Bleiben Obdachlose auf dem Dreesch?

Die ehemalige Kita an der Anne-Frank-Straße  ist aus Verwaltungssicht der beste Platz für die Wohnungslosenunterkunft. Foto: Klawitter
Die ehemalige Kita an der Anne-Frank-Straße ist aus Verwaltungssicht der beste Platz für die Wohnungslosenunterkunft. Foto: Klawitter

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30. März 2010, 11:02 Uhr

Grosser Dreesch | Der alte Standort für die Schweriner Wohnungslosenunterkunft könnte auch der neue sein: der Große Dreesch. Die Verwaltung stellte gestern Abend den Platz vor, den sie nach langer Prüfung für den besten hält, nämlich die ehemalige Kita in der Anne-Frank-Straße 31. Gleich schräg gegenüber sind die Wohnungslosen zurzeit untergebracht. Doch der Plattenbau, in dem sie jetzt leben, soll demnächst abgerissen werden und dem Neubaugebiet "Wohnen am Park" Platz machen.

Insgesamt neun Standorte hat die Verwaltung im vergangenen Jahr intensiv unter die Lupe genommen. Darunter die Hauptstraße 2 in Groß Medewege, die ehemalige Wilhelm-Busch-Schule in Görries, das Gebäude der Kita Kirschblüte in der Weststadt, eine ehemalige Kita-Fläche an der Magdeburger Straße sowie mehrere unbebaute Grundstücke, zum Beispiel an der Wismarschen und der Rogahner Straße. Ausschlaggebend war schließlich, wie gut die künftige Unterkunft angebunden ist an den öffentlichen Nahverkehr und ob Einkaufsmöglichkeiten sowie Ärzte in unmittelbarer Nähe vorhanden sind. "Normalerweise liegen Wohnungslosenunterkünfte möglichst innenstadtnah", betont Sozialdezernent Dieter Niesen. Es habe sich aber kein zentraleres Gebäude finden lassen, das der Stadt gehört und kostengünstig saniert werden kann. "Der Große Dreesch ist bei den Wohnungslosen gut bekannt und eingeführt", sagt Niesen. "Und die Innenstadt ist gut zu erreichen."

Der ehemaligen Kita an der Anne-Frank-Straße 31 drohte eigentlich auch die Abrissbirne. Für 250 000 Euro soll sie nun saniert werden. Insgesamt 40 Plätze für wohnungslose Frauen und Männer könnten dort bereitgestellt werden. Obwohl im Schweriner Obdachlosenheim aktuell 45 Betten vorgehalten werden, liege der tatsächliche Belegungs-Durchschnitt um einiges darunter. "Es ist in Deutschland sehr ungewöhnlich, auf der Straße zu landen", betont Niesen. "Schon bei drohender Wohnungslosigkeit greifen wir ein, indem wir z.B. Schulden übernehmen oder Darlehen geben." Nach dem Prinzip "Hilfe zur Selbsthilfe" müsse immer genau geprüft werden, wer wie lange eine Wohnungslosenunterkunft in Anspruch nehmen dürfe. Insgesamt 240 000 Euro zahlte die Stadt im vergangenen Jahr für ihr Obdachlosenheim. Darin enthalten sind Miete, Betriebskosten, ein Pfortendienst und 10,82 Euro pro Übernachtung.

Schon zum 1. Dezember könnte der Umzug der Wohnungslosen quer über die Straße erfolgen. Auch der Betreiber des Heims soll bis dahin deutschlandweit neu ausgeschrieben worden sein. "Das ist eine enge und ambitionierte Zeitkette", betont Niesen. "Wir hoffen deshalb auf einen zügigen Beratungsverlauf in den Gremien." Nach der Verwaltung ist nämlich die Politik am Zuge. Der vorliegende Vorschlag wird nun in Ausschüssen und Ortsbeiräten diskutiert und muss dann in der Stadtvertretung abgestimmt werden.

"Ich gehe davon aus, dass die Vorlage noch zu Debatten führen wird", so Niesen. "Klar ist aber, dass die Leute, um die es geht, ein Teil unserer Gesellschaft sind. " Ob sie vielleicht schlecht in die Nachbarschaft passen oder den Neubau eines Wohngebietes stören könnten, darüber lasse er nicht mit sich diskutieren.

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