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Bürgermeister lobt das Engagement : Bolzerin räumt Müll in Mustin weg

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Weil Helga Kastirke den Anblick des verlodderten Container-Stellplatzes in Mustin nicht mehr ertrug, hat sie kurzerhand Müllberge beseitigt und geputzt. Nun kümmert sich die 50-Jährige jede Woche um die Sauberkeit dort.

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erstellt am 05.Apr.2011 | 07:53 Uhr

Mustin | Weil Helga Kastirke den Anblick des verlodderten Container-Stellplatzes in Mustin nicht mehr ertrug, hat sie kurzerhand Müllberge beseitigt und geputzt. Nun kümmert sich die 50-Jährige jede Woche um die Sauberkeit dort. Der Bürgermeister ist begeistert. Die Container stehen mitten in Mustin - Helga Kastirke kommt freiwillig aus Bolz, um den Müll ihrer Mitmenschen wegzuräumen.

"Ich habe es nicht mehr ausgehalten", erklärt Helga Kastirke, die in Bolz eine Hundeschule betreibt. Beruflich komme sie viel herum und könne einen Vergleich zur Sauberkeit in einzelnen Dörfern ziehen. So gefalle ihr z.B., wie die Nachbarn in Dabel ihren Ort pflegen. Mustin dagegen, zumindest die Stelle mit den Abfallcontainern, sei "weit und breit der schmutzigste Ort" gewesen. Also packte die Bolzerin zu. Rings um die Container habe viel Müll gelegen: Reste von Wohnungsauflösungen, Farbtöpfe, Plastik-Säcke voller Glas, jede Menge kleine Schnapsflaschen. "Es sah so aus, als ob jemand eine Party gefeiert hat", so Kastirke.

Mustins Bürgermeister Berthold Löbel freut sich über das Vorbild: "Ich finde das sehr gut." Da die Gemeinde immer weniger Geld und keine Ein-Euro-Jobs für solche Aufgaben mehr habe, sei der persönliche Einsatz der Einwohner mehr denn je gefragt. Helga Kastirke sei dafür ein ausgezeichnetes Beispiel.

Ihr Einsatz mitten im Ort zog sofort Aufmerksamkeit anderer auf sich. Einige Mustiner seien hinzugekommen und hätten gesagt: Hier muss etwas passieren. "Einer muss anfangen", begründet Helga Kastirke ihr Engagement und hofft, dass ihre Mitmenschen nun auch "ein Auge auf die Container" haben. Mindestens einen gebe es bereits: Denn nach dem Einsatz der Bolzerin hat jemand ein Hinweisschild angebracht, das auf humorvolle Weise zur Ordnung mahnt. Zitat: "Fällt was daneben, so legt es wieder rein, denn zu Hause seid Ihr auch kein Schwein." Berthold Löbel dachte bis gestern, dass Helga Kastirke dafür zuständig ist. Doch sie wehrt lachend ab: "Ich würde gern wissen, wer das gemacht hat."

Jeden Freitagvormittag wolle sie nun - falls nötig - den Container-Stellplatz in Mustin reinigen. Wie dies abläuft, darüber hat die 50-Jährige eine klare Vorstellung: kurzer Kontrollblick am Donnerstagabend, dann eine SMS an den Bürgermeister, damit er ihr am Freitag einen Müllbehälter aufschließt.

Warum aber kümmert sie der Müll in Mustin? "Ich komme aus einem geordneten Haushalt", anwortet Helga Kastirke. "Ich möchte einfach nicht in einer Gemeinde leben, in der es so dreckig ist." Sie hoffe natürlich auf Nachahmer. "Ich wünsche mir, dass es in Zukunft dort nicht mehr so dreckig ist." Dann habe ihr Vorstoß schon viel bewirkt.

Am vergangenen Sonnabend fanden sich rund 60 Mustiner ein, um beim Frühjahrsputz der Gemeinde in den Ortsteilen mitzumachen. "Ich war angenehm überrascht", erklärt der Bürgermeister.

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