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Lokales

25. September 2017 | 15:17 Uhr

Bruchlandung, aber nicht tot

vom

svz.de von
erstellt am 01.Jul.2011 | 07:28 Uhr

Perleberg | Es geht um rund 147 Hektar, sprich den Nordteil des ehemaligen Militärflugplatzes in Perleberg einschließlich Landebahn. All das steht zum Verkauf, der "Prignitzer" berichtete. Die Eigentümer - Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIma) und Brandenburgische Bodengesellschaft (BBG) - haben diese Fläche zu einem Paket geschnürt, in zwei Lose geteilt und zum Verkauf für die Nutzung als Solarfläche und als Flugplatz angeboten. Drei Millionen - Eigenmittel und Zusagen potenzieller Pächter der Solarflächen - hat der Aero-Club, der als Verpächter agieren wollte, geboten und weitere 500 000 Euro an Investitionen in den Ausbau der Infrastruktur des Flugplatzes zugesichert. Dennoch kam die Absage. Die Begründung: "... BBG und BIma sind nach haushaltsrechtlichen Vorschriften gehalten, ihre landes- und bundeseigenen Objekte ausschließlich zum vollen Verkehrswert zu veräußern." Wie hoch dieser ist? Karsten Heilek, Präsident des Luftsport-Landesverbandes Brandenburg e. V. und Vorsitzender des Perleberger Aero-Clubs, zuckt mit den Schultern. "Wir wurden nur angehalten, unser erstes Angebot nachzubessern, praktisch zu verdoppeln, was wir taten. Jetzt ist die Rede von einer weiteren Verdoppelung."

Bisher gab sich der Verein optimistisch, wenn auch nicht blauäugig hinsichtlich des Verkaufes der 147 Hektar samt Landebahn. "In einem Stück erworben, bestehe sogar die Option auf Erweiterung der Solarfläche, so die Aussage des Verkäufers", fügt Karsten Heilek an. "Das machte schon nachdenklich, und danach wird nun offensichtlich auch verfahren."

Wie sich zeigt, bestimmen nicht Verdienste und Engagement für die Region, wer den Zuschlag erhalte, betont der Vereinschef. Denn nicht von ungefähr wurde der Perleberger Flugplatz im Zuge der Bekämpfung des Elbehochwassers 2002 mit einer Ehrenmedaille der Landesregierung ausgezeichnet.

Gebot für Landebahn ausgeschlagen

Dem Verein wurde zwar die Möglichkeit eingeräumt, wenn er schon nicht die Nebenflächen bekommt, zumindest hinsichtlich der Landbahn weiter im Rennen zu bleiben. "Wir haben aber so keine wirtschaftliche Grundlage, etwas für den Flugplatz und die Entwicklung des Flugsports zu tun", betont Heilek. Der alte Tower sollte wieder nutzbar gemacht und zu einem Luftsportzentrum Nordwestbrandenburg entwickelt werden, multifunktional ausgerichtet und Elemente des Luftsports, der Verkehrsinfrastruktur, des Tourismus, der Förderung zur Fachkräftegewinnung und eine Plattform mehrerer gemeinnütziger Interessen beinhalten. Das heißt Fachkräftekompetenz sollte hier etabliert werden. "So jedenfalls waren unsere Vorstellungen. Konkrete Absprachen dazu gab es bereits mit der Luftfahrtindustrie und Bildungsträgern", führt Heilek aus. "Mit fünf Euro als Landegebühr ist das nicht zu machen." Und er geht noch weiter. Die Hangars habe der Verein erworben, auch unter dem Aspekt, auch das andere Areal zu kaufen. "Für die Hallen besteht eine Nutzungsbindung, sprich 15 Jahre dürfen sie nur für den Luftsport verwendet werden. Wir können sie uns aber nicht einfach unter den Arm klemmen und woanders hingehen." Ist der Luftsport tot, fallen sie wieder an das Land. "Das nenne ich kalte Enteignung. Wir geben aber nicht auf und werden Klage beim Bundesverfassungsgericht Karlsruhe und beim Landesverfassungsgericht in Potsdam einreichen. Zudem ist ein offener Brief an die Bundes- und Landesregierung gegangen."

>> STADTINTERESSE

Die Stadt will laut neuem Flächennutzungsplan (FNP) auf dem Flugplatzareal ein Miteinander von wirtschaftlichen Interessen, sprich Nutzung für Solar und Flugsport. Sie ist zwar nicht der Eigentümer der Flächen, hat aber Planungsrecht. Donnerstagabend behandelten die Stadtverordnetenversammlung die 3. Änderung des FNP.


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