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Schwerin Obdachloser erfror in Gartenanlage

Von Udo Roll / Birgit Sander  | 14.12.2017, 20:55 Uhr

52-Jähriger lag nur spärlich bekleidet auf dem Weg

Die ersten kalten Nächte haben bereits ein Todesopfer in Mecklenburg-Vorpommern gefordert: Ein Obdachloser ist in Schwerin in einer Kleingartenanlage vermutlich erfroren. Die Leiche des 52-Jährigen wurde am Mittwochnachmittag auf einem Gartenweg gefunden, wie die Polizei gestern mitteilte. Der Tote sei nur spärlich bekleidet gewesen, seine Kleidungsstücke hätten neben ihm am Boden gelegen. Der Notarzt konnte nur noch den Tod des bei der Polizei als obdachlos bekannten Mannes feststellen.

Erste Ermittlungen haben nach Angaben eines Polizeisprechers keine Hinweise auf ein Fremdverschulden gegeben.   Die  genaue Todesursache  müsse aber noch geklärt werden, erläuterte  der Sprecher weiter. Die Kriminalpolizei habe die Ermittlungen übernommen.  Die Indizien sprächen  aber dafür, dass die winterlichen Temperaturen  zum Tod des Mannes geführt haben.  Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass der 52-Jährige   sich kurz vor dem Erfrieren wahrscheinlich selbst ausgezogen hatte. Ein solches Verhalten ist in der Rechtsmedizin als Kälteidiotie bekannt. Sinkt die Körpertemperatur unter 32 Grad Celsius,  kann ein Mensch Wärmegefühle empfinden. Die Betroffenen bilden sich ein, ihnen sei heiß  und  sie ziehen ihre Sachen  aus. 

Sozialverbände  und Hilfsorganisationen  appellieren  an die Bevölkerung deshalb  besonders im Winter verstärkt auf Obdachlose in Kleingartenanlagen und  auf Betrunkene an Haltestellen zu achten, die unterkühlt einschlafen  und erfrieren könnten.  In den Obdachlosenheimen des Landes gebe es genügend Schlafplätze für   Schutzsuchende, erklärt  der Sprecher des Sozialministeriums, Alexander Kujat. Manche Betroffene würden diese Hilfsangebote  aber auch bewusst ablehnen.   

Über die Zahl der Obdachlosen in Mecklenburg-Vorpommern gibt es nach Angaben des Sozialministeriums  aktuell keine genauen Zahlen, sondern lediglich Schätzungen. Demnach leben in der Landeshauptstadt derzeit 25 Menschen ohne festen Wohnsitz. In Rostock gibt es laut örtlicher Obdachlosenhilfe rund 1000 Betroffene ohne eigene Bleibe.  Im Landkreis  Nordwestmecklenburg  sind es 20. Auch auf Bundesebene existieren  keine verlässlichen Zahlen. Auf Initiative von Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) haben die Länder deshalb erst kürzlich eine deutschlandweite Obdachlosen-Zählung vereinbart. Drese verspricht sich davon eine bessere Bekämpfung der Wohnungslosigkeit.