lacht, wispert, gestikuliert, stampft und hüpft. Nach dem Beifall wischt er sich den Schweiß von der Stirn. "Wir wollen allen Zugang zum Theater verschaffen", sagt er. Der Tag der offenen Tür sei eine gute Möglichkeit, denn "hier hat der Besucher alle Freiheiten".

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erstellt am 20.Sep.2010 | 05:39 Uhr

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