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Lokales

19. November 2017 | 11:44 Uhr

Brandenburgs Aufschwung pendelt

vom

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erstellt am 16.Jan.2011 | 06:38 Uhr

Potsdam | Die Erfolgsmeldungen in Sachen Arbeitsmarkt, mit denen sich die märkische Landespolitik oft schmückt, vergessen zumeist zu erwähnen, dass ein wesentlicher Teil der Verbesserungen nicht hausgemacht ist. Detaillierte Studien belegen, dass Brandenburg in immer größerem Maße von der wirtschaftlichen Entwicklung Berlins abhängig wird.

Gerne berufen sich Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und seine rot-roten Mitstreiter in diesen Tagen zum Beispiel auf den Bundesländervergleich der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft", bei dem Brandenburg tatsächlich hervorragend abschneidet. Aber in diesem Lob für die Entwicklung steckt auch ein Satz, der in Potsdam gerne vergessen wird: "Zudem importieren Berufspendler, die in Berlin arbeiten und in Brandenburg wohnen, Wohlstand in die Mark", heißt es da. Der Volkswirt Dieter Bogai sagt dazu: "Brandenburg nimmt wegen seiner Lage sicher eine Sonderstellung unter den Bundesländern ein. Nirgendwo sonst ist der Arbeitsmarkt so eng und in steigendem Maße mit der Entwicklung in einem anderen Land verbunden." Bogai arbeitet für die Bundesagentur für Arbeit an Analysen zur Situation in der Region Berlin-Brandenburg.

In der Veröffentlichungen der Bundesagentur wird nachgewiesen, dass Brandenburg nicht nur in einem immer stärkeren Maße von der Entwicklung in Berlin abhängt, sondern dass die Bundeshauptstadt zudem wesentliche Auswirkungen auf die Gebiete des Landes hat, die in größerer Entfernung zu Berlin liegen. "Wir haben das wohl beste Zahlenmaterial für die Analyse, da bei uns jeder sozialversicherungspflichtig Beschäftigte gemeldet ist", sagt Bogai.

Und dieses Material spricht eine deutliche Sprache. Brandenburg führt, was die Mobilität seiner Bewohner betrifft, mit weitem Abstand die Liste der Bundesländer an. Mehr als 28 Prozent seiner abhängig Erwerbstätigen sind jenseits der Landesgrenzen beschäftigt - ein einsamer Spitzenwert, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz folgen mit Werten um die 20 Prozent.

In absoluten Zahlen heißt dies, dass sich tagtäglich fast genau 250 000 Brandenburger auf den Weg in ein anderes Bundesland machen - die weitaus meisten davon nach Berlin. Auch wenn man berücksichtigt, dass es in umgekehrter Richtung ebenfalls Bewegung gibt, bleibt das Bundesland die Ausnahme. Denn der Saldo, also der von der Zahl der Auspendler abgezogene Wert der Einpendler liegt bei etwa 140 000. Konkret heißt dies, dass fast jeder siebte Arbeitsplatz für Brandenburger in der Fremde liegt.

Innerhalb des Landes führt das zu einer Art Binnenwanderung - vom Rand zu Arbeitsstätten in größerer Nähe zu Berlin, sagt Bogai. Zu den Berlin-Fahrern gesellt sich also ein unverhältnismäßig hoher Anteil an Binnenpendlern. Die Statistiken belegen, dass das Bundesland bei den langen Arbeitswegen einsame Rekorde verzeichnet und somit ein erheblicher Teil der verbesserten Arbeitslosenquote darauf zurück zu führen ist, dass die Märker bereit sind, diese langen Wege in Kauf zu nehmen. Unter diesen Pendlern sind unverhältnismäßig viele Frauen - auch darin unterscheidet sind das Bundesland deutlich von anderen.

Die Abhängigkeit Brandenburgs von der gedeihlichen wirtschaftlichen Entwicklung berücksichtigen diese Statistiken allerdings auch nur zum Teil. "Sicher gibt es etliche Betriebe, die in Brandenburg angesiedelt sind, aber fast ausschließlich in oder für Berlin tätig sind", sagt Bogai. Diese Zahlen seien allerdings nur schwer zu erfassen.


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