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Lokales

17. August 2017 | 15:49 Uhr

Brandschutz auf Südkoreanisch

vom

Rostock | In den vergangenen vier Monaten wehte ein etwas anderer Wind durch die Räume der Berufsfeuerwehr in Rostock: Südkoreanische Offenheit, Freundlichkeit und vor allem grenzenlose Neugierde. Leutnant Jeonghee Jin, Feuerwehrfrau im südkoreanischen Ministerium für öffentliche Angelegenheiten und Sicherheit, wollte ihren deutschen Kollegen einmal über die Schulter schauen - und von ihnen lernen.

"Ich habe ein besonderes Interesse an der Freiwilligen Feuerwehr und werde einen langen Bericht über meine Erkenntnisse im Rahmen des Studienprojekts ,Deutsches Feuerwehrwesen schreiben", erzählt die 35-Jährige. Der Ruf eilt den Feuerwehren hierzulande nämlich voraus - bis ans andere Ende der Welt. Freiwillige Feuerwehren gibt es zwar auch in Südkorea, aber diese besitzen keine eigenen Fahrzeuge und sind längst nicht so eingebunden wie in Deutschland. Das hat Jeonghee Jin sehr fasziniert.

Ausbildung läuft viel systematischer ab

Aber auch die Ausbildung der Feuerwehrleute in der Hansestadt machte Eindruck auf die studierte Germanistin: "Die läuft hier viel systematischer ab. Das möchte ich unbedingt in Südkorea umsetzen." Des öfteren ist sie mit ihren Rostocker Kollegen von der Brandschutzerziehung in die Grundschulen gegangen, um die Kinder bis zur vierten Klasse zu belehren. "Das gibt es bei uns gar nicht, leider. Ich werde das auf jeden Fall meinem Vorgesetzten vorstellen", sagt die Asiatin mit festem Willen.

Neben offiziellen Besuchen bei der Fliegerhorstfeuerwehr in Laage, dem Munitionsbergungsdienst von Mecklenburg-Vorpommern im Kreis Ludwigslust oder der Landesfeuerwehrschule in Malchow durfte Jeonghee Jin natürlich auch praxisnahe Erfahrungen sammeln. Zwei Tage im Rettungswagen zeigten ihr, wie sich die Kollegen unter Zeitdruck verhalten - nämlich "sehr ruhig. Das war wirklich eindrucksvoll. Sie haben die Patienten immer gut behandelt, egal wie groß der Stress auch war", berichtet sie.

Auch für die Rostocker Kollegen war es ein Erlebnis, mit Jeonghee Jin zusammenzuarbeiten. "Ich muss mein Bild von Südkorea jetzt wohl überdenken", gibt Ralf Gesk, stellvertretende Leiter des Brandschutz- und Rettungsamtes, zu. "Ich hätte nicht gedacht, dass das Land schon so weit entwickelt ist - was sowohl die Feuerwehr als auch die gesamte Industrie betrifft." Am Anfang sei die junge Frau sehr zurückhaltend gewesen, aber immer unheimlich aufmerksam und wissbegierig. Deswegen habe die Zusammenarbeit immer Spaß gemacht, so der Betreuer der Seoulerin weiter.

Rostock ist insgesamt die fünfte Station in Jeonghee Jins Deutschlandrundreise. Seit Juni 2009 hat sie bereits den Feuerwehren in Radolfzell, München, Koblenz und Iserlohn einen Besuch abgestattet. Heute schon geht es weiter nach Bruchsal bei Karlsruhe. Dann folgen noch Hamburg, Frankfurt/Main, München und Nürnberg, bevor Leutnant Jin im Frühjahr kommenden Jahres zurück in ihre Heimat fliegt. Die Stadt an der Ostsee - ihre einzige Station in Ostdeutschland - wird der Feuerwehrfrau immer besonders in Erinnerung bleiben.

"Ich war zwar nicht einmal in der Ostsee baden. Aber hier waren alle so freundlich zu mir. Ich bin sehr traurig, dass ich in die nächste Stadt muss", sagt sie und erzählt auch von ihrem tollen Gästezimmer in der Feuerwache Lütten Klein, von gemeinsamen kulturellen Erlebnissen - wie ein Törn zur Hanse Sail oder Grillen mit den Kollegen - und auch von dem anfangs schlechten Wetter, das ihr Probleme bereitete. Die E-mail-Adressen - vor allem mit Betreuer Ralf Gesk - sind längst ausgetauscht.

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erstellt am 08.Sep.2010 | 08:04 Uhr

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