Blauer Qualm statt Strandidylle

Nicht alle Raucher entsorgen ihre Zigarettenstummel am Strand vorschriftsmäßig. Ein Problem, dass vor allem Nichtrauchern und Familien mit Kindern gewaltig stinkt. Mit montierten Aschenbechern an Strandkörben könnte nun Abhilfe geschaffen werden.

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14. Mai 2009, 11:04 Uhr

Warnemünde | Barfuß durch den feinen weißen Strand stampfen. Herrlich, doch was ist das: Ein Zigarettenstummel.

Ein Bild, das irgendwie nicht zusammenpasst, genau das findet auch Matthias Treichel. Der Strandkorbvermieter sucht schon seit längerer Zeit nach einer Möglichkeit, um seinen Sandabschnitt vor den lästigen Kippen zu schützen. "Es ist schwierig, eine Variante zu finden, die sich gut am Strandkorb befästigen lässt", sagt Treichel.

Jetzt ersteigert er im Internet alte Aschenbecher von der Deutschen Reichsbahn. Bei 250 Körben ein zeitintensives Unterfangen. "Etwa zwanzig Stück habe ich schon zusammen", sagt er stolz und zeigt auf den silberglänzenden Becher.

Je mehr Zigaretten, desto mehr Arbeit Besonders in der Hauptsaison könne man viele Raucher dabei beobachten, wie sie ihre Zigaretten im Sand ausdrücken. Auch Verkäuferin Anja Schönbeck von der "Strandoase" hat das schon mehrfach beobachtet. "Nur wenige Leute fragen mich nach einem Aschenbecher", sagt die 26-Jährige.

Je mehr Zigaretten, desto mehr Arbeit für die junge Frau. Bewaffnet mit Schippe, Handschuhen und Eimer geht sie in der Saison fast täglich durch die einzelnen Strandkorbreihen. "Es ist schon erschreckend, was da manchmal so zusammenkommt", erzählt Schönbeck.

Selbstverständlichkeit die Glimstengel zu entsorgen Ein Bild, vor dem sich auch Manja Helms-Krause ekelt. Gemeinsam mit ihrer zweijährigen Tochter Hlif hat es sich die Mutter im Sand gemütlich gemacht. "Bei der Kleinen muss ich besonders darauf achten, weil sie ja noch vieles unbedacht in den Mund steckt", sagt die 29-Jährige Nichtraucherin. Im Gegensatz zu Helms-Krause greift Elke Lemke gerne zum Glimmstengel. Dabei ist es für die 40-jährige Postdamerin eine Selbstverständlichkeit ihre Zigaretten nach dem Strandbesuch selber zu entsorgen. "Ich meine wozu gibt es schließlich die Müllkörbe", sagt die Sekretärin. Beim gestrigen Strandbesuch habe ich sogar fremde Stummel mit eingesammelt. "Da versteckt sich schon einiges unter den Sandmassen", sagt die Sekretärin.

Momentan ist der Strand noch ziemlich leerFrüher hat Lemke sich immer mit einer Getränkedose beholfen. "Das ist ja heute aufgrund der eingestellten Produktion leider etwas schwierig", sagt sie.

Student Finn Bugislaws verbringt seine freie Zeit zwischen den Vorlesungen gerne am Strand. Mit einer Decke hat er es sich heute Mittag in der Sonne gemütlich gemacht. "Noch sehe ich das mit den Zigaretten im Sand nicht so dramatisch, aber noch ist der Strand ja auch ziemlich leer und keine Hauptsaison", sagt Bugislaws.

Einer, der seine Glimmstengel auch mal im Sand verschwinden lässt, ist Stefan Schacht. Der Student beklagt die fehlenden Möglichkeiten. "Oft suche ich mir extra ein Plätzchen in der Nähe des Dünenaufgangs, weil dort Körbe stehen", erklärt Schacht.

Bis Mitte des Sommers soll die Idee umgesetzt seinVon Treichels Idee ist der 20-Jährige daher umso mehr begeistert. "Ich würde auf jeden Fall von den Aschenbechern Gebrauch machen", sagt er schmunzelnd.

Bis Mitte des Sommers möchte der Strandkorbvermieter seine Idee umgesetzt haben."Drei Aschenbecher ersteigere ich derzeit pro Woche", sagt er. Befürchtungen hat Treichel dahingehend, dass ihm die Aschenbecher nach Montage geklaut oder zerstört werden. Aber einen Versuch ist es in jedem Fall wert.

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