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Lokales

18. August 2017 | 20:04 Uhr

Brandserie sorgt für schlaflose Nächte

vom

Goldenstädt | In der Nacht zu gestern war es wieder soweit: Gegen 1 Uhr heulten die Sirenen in Goldenstädt und Mirow. Sie rissen die derzeit ohnehin schlecht schlafenden Einwohner der Lewitzdörfer aus dem Schlummer. Zum dritten Mal innerhalb von vier Wochen brannten Stroh- und Futterlager auf dem Areal der Rinderställe am Ortsausgang in Richtung Banzkow.

Was viele Goldenstädter längst vermutet hatten, wurde in dieser Nacht klar belegt: Es ist Brandstiftung. Denn an beiden Eingängen des kleinen Futterhauses der Genossenschaft begannen gerade Strohballen zu brennen, als das Feuer entdeckt und gemeldet wurde. Feuerwehrleute konnten diese Ballen aus dem Gebäude holen und ablöschen. Auf der anderen Straßenseite ging es nicht so glimpflich ab. Hier brannten 150 Rundballen Stroh eines anderen Landwirtschaftsbetriebes. Das als Streugut für die etwa 150 Tiere dieses Hofes vorgesehene Stroh wurde vernichtet bzw. unbrauchbar.

Der in dieser Nacht entstandene Sachschaden von rund 3000 Euro spiegelt längst nicht das Ausmaß wider. Rein finanziell liegt der Schaden schon bei mehreren hunderttausend Euro. Denn exakt auf diesem Areal brannte es bereits am 6. August und nochmals am

17. August. Zuerst wurde eine Strohmiete und dann die große Bergehalle der Genossenschaft vernichtet. Auch diese Feuer brachen in der Nacht aus, jeweils gegen 22.30 Uhr.

"Der Täter muss ziemlich dreist sein", ist Reiner Kluth, Wehrführer von Gol denstädt und Mitarbeiter der Genossenschaft, überzeugt. Denn die 450 Milchkühe des Betriebes werden dreimal am Tag gemolken. "Eigentlich sind ständig Leute von uns auf dem Hof. Bemerkt hat leider keiner etwas."

Dabei sind längst alle Goldenstädter besonders aufmerksam. Die anhaltende Brandserie sorgt für eine Mischung aus Schock, Frust und Wut unter der gesamten Bevölkerung. "Es kann ja alles noch schlimmer kommen", sagt eine Anwohnerin. "Ich kann seit Wochen nicht mehr richtig schlafen und frage mich ständig, was passiert als Nächstes?" Dass die Polizei wegen der Brände jetzt öfter auf ihren Streifenfahrten Goldenstädt ansteuert, haben die Einwohner bemerkt. Das jüngste Feuer ist aber trotz des geringen Umfangs eine enorm große Belastung.

Das wissen natürlich auch die Fachleute von der Polizei. Die Kripo aus Parchim arbeitet mit Hochdruck an dem Fall. Und Klaus Wiechmann, Sprecher der Polizeidirektion Schwerin, bestätigt, dass die Polizei jetzt von Brandstiftung ausgeht. Zudem wird eine Ermittlungsgruppe gebildet.

Die Polizei wertet derzeit auch Hinweise aus, die sie bei ihren Ermittlungen vor Ort und aus der Bevölkerung erhalten hat. Zwei Tipps kamen, nachdem die Genossenschaft Anfang voriger Woche eine Belohnung von 5000 Euro auf die Hinweise zur Ermittlung des Brandstifters ausgesetzt hat. Zuständig ist die Polizeiinspektion in Parchim, Telefonnummer 03871-6000. Auch bislang nicht befragte Zeugen, die etwas von der Entstehung gerade des jüngsten Feuers mitbekommen haben, werden gebeten, sich dort zu melden.

Die Ermittlungen der Kripo konzentrieren sich dabei nun auf Goldenstädt. Denn nach jüngsten Erkenntnissen der Polizei war ein Brand von Stroh im benachbarten Mirow am 20. Juli durch Selbstentzündung entstanden.

Für die Feuerwehrleute aus der Re gion blieb es zudem nicht bei diesen vier Großeinsätzen. "Insgesamt mussten wir seit Ende Juli zehnmal ausrücken", berichtet Kluth. Denn das eigentlich gelöschte und auf abgeernteten Feldern ausgebreitete Stroh entzündet sich teilweise neu. Die qualmenden Rauchschwaden belästigen und beunruhigen die Anwohner, die die Feuerwehr rufen.

In der Nacht zu gestern waren mehr als 30 Kameraden der freiwilligen Feuerwehren aus Goldenstädt, Mirow, Banzkow und Plate im Einsatz. Gegen

6 Uhr hatten sie den Brand gelöscht. "Die meisten Kameraden mussten danach zur Arbeit", weiß Wehrführer Kluth. "Wir haben uns jetzt schon viele Nächte um die Ohren gehauen. Das geht allmählich an die Substanz."

Diese Aussage kann Reiner Kluth auch für die Futtermittelreserven der Genossenschaft treffen. Denn in allen drei Brandnächten war dieser Betrieb betroffen. "Wir haben uns aber schon mit den Landwirtschaftsbetrieben aus der Nachbarschaft verständigt: Sie helfen uns, falls es zu Engpässen kommt."

Doch der sehnlichste Wunsch der Goldenstädter und der Einwohner der Region ist es, dass dem Brandstifter schnell das Handwerk gelegt wird und alle wieder ruhig schlafen können.

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erstellt am 01.Sep.2010 | 07:16 Uhr

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