Blondköpfchen für den Gaumen

48 Tomatensorten rekultiviert der Löcknitzuferverein derzeit.
48 Tomatensorten rekultiviert der Löcknitzuferverein derzeit.

Goldköpfchen und Streifenhörnchen - im Mesekow kann man sie sich auf der Zunge zergehen lassen. Denn dahinter verbergen sich hier Tomatensorten, wie sie einst auch in deutschen Gärten zu finden waren.

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10. August 2009, 09:12 Uhr

Mesekow | Allerdings ist das schon etliche Jahre her, da diese Sorten auch auf unseren Parzellen wuchsen, weiß Elke Menz. Von Beruf Agraringenieurin leitet sie das Projekt Rekultivierung seltener Nutzpflanzen. Die Goldene Königin beispielsweise ist eine alte deutsche Sorte, die in den 20er Jahren vielfach angebaut wurde, dann allerdings geriet sie in Vergessenheit, erzählt die 52-Jährige. Dass jene nun wieder das Bild in den Kleingärten mitbestimmen, das hat sich der Verein auf die Fahnen geschrieben. "Für Gartenbaubetriebe und ähnlich gelagerte Unternehmen sind diese Sorten sicher nicht geeignet", räumt Elke Menz offen ein. Zu gering sei der Ertrag, zu arbeitsintensiv Anbau und Pflege. "Aber im Geschmack sind sie eben unübertrefflich", schwört die Fachfrau. Darunter gibt es auch wahre Exoten, wie die Green Zebra, die Tomatenapfelsine, die schwarzen Vertreter wie Blackplum oder Schwarze Prinzessin oder eben die Evergreen, deren Fruchtfleisch grün ist. Gewöhnungsbedürftig fürs Auge, aber eine Genuss für den Gaumen, denn "sie ist überaus fruchtig im Aroma, schmeckt, wie Tomaten einfach schmecken müssen". 48 Sorten aus aller Welt haben die sechs Ein-Euro-Jober in diesem Jahr angebaut, und jedes Jahr kommen fünf bis sechs neue alte Sorte hinzu. "Mit zehn haben wir vor fünf Jahren begonnen", erinnert sich Helga Menz. "Früher kannten wir nur Harzfeuer. Das war eine sehr gute Sorte", erzählt Familie Günther aus Groß Breese. Zum Schautag nach Mesekow kommen sie seit Jahren. Zwölf Sorten stehen inzwischen auch in ihrem Garten und neue werden natürlich stets auch ausprobiert.

Genüsslich kostet Armin Ringhandt aus Wittenberge die Datteltomate. "Echt lecker und von der Größe so, dass man sie gut vom Strauch essen kann. Die passt in den Mund." Das erste Mal sei er zum Schautag nach Mesekow gefahren. Als Hobbygärtner, der er seit 1984 sei, könne er hier durchaus das eine oder andere Interessante in Sachen Tomaten und Kartoffeln erfahren. Stimmt, denn auch Kartoffeln rekultivieren die Frauen um Helga Menz. Inzwischen sind es 24 Sorten. Die Exoten hier Blauer Schwede, Blaues Hörnchen oder die tief dunkel gefärbte Vitelotte. Einem Kartoffelsalat gibt sie richtig Farbe, "das ist schon was fürs Auge", so die Fachfrau, "und natürlich auch für den Gaumen".

Auf rund 5000 Quadratmeter werden in Mesekow Tomaten und Kartoffeln rekultiviert. Am Sonnabend konnte man sich durch die Sorten probieren und sich seine Favoriten vormerken, denn ab Anfang Oktober kann man beim Löcknitzufer e. V. auch wieder das entsprechende Saatgut bekommen.

"An die 1000 Besucher hatten wir zu unserem Schautag im vergangenen Jahr. Auf die Zahl kommen wir mindestens wieder", ist sich Helga Menz sicher. Denn, obwohl es erst um 11 Uhr losgehen sollte, herrscht auf dem Gelände des Vereins bereits ab 10 Uhr reger Betrieb.

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