Brutale Gewalt gegen Polizisten

Bespuckt, gebissen, getreten und geschlagen: Die Serie von Übergriffen auf Polizisten in der Region Schwerin reißt nicht ab. Dabei nimmt die Brutalität der zumeist männlichen und alkoholisierten Täter bedrohlich zu. Bislang registrierten die Beamten in 2009 bereits mehr Attacken als im gesamten vergangenen Jahr.

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25. August 2009, 12:07 Uhr

Schwerin | Tatort Mecklenburgstraße, mitten in Schwerin: Nachdem mehrere Polizisten jugendlichen Ruhestörern einen Platzverweis erteilt haben, wird ein Beamter plötzlich von Faustschlägen und Fußtritten getroffen. Ein Randalierer zerschlägt sogar eine Bierflasche auf dem Kopf des Uniformierten. Diag nose im Krankenhaus: Schä delhirn-Trauma, diverse Prellungen und Abschürfungen.

Der nächtliche Übergriff vom 24. Juli ist kein Einzelfall. "Wir registrieren einen beängstigenden Anstieg von Attacken auf Beamte", sagt Knut Abramows ki, Leiter der Polizeidirektion Schwerin. "Doch sinkt nicht nur die Hemmschwelle, gegen einen Vollzugsbeamten vorzugehen", so der Direktionsleiter. "Auch die Brutalität dabei nimmt zu." So gehöre es immer öfter zum polizeilichen Dienstalltag, gebissen, gekratzt, getreten und geschlagen zu werden.

Die Tendenz lässt sich an der Statistik ablesen. 2007 wurden in Westmecklenburg bei 110 Wider standshandlungen "nur" 20 Polizisten verletzt. 2008 gab es bei 147 Fällen 38 Verletzte. In diesem Jahr re gistrierte die Po lizei bislang 84 Vorkommnisse und schon 40 Gewalttaten. Abram owski: "Bei jede r zweiten Auseinandersetzung trägt mittlerweile also durchschnittlich ein Beamter eine Verletzung davo n."

Oft werden die Polizisten von den Gewaltausbrüchen überrascht. "Denn es ist keinesfalls so, dass sich nur gesuchte Täter bei ihrer Verhaftung wehren", sagt Abramowski. Die Gefahr lauere auch in vermeintlich undramatisch erscheinenden Situationen: auf Festen, bei Auswei s- oder Fahrzeugkon trollen. Gut kann sich der Direktions leiter noch an den 23. Juni 2008 erinnern: Weil er auf das Sig nal eines Polizisten zum Anhalten nicht reagieren wollte, überfuhr bei Crivitz ein Motorradfahrer den Uniformierten. Abra mowski: "Der Kollege ist nur knapp dem Tod entronnen."

Fast immer sind die Täter männlich und zwischen 20 bis 30 Jahre alt. "In fast 90 Prozent der Widerstandshandlungen sind die Randalierer alkoholisiert", berichtet der Direktionsleiter. Vielen der Gewalttäter sei offenbar nicht bewusst, welche Strafen auf sie zukommen könnten. So drohe nicht nur Freiheitsentzug wegen Körperverletzung und Widerstand gegen die Staatsgewalt. Auch die Kosten für die Rehabilitation verletzter Beamter sowie deren Dienstausfall müssten die Gesetzesbrecher zahlen, so Abramowski. Die Chance, erwischt zu werden, ist groß: Die Aufklärungsquote bei Delikten gegen Polizisten liegt bei 100 Prozent, da fast immer ein anderer Beamte Zeuge der Tat wird.

Als Ursachen der Gewalt nennt die Polizei-Gewerkschaft vernachlässigte Erziehung, berufliche Perspektivlosigkeit und gescheiterte Integration von Migran ten. Um Beamte besser schützen zu können, müssten Hintergründe der Gewalt dringend wissenschaftlich aufgearbeitet werden, fordert MV-Gewerkschaftschef Michael Silkeit.

Der oberste Dienstherr der Polizei in MV kündigt ein scharfes Vorgehen gegen jeden Täter an. Die Vermittlung eines rechtskonformen Wertesystems bleibe aber gesamtgesellschaftliche Herausforderung, so Innenminister Lorenz Caffier (CDU).

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