Brücken als Sorgenkinder

Unfreiwilliger Haltepunkt: die einspurige Behelfsbrücke über die Bahn bei Plaaz. Eckhard rosentreter
Unfreiwilliger Haltepunkt: die einspurige Behelfsbrücke über die Bahn bei Plaaz. Eckhard rosentreter

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11. April 2010, 07:18 Uhr

güstrow | Rund die Hälfte aller Brücken deutscher Autobahnen sowie Bundesstraßen sind in gerade mal "noch ausreichendem" bis "ungenügendem" Zustand, sprich: schlechtem. Ähnlich ist die Situation für die Straßenbaulastträger im Landkreis Güstrow, Brücken sind auch hier Sorgenkinder der Kommunen. Beansprucht doch der Finanzbedarf für Reparaturen oder gar einen Neubau die Etats enorm.

Immerhin fünf Brücken in Trägerschaft des Landkreises Güstrow stellt Kreissprecherin Petra Zühlsdorf-Böhm ein "sehr gutes" Zeugnis aus. Darunter freilich solche wie die Wattmannshagener, vor zwei Jahren völlig erneuert. Doch nur noch eine erfüllt die Kriterien für ein "Gut", vier können noch "befriedigen". Heißt: Die restlichen der 26 kreislichen Straßenquerungen sind gerade mal mit einem "befahrbar" attestiert, gegebenenfalls nur durch Tonnagebegrenzung. So wird denn auch die Nebelquerung bei Ahrenshagen oder die Brücke zwischen Siemitz und Mistorf über den Mühlbach als nächstes zu reparieren sein. "Nicht aber mehr 2010/11", meint Zühlsdorf-Böhm mit Verweis auf die Finanzlage des Landkreises.

Die schweren Problemfälle hinter sich habe das Straßenbauamt in Klueß, das für 20 Bundes- und 32 Landesstraßenbrücken zuständig ist, sagt Alfred Kohlenberger. Oder man sei dran, wie etwa an der B103 bei Kölln, wo die Erneuerung dieser relativ kleinen Nebelüberführung rund 700 000 Euro kostet. Schon einen Millionenbetrag werde der erforderliche Neubau der Linstower Autobahnbrücke abfordern. In Bützow sei die Querung des Ausfallwassers nahe dem Schloss in Planung Nächstes Jahr komme der Neubau des Übergangs über die Eisenbahn bei Plaaz sowie der B108 bei Breesen über den Pludderbach dran. Instand gesetzt werden müsse demnächst die Nebelbrücke bei Kuchelmiß (L11) und eine kleinere Brücke auf der L17 zwischen Lohmen und Breesen.

"Dringlichster Fall ist eine Brücke zwischen Mierendorf und Neu Mierendorf", sagt Harald Teichmann vom Ordnungsamt, das im Amt Güstrow-Land für die Brücken zuständig ist. Problem hier wie überall: der mindestens 25-prozentige Eigenanteil der Gemeinde Plaaz an den geschätzt 200 000 Euro Kosten.

"Noch keinen Handlungsdruck" verspürt dagegen Marion Hünecke vom Laager Bauamt, nachdem der Neubau der Dolgener Bahnüberführung das größte Sorgenkind im Amt Laage-Land war. Mittelfristig sei eine Instandsetzung des Polchowübergangs bei Polchow nötig sowie der Mühlbachbrücke bei Korleput. Schäden und Mängel seien bei den jüngsten Prüfungen vielerorts festgestellt worden, aber standsicher wären alle Brücken im Amtsbereich, sagt Hünecke.

Prüfungen an dem mehr als einem Dutzend Brücken im Amt Krakow am See stehen in diesem Jahr erst wieder an. Zwischen 1000 und 2000 Euro kostet solch eine Prüfung, je nach Größe und Art des Bauwerks auch mehr, sagt Erhard König vom Bauamt, der damit rechnet, dass dabei Schäden und Mängel zu Tage treten. "Nutzbar sind sie aber alle noch", versichert König.

Von "einigen stark, anderen weniger sanierungsbedürftigen" Brücken im Amt Bützow-Land weiß auch Doris Zich vom Bützower Bauamt. Man beobachte das genau, erst vergangenes Jahr gab es turnusmäßige Prüfungen. Derzeit laufen die Planungen für einen Ersatzbau der Fußgänger- und Radlerbrücke in der 3. Ausfallstraße in Bützow; die Kosten werden auf 160 000 bis 210 000 Euro geschätzt. Nur noch Restarbeiten am Neubau der Gummiweg-Brücke stehen aus. Zich: "Sicher sind alle. Aber gemacht werden müsste fast überall etwas."

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