Blaukehlchen und Brachvogel

Ranger Burkhard Fellner kartierte Wiesenbrüter auf rund 350 Hektar des Polders Blücher.
Ranger Burkhard Fellner kartierte Wiesenbrüter auf rund 350 Hektar des Polders Blücher.

Erste umfassende Kartierung von Wiesenbrütern im Polder Blücher/Seltenes Blaukehlchen gesichtet

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16. Juni 2015, 12:20 Uhr

Durch die Zertifizierung der Region als Biosphärenreservat Elbe stehen erstmals die finanziellen und personellen Mittel zur Verfügung, um in den betreffenden Gebieten ein Monitoring der Pflanzen und Tiere durchzuführen. Monitoring meint die Erfassung der vorkommenden Arten in regelmäßigen Abständen und deren Eintrag in eine Karte. Im Rahmen dieses Monitorings hat der neue Ranger Burkhard Fellner erstmals die Wiesenbrüter im Polder Blücher kartiert und die Kartierung an der Elbe bei Dömitz sowie in den Rögnitzwiesen bei Lübtheen koordiniert.

Für die Kartierung hat Fellner für das Gebiet drei Kreislinien festgelegt, die begangen wurden. Diese Linien-Kartierung ist eine gängige Methode und bot dem Ranger und seinen Kollegen die Möglichkeit, systematisch die Vogelarten zu erfassen und dabei auch alle versteckten Ecken einzusehen. Bei den insgesamt acht Begehungen zwischen März und Juni - der Brutzeit der Wiesenbrüter - erfasste Fellner die Vogelarten anhand von Gesang oder Aussehen. Dafür muss man umfangreiche Kenntnisse mitbringen, die der Ranger durch seine jahrelange Arbeit in der Lewitz gesammelt hat.

Stolz ist Fellner darauf, dass er moderne Technik für das Monitoring eingeführt hat. Mit Hilfe eines Tablets konnte er Vogellaute plus Aussehen vergleichen und so besser zuordnen. Noch wichtiger war aber die digitale Kartierung auf dem Tablet, mit Hilfe von GPS konnte der genaue Ort der Sichtung einer Vogelart eingetragen werden. Das war bei den bisherigen konventionellen Kartierungen eine große Fehlerquelle.

Haben die Ranger einen Vogel drei Mal an ein und derselben Stelle geortet während der acht Begehungen, gehen sie davon aus, dass dieser Vogel dort Nachkommen aufzieht.

Die diesjährige Kartierung führte zu einigen überraschenden Erkenntnissen. Zuallererst eine traurige: Es gibt keine Kiebitze mehr. Noch vor 20 Jahren war der Kiebitz ein sehr häufig vorkommender Vogel, die Alten erzählen sogar, wie sie früher Kiebitzeier aus den Nestern geholt und gegessen haben. Das machte der Population nichts aus. Die immer intensivere landwirtschaftliche Bewirtschaftung, die zunehmende Trockenlegung von Feuchtbiotopen und die Vorverlegung der ersten Mahd auf den Wiesen von Mitte Juni auf Mitte Mai, in die Brutzeit der Wiesenbrüter, hat den Kiebitz vertrieben, aber auch die Rohrdommel, das Tüpfelsumpfhuhn und den Rotschenkel.

Den sehr seltenen Brachvogel hat Fellner nur zweimal gesichtet, er brütet hier demnach ebenfalls nicht. Doch immerhin konnte der Ranger zum ersten Mal ein Blaukehlchen sichten. Dieser sehr seltene und schöne Vogel gilt durch seinen Gesang als „Nachtigall des Nordens“. Das Blaukehlchen besiedelt busch- oder röhrichtbestandene Biotope meist an sehr feuchten Standorten und ernährt sich überwiegend von Insekten. Durch Mangel an geeignetem Lebensraum ist die Art zunehmend bedroht.

Vielleicht findet das Blaukehlchen im Polder Blücher eine sichere Heimat.

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