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Lokales

22. November 2017 | 04:47 Uhr

DDR-Geschichte : Brandenburger Unis sind Spitze

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Die Arbeit der Enquetekommission des brandenburgischen Landtags zur Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit bleibt schwierig. Die Mitglieder vereinbarten gestern in Potsdam mehrheitlich, dass der Autor eines umstrittenen Gutachtens, der Politologe Steffen Alisch, seine Arbeit nachbessern solle.

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erstellt am 05.Nov.2011 | 04:02 Uhr

Die Arbeit der Enquetekommission des brandenburgischen Landtags zur Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit bleibt schwierig. Die Mitglieder vereinbarten gestern in Potsdam mehrheitlich, dass der Autor eines umstrittenen Gutachtens, der Politologe Steffen Alisch, seine Arbeit nachbessern solle. Alisch war in seiner im Auftrag des Gremiums erstellten Abhandlung zu dem Schluss gekommen, dass Brandenburgs Parteien durchgängig wenig Interesse an einer Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit gehabt hätten.

Der SPD-Abgeordnete Thomas Günther hatte im September öffentlich scharfe Kritik an dem Gutachten geäußert, sich erstmals dafür entschuldigt. "Ich bin lernfähig", sagte er. Zugleich warb Günther dafür, das Gutachten nachbessern zu lassen, da Beschreibung, Analyse und Bewertung nicht genügend voneinander getrennt seien. In der Enquetekommission gibt es seit Monaten immer wieder Streit über die im Auftrag des Gremiums erarbeiteten Papiere.

Gestern wurde indes ein neues Gutachten vorgestellt. Der Hochschulforscher Jens Hüttmann von der Bundesstiftung Aufarbeitung berichtete über den Umgang der märkischen Hochschulen mit der DDR-Vergangenheit. In seinem Gutachten untersucht er inhaltliche und personelle Entwicklungen nach 1990, insbesondere an der Universität Potsdam und der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).

Hüttmann kommt zu dem Schluss, dass Brandenburg im Bereich Lehre zur DDR bundesweit den Spitzenplatz einnehme - zumindest auf der Grundlage der Zahl der angebotenen Veranstaltungen. Der Gutachter weist aber auch auf Erkenntnisse hin, die eine kritische Beurteilung des Forschungs- und Lehrbetriebs nahelegen. So konzentriere sich die wissenschaftliche Tätigkeit oft auf Themen aus dem Bereich der Künste und Literatur. Die Beschäftigung beispielsweise mit dem Widerstands gegen das SED-Regime fehlt weitgehend.

Mitglieder der Kommission fragten angesichts solcher Befunde vergeblich nach den Gründen für diese Konzentration auf Themen, die zumindest dem Anschein nach geringeren politischen Sprengstoff beinhalten. Brandenburg hatte im Gegensatz zu den anderen ostdeutschen Ländern 1990 keine eigene Universitätslandschaft und begann erst mit dem Aufbau dieser Einrichtungen.

Der Sachverständige Klaus Schroeder kritisierte das Gutachten scharf. Hüttmann habe seine Aufgabe nicht erfüllt und nicht geklärt, wie die DDR an den Unis dargestellt wird. Er vermisse eben gerade Aussagen darüber, wie die Lehrprogramme inhaltlich ausgestaltet werden.

 

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