Bleibt Becker auf der Strecke?

Seit zwei Jahrzehnten erfasst Becker Umweltdienste im Landkreis Prignitz zu großen Teilen den Müll. Ist das Ende dieser Ära absehbar? Heute entscheidet der Kreisausschuss über das Unternehmen, das nach derAusschreibung den Zuschlag erhalten soll.
Seit zwei Jahrzehnten erfasst Becker Umweltdienste im Landkreis Prignitz zu großen Teilen den Müll. Ist das Ende dieser Ära absehbar? Heute entscheidet der Kreisausschuss über das Unternehmen, das nach derAusschreibung den Zuschlag erhalten soll.

Am Donnerstatg soll im Kreisausschuss über die künftige Müll erfassung entschieden werden. Besser gesagt über das Unternehmen, das ab 2010 diese Aufgabe übernimmt. Der Landkreis hatte auf Beschluss des Kreistages Prignitz (Legislaturperiode bis 2008) die Leistungen ausgeschrieben. Diese Ausschreibung war nicht umumstritten.

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19. August 2009, 06:19 Uhr

Prignitz | Erster Tagesordnungspunkt der heutigen Kreisausschusssitzung im nicht öffentlichen Teil sind Auftragsvergaben. Dahinter verbirgt sich nach "Prignitzer"-Recherche auch die Entscheidung über das Unternehmen, das künftig im Landkreis Prignitz den Restmüll erfasst, sprich einsammelt. Und das bis längstens 2018. Nach mehrheitlichem Abstimmungsergebnis im Müllausschuss soll nicht Becker Umweltdienste den Zuschlag für das Hauptlos erhalten. Also das hiesige Unternehmen, an dem der Landkreis auch Gesellschafteranteile besitzt.

54 Mitarbeiter stehen bisher bei Becker in Lohn und Brot, erhalten tarifliche Gehälter. Genau die seien aber nicht mehr möglich, wenn Becker bei der Ausschreibung eine Chance haben wolle, hatte Geschäftsführer Kurt Weigelt schon vor gut einem Jahr dem "Prignitzer" gegenüber vorgerechnet. Denn "es gibt seit Jahren einen Kampf auf dem Müllmarkt". "Man kann aber nicht an Sprit, an Versicherungen oder Fahrzeugen sparen, es bleiben eigentlich nur die Personalkosten, will man günstiger wirtschaften", beschrieb Weigelt das Problem.

Ohnehin wird es Leistungseinschränkungen bei Becker nach einer bundesweiten Ausschreibung des Dualen Systems (gelber Sack) geben. Deshalb erhielten bereits gut zehn Mitarbeiter aus der Erfassung und Sortierung zum Jahresende ihre Kündigung, wie der "Prignitzer" gestern von Geschäftsführer Peter Wladacz erfuhr. Ohne die Müllerfassung, so ermittelte Weigelt schon vor einem Jahr, "bricht etwa ein Drittel des Betriebsumsatzes weg. Das heißt, wir müssen uns dann gesundschrumpfen".

Becker Umweltdienste hat zwei Gesellschafter, das sind zu 50 Prozent die Jakob Becker GmbH und Co. KG Mehlingen und zu 50 Prozent der Landkreis Prignitz. Nachdem schon von einem Verkaufswunsch der kreislichen Anteile die Rede war, werde eine Veränderung der Gesellschafteranteile nach Aussage von Landrat Hans Lange derzeit nicht weiter verfolgt.

Anlass für die Ausschreibung der Müllerfassung war es, diese wichtige Dienstleistung für den Bürger flexibler und preiswerter zu gestalten. Ob das der Bürger auch in der eigenen Geldbörse spürt, steht fest, wenn die neue Gebührensatzung im Kreistag beschlossen ist. Grundlage dafür ist sicher auch das Ausschreibungsergebnis, sprich das Angebot des Unternehmens, das für die künftige Müllentsorgung im gesamten Kreis den Zuschlag erhält. Bisher teilen sich diese Aufgabe drei Unternehmen, wobei Becker den größten Anteil habe. Wenn die "Prignitzer"-Informationen stimmen, dann soll die Angebots-Differenz zwischen dem Wunschkandidaten des Müllausschusses und Becker bei 24 000 Euro liegen.

In der Kreisverwaltung wollte man sich gestern zu dem Thema nicht äußern, verwies auf die Nichtöffentlichkeit.

Klaus Petry und Ulrich Siodla, sie wurden bei den Kommunalwahlen 2008 für die SPD in den neuen Kreistag gewählt, hatten sich dafür stark gemacht, die Ausschreibung auszusetzen, im neuen Kreistag noch einmal über das Thema zu beraten, denn ihrer Meinung nach sollte alles, was zur Daseinsvorsorge der Bürger zu leisten ist, in kommunaler Hand bleiben. "Verträge mit Firmen schränken in der Flexibilität ein", hatten die beiden langjährigen Wittenberger Kommunalpolitiker betont. Doch sie konnten sich nicht durchsetzen. Für Petry und Siodla sind mit Müll künftig wesentlich höhere Preise zu erzielen. "Doch die Gewinne werden woanders abgeschöpft, der Landkreis ist außen vor." Zumal mit der MEAB auch die gesamte Restmüllentsorgung des Landkreises bis 2017 an ein privates Unternehmen gegeben wurde.

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