Bremse für Güstrow, Abriss in Bützow

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18. Juli 2010, 05:54 Uhr

güstrow/Bützow/laage | Städte schlagen Alarm! Wenn der Bund, wie von Bauminister Ramsauer (CSU) angekündigt, die Städtebau-Fördermittel um 50 Prozent reduziert, bedeutet das einen erheblichen Rückschritt bei der Sanierung der Innenstädte, teilweise gerät das Ziel sogar völlig aus den Augen. Statt 610 nur noch 305 Millionen Euro will der Bund ab 2011 ausreichen.

92 Millionen Euro Fördermittel sind seit dem Start des Altstadt-Sanierungsprogramms in Güstrow geflossen. Bei gleichbleibendem Baufortschritt könnte der Altstadtkern bis 2020 in den Grundzügen saniert sein, schätzt Bürgermeister Arne Schuldt ein. Erforderlich seien dafür weitere rund 60 Millionen Euro aus Bund, Land und Kommune - jeder ko-finanziert die Städtbauförderung mit je einem Drittel -, auch um die privaten Bauherren bei der aufwändigen Erhaltung ihrer oft historisch bedeutsamen Gebäude zu unterstützen. Dach, Fassade, Fenster: Die Hülle eines Hauses, kann gefördert werden, bliebe ohne diese Hilfe nur in den seltensten Fällen erhalten. Fehlte dieses Geld, bliebe ein Stück Lebensqualität in der Stadt auf der Strecke, die der Gemeinschaft zu Gute kommt und beileibe nicht nur den Hausbesitzern.

Von einem "Sparen am falschen Ende" spricht Dr. Peter Lack vom Güstrower Stadtsanierer Big-Städtebau. 50 Prozent weniger Fördermittel bedeuteten auch um 50 Prozent sinkende Aufträge für Bau und Handwerk in der Region, weniger Arbeitsplätze, geringere Steuereinnahmen. Rund 18 000 Arbeitsplätze in M-V stünden im Zusammenhang mit der Stadtsanierung, davon rund 1200 in und um Güstrow, wo 80 Prozent der Planungs- und sogar 90 Prozent der Bauaufträge blieben. Lack weiß: Viele Kommunen knapsen sich das Letzte ab, nehmen hohe Kredite auf für diesen regionalen Struktureffekt.

Bis mindestens 2018 rechnete Laage fest mit den bisherigen Fördermitteln von Bund und Land, sonst wäre "die eine oder andere Maßnahme" nicht mehr durchführbar, sagt Frank Claus von der Big, die auch in Laage die Sanierung begleitet. Claus spricht von noch erhöhtem Bedarf im Scheunenviertel, auch sei ein zusammenfallende Fachwerkhaus am Markt kaum noch zu retten, blieben in der Altstadt weitere sanierungsbedürftige Häuser stehen.

In Bützow wohl nicht einmal mehr das. "Wir haben in 19 Jahren gerade mal gut die Hälfte geschafft", sagt Mathias Granitzki von der Gos, Städtesanierer in der Warnowstadt. Besonderes Problem: In Bützow gehört der mit Abstand größte Bestand der denkmalgeschützten Häuser der Kommune. Auf derzeitigem Förderniveau (bisher flossen 51 Millionen Euro) benötige man immer noch gut zehn Jahre. Sollte das auf vielleicht 20 Jahre gestreckt werden müssen, komme Bützow schon in die Nachsanierung bereits fertiger Häuser. Granitzki: "Dann werden wir nie fertig." Einem Drittel des Altstadtgebietes drohe als Folge nur noch der Abriss.

Zu einem Krisentreffen hat deshalb Schwerins Bauminister Schlotmann (SPD) kommunale Vertreter zum Donnerstag eingeladen: "Wir müssen versuchen zu retten, was zu retten ist." Der Städte- und Gemeindetag fürchtet schon, dass auch die Länder ihren bisherigen Drittelanteil zurückfahren werden.

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