Bühne und Oper und es ist perfekt

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22. Juli 2010, 06:59 Uhr

Perleberg | Die Vita von Graciela Araya liest sich wie ein Exkurs durch einen Opernführer. Mehr als 70 Rollen umfasst ihr Repertoire, auf vielen Bühnen der Welt hat sie gesungen. Und jetzt ist die sympathische Chilenin, die mittlerweile länger im deutschsprachigem Raum lebt als in ihrer Heimat, in Perleberg - aus ihrer Sicht in der tiefsten Provinz. Doch jene schickt sich an, im Reigen namhafter Talentschmieden der Welt einen Platz zu erobern. Der Name Lotte Lehmann dürfte da wie eine Art Sprungbrett fungieren, zugleich ist er Anspruch und Verpflichtung, wie der künstlerische Leiter der Akademie, Angelo Raciti, betont. Und der Name ist es auch, der Graciela Arayas Interesse weckte. "Lotte Lehmann zählte zu den Großen der Welt, den Namen kennt jeder."

Zur zweiten Akademie klappte es, Graciela Araya gehört zum internationalen Dozententeam, das seit Montag junge professionelle Sänger auf einen Karrierestart vorbereitet. Angelo Raciti macht kein Hehl daraus, dass er stolz ist, so einen Profi von Rang und Namen dabei zu haben. "Sie singt alles, angefangen von den Opern des Barocks bis zu den zeitgenössischen. Sie beherrscht ihre Stimme von der tiefsten bis zur höchsten Lage." Sie könne so junge Sänger aller Stimmen unterrichten.

Die Stimme ist aber nur die eine Seite, wenn auch ein wesentliche, betont die gebürtige Chilenin, deren Namen man unter anderem mit Rollen wie Carmen, Octavian, Olga, Dorabella, Cherubino, Rosina und Orlofsky in einem Atemzug nennt. Um als Sänger zu bestehen, bedarf es einer behutsamen Vorbereitung. "Zeit ist wichtig, die Entwicklung muss von innen nach außen erfolgen. Fertig zu sein mit 25 Jahren und schon singen zu können als wenn man 30 Jahre nichts anderes gemacht hat, das klappt maximal für zwei Rollen." Und auch das Klischee von jung, schlank und schön passt hier nicht. "Ohne gewisse Fülle kann man nicht singen. Ein Luciano Pavarotti hätte nie rank und schlank sein und so singen können."

Die Akademie biete jungen Sängern diese Zeit, die Komplexität der Ausbildung und es wäre optimal "wenn Teilnehmer im nächsten Jahr abermals dabei wären", so Graciela Araya. Von den derzeitigen Teilnehmerinnen ist sie sehr angetan. "Es ist insgesamt ein gutes Niveau. Drei von ihnen sind Gold, sie können eine große Karriere machen."

Das Konzept der Akademie hat Graciela Araya überzeugt, "es macht einfach Spaß, es umzusetzen". Das Sahnehäubchen aber wäre eine Bühne und eine Oper aufzuführen. Denn auch die Erfahrung, mit dem Raum umzugehen, die Distanz zum Publikum, die Kommunikation mit dem Orchester seien ganz wichtig, eben auch der Unterschied zur Unterrichtssituation. Anregungen, die bei Angelo Raciti auf offen Ohren stoßen, ohne den Anspruch zu erheben, stehenden Fußes alles umzusetzen. Aber irgendwann könnte auch eine Aufführung im großen Saal zur Debatte stehen.

Und noch eine Idee könnte unter Umständen in den entstehenden Räumlichkeiten der Perleberger Akademie vielleicht ein Domizil finden - eine Art Kinder-Akademie, wie sie Graciela Araya vorschwebt. Sei selbst hat mit acht Jahren mit dem Singen begonnen, mit 13 Jahren die erste Oper einstudiert. "Einmal pro Woche wurde in der Schule geprobt, und alles ganz kindgemäß", fügt sie an.

Opern zu singen, ist mehr als eben nur zu singen. Dazu gehören die Geschichte, ein Gespür für die Musik, Körpersprache, das Spiel. All das dann mit 18 Jahren lernen zu wollen, sei zu spät. Gerade Mädchen können und sollten früher beginnen, denn ihre Stimme verändert sich nicht groß. "Und wenn aus den kleinen Sängern keine großen werden, dann aber zumindest ein überaus sachkundiges Publikum."

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