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Strafanzeige zurückgezogen, dann doch wieder gestellt : Brähmer-Prozess: Belastungszeuge sagt aus

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Im Berufungsprozess um Jürgen Brähmer wurde gestern ein Hauptbelastungszeuge vernommen. Der ehemalige Diskotheken-Betreiber war im Mai 2008 als Gast in einer Schweriner Bar mit dem Profiboxer in Streit geraten.

svz.de von
erstellt am 28.Mär.2011 | 08:21 Uhr

Schwerin | Im Berufungsprozess um Profiboxer Jürgen Brähmer wurde gestern ein Hauptbelastungszeuge vor dem Schweriner Landgericht vernommen. Der Ex-Diskothekenbetreiber war im Mai 2008 als Gast in einer Bar am Pfaffenteich mit dem Halbschwergewichtler in Streit geraten. Der habe ihn beschimpft und ihm ein Getränk ins Gesicht gekippt. Der Boxer habe auch einen Aschenbecher in seine Richtung geworfen.

"Ich hatte keinen Bock auf Stress", sagte der heute 49-Jährige. Schließlich habe er damals wegen Körperverletzung unter Bewährung gestanden und nichts riskieren wollen. Zumal 90 Prozent der Gäste Bekannte des Box-Champions gewesen seien. Weil ihm schwante, dass es weiter Ärger geben wird, habe er die Polizei über Handy zu Hilfe gerufen. "Die Wirtin forderte mich auf, das Lokal zu verlassen", sagte der Zeuge. An der Tür sei es zu Gerangel gekommen. Brähmer habe ihn am Unterarm gekratzt und mit der Faust am rechten Ohr getroffen. "Aber nur leicht, mehr gestreift. Ich hatte keine ernsthafte Verletzung", versichert er. Wenige Tage nach dem Vorfall zog er seine Strafanzeige zurück. "Ich bin entschädigt worden", begründet er. 1500 Euro habe ihm ein Geschäftspartner von Brähmer gegeben.

Vier Monate später zeigt der Zeuge den Boxer jedoch erneut an. Das war im September - als er von dem Streit Brähmers mit einer Bekannten hört. Laut Urteil aus der ersten Instanz hat der Angeklagte die Frau beleidigt und ihr mit dem Handrücken ins Gesicht geschlagen. Eine Freundin der Frau, Zeugin des Vorfalls, habe ihn angerufen, sagt der 49-Jährige. "Die beiden hatten Angst", begründet er, warum er sich einmischte und Anzeige erstattete, obwohl das die Frauen gar nicht wollten.

Die Vernehmung des Mannes gestern dauert mehrere Stunden. Er redet viel, schweift ab, sagt "Das war so, definitiv!". Und relativiert dann seine Aussage doch wieder. Wie bei der Sache mit dem Aschenbecher. Nach intensivem Nachfragen ist er sich nicht mehr sicher, ob tatsächlich Brähmer geworfen hat. Die Verteidiger fragen hartnäckig nach. Vor dem Amtsgericht war Brähmer wegen beider Vorfälle zu einer 16-monatigen Freiheitsstrafe verurteilt worden, die er im Gefängnis verbüßen soll, weil er 2008 noch unter Bewährung stand. Sowohl der Profiboxer als auch der Staatsanwalt haben das Urteil angefochten. Damals war die Stimmung aufgeheizt. Der neue Anklagevertreter spricht mit leiser, fast sanfter Stimme. Und die Vorsitzende Richterin hält mit gelassenem Lächeln und gezielten Ermahnungen die Prozessbeteiligten weitgehend in Schach. Ob die Stimmung gut oder schlecht für den Boxer ist, wird sich wohl erst nach seinem WM-Verteidigungskampf im Mai zeigen. Nach heutigem Stand wird der Prozess vorher nicht zu Ende gehen.

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